Das Ergebnis klingt nicht wie ein vorsichtiges Comeback, sondern wie die Arbeit einer Band, die schon lange gemeinsam durch verrauchte Clubs zieht. Yttlings Kompositionen besitzen den Schwung klassischer Jazzaufnahmen, wirken zugleich aber ausgesprochen bildhaft und zugänglich. Immer wieder entsteht der Eindruck, den Soundtrack zu einem Film zu hören, der irgendwo zwischen skandinavischem Großstadtdrama, verschmitzter Krimikomödie und elegantem Agententhriller angesiedelt ist.
Zwischen Charles Mingus und imaginärem Kinofilm
Illegal Hit lebt von einer ausgezeichnet besetzten schwedischen Formation. Neben Yttling sind unter anderem Dan Berglund am Kontrabass, Goran Kajfeš an der Trompete, Mattias Ståhl am Vibrafon und Fredrik Rundqvist am Schlagzeug zu hören. Dazu kommt ein stattliches Saxofonensemble mit Jonas Kullhammar, Nils Berg, Fredrik Nordström und Magnus Lindgren. Trotz dieser personellen Größe bleibt der Klang erstaunlich beweglich.Bläser treten in einen lebhaften Dialog, Kontrabass und Schlagzeug treiben die Musik mit federndem Swing voran, während Klavier, Vibrafon und kleinere Klangdetails immer wieder neue Farben hinzufügen. Der Einfluss von Charles Mingus ist deutlich zu erkennen, doch Yttling versucht nicht, eine bestimmte Epoche möglichst genau zu rekonstruieren. Seine Erfahrung als Pop-Produzent zeigt sich in der präzisen Dramaturgie und dem sicheren Gespür für wiedererkennbare Motive.
Die Stücke sind instrumental, entwickeln aber dennoch ausgesprochen charaktervolle Szenen. Mal bewegt sich die Musik lässig und beinahe tänzerisch, mal wird sie dunkler, kantiger und unterschwellig bedrohlich. An anderer Stelle tauchen gepfiffene Melodien auf, die einen augenzwinkernden Bezug zu Yttlings größtem Indie-Pop-Erfolg nahelegen, ohne diesen einfach nachzuahmen.
Lebendig, spontan und trotzdem sorgfältig inszeniert
Die große Stärke des Albums liegt im Zusammenspiel von kontrollierter Komposition und musikalischer Freiheit. Illegal Hit klingt spontan und gelegentlich sogar ein wenig chaotisch, verliert dabei jedoch nie seine Richtung. Soli werden nicht bloß als technische Schaustücke eingesetzt, sondern ergeben sich organisch aus dem jeweiligen Arrangement. Gerade die Bläser dürfen aufbrechen, widersprechen und miteinander ringen, bevor die Stücke wieder zu ihrem ursprünglichen Thema zurückfinden.Dabei besitzt die Produktion eine warme und weitgehend akustische Ausstrahlung. Du hörst keine glatt polierte Hintergrundmusik, sondern Instrumente mit Ecken, Atemgeräuschen und körperlicher Präsenz. Diese Lebendigkeit macht das Album auch für Hörer interessant, die sonst nur selten zum Jazz greifen. Viele Melodien sind unmittelbar verständlich, ohne dass Yttling seine Kompositionen dafür vereinfachen müsste.
Gelegentlich ist die starke filmische Ausrichtung allerdings Fluch und Segen zugleich. Manche Passagen wirken eher wie atmosphärische Szenen als wie vollständig entwickelte Stücke. Zudem bleiben einzelne Motive weniger nachhaltig hängen als die besonders markanten Melodien des Albums. Wer einen ruhigen, dezenten Begleiter für den Abend erwartet, könnte außerdem von den plötzlichen Ausbrüchen und schrägen Wendungen überrascht werden.
Jazz mit Humor und eigener Handschrift
Illegal Hit nimmt seine musikalische Arbeit ernst, begegnet dem Genre aber nicht mit übertriebener Ehrfurcht. In den Arrangements steckt immer wieder ein trockener Humor. Instrumente stolpern scheinbar ineinander, Melodien nehmen unerwartete Abzweigungen, und aus eleganten Passagen entwickeln sich plötzlich kleine kontrollierte Tumulte. Gerade diese Unberechenbarkeit bewahrt das Album davor, zu einer bloßen Stilübung zu werden.Nach zwei Jahrzehnten Pause meldet sich Yttling Jazz somit nicht nur überzeugend zurück, sondern präsentiert ein Werk mit klarer eigener Identität. Illegal Hit verbindet die Energie einer gut eingespielten Jazzband mit dem dramaturgischen Instinkt eines erfahrenen Pop-Produzenten. Das Album ist traditionsbewusst, ohne nostalgisch zu erstarren, und zugänglich, ohne seine Ecken abzuschleifen.
Tracklist
- Sodon the Mountain Man
- Deadbeat Blues
- Malgomaj
- Pilot 23
- Illegal Hit
- City in Darkness
- Schoolbus on a Weekend
- Yttling Jazz #2 (Flox St.)
- Tanto in the Night



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