Night Laser nehmen den Fuß von der Bremse
S.T.F.U. macht als Opener keine Gefangenen. Statt langem Vorgeplänkel gibt es einen direkten, rotzigen Einstieg, der sofort klarmacht, dass Rats In The Cradle mehr sein möchte als eine nostalgische Achtziger-Veranstaltung. Make You Mine arbeitet anschließend stärker mit Melodie und einem wuchtigen Groove, während die Gitarren von Felipe Zapata Martinez genügend Schmutz behalten, um das Ganze nicht zu glatt erscheinen zu lassen.Genau diese Rauheit ist gewollt. Night Laser wollten kein bis ins letzte Detail poliertes Produkt aufnehmen, sondern die Energie einer gemeinsam spielenden Band bewahren. Das hörst Du dem Album tatsächlich an. Die Instrumente wirken nicht klinisch voneinander getrennt, sondern vermitteln immer wieder den Eindruck, dass hier vier Musiker gemeinsam im Raum stehen.
Rats In The Cradle klingt nicht nach einer Band, die verzweifelt die Achtziger nachspielen möchte, sondern nach vier Musikern, die deren Geist in ihre eigene Gegenwart holen.
Defenders zeigt die metallische Seite
Mit Defenders verschiebt sich das Gewicht deutlich in Richtung Power Metal. Der Song besitzt das Zeug zur Live-Hymne und bekommt durch Sebastian Zierof zusätzliche gesangliche Unterstützung. Der Refrain ist auf gemeinsames Mitsingen ausgelegt, während die Gitarren deutlich metallischer auftreten als bei klassischen Sleaze-Nummern.Blueberry Gin schlägt danach einen völlig anderen Weg ein. Bluesrock, Tempowechsel und die zusätzlichen Gitarrenparts von Sascha Paeth sorgen für einen angenehm lockeren Kontrast. Genau solche Wechsel gehören zu den Stärken des Albums. Night Laser scheinen diesmal weniger darüber nachgedacht zu haben, ob ein Song noch exakt in eine bestimmte Schublade passt.
Das zeigt sich besonders bei Heart Of The Desert Rose. Die Bluesrock-Ballade bekommt mit Johnny Gioeli einen Gast, der hervorragend zu diesem Material passt. Seine Stimme ergänzt Benno Hankers und verleiht dem Stück zusätzliche Größe. Inhaltlich widmet sich der Song Frauen, die sich auch durch schwierige Lebenssituationen nicht unterkriegen lassen.
Hinter dem Titel steckt ein ausgesprochen düsteres Thema
Wer bei Rats In The Cradle zunächst an ein cleveres Wortspiel mit einem bekannten Songtitel denkt, erlebt spätestens beim Titelsong einen ziemlichen Stimmungswechsel. Inhaltlich beschäftigen sich Night Laser hier mit dem japanischen Militärarzt und Kriegsverbrecher Shirō Ishii und damit mit einem der dunkelsten Kapitel japanischer Kriegsgeschichte. Entsprechend schwer fallen die Riffs aus.Der Titelsong zeigt, dass Sleaze Metal nicht zwangsläufig nur von Party, Sex und Whiskey handeln muss - Night Laser erlauben sich diesmal auch ausgesprochen unbequeme Themen.
Get Out dreht anschließend noch einmal kräftig an der Härteschraube. Freedom-Call-Gitarrist Lars Rettkowitz steuert zusätzliche Gitarren bei und Night Laser bewegen sich hier zeitweise überraschend nah an Thrash-Gefilden. Dass wenige Songs zuvor noch eine Bluesrock-Ballade lief, verdeutlicht ziemlich gut die enorme stilistische Spannweite dieser Platte.
Viel Abwechslung ist Stärke und Risiko zugleich
Mit Goddess Of The Sky gönnen sich Night Laser einen deutlich ausladenderen Song. Orchestrale und progressive Elemente erweitern den bisher etablierten Rahmen und zeigen erneut den Ehrgeiz, sich nicht ausschließlich auf kurze Glam- und Hard-Rock-Nummern zu verlassen. You And Me setzt danach einen bewusst reduzierten, akustisch geprägten Schlusspunkt.Diese Vielfalt funktioniert erstaunlich oft. Gleichzeitig liegt hier aber auch die größte Schwäche von Rats In The Cradle. Nicht jeder stilistische Ausflug wirkt gleichermaßen zwingend und gelegentlich fehlt dem Album ein klarer roter Faden. Wo andere Bands elf Varianten desselben Songs abliefern, laufen Night Laser eher Gefahr, ein paar Ideen zu viel unterbringen zu wollen. Das ist allerdings das sympathischere Problem.
Produziert und arrangiert wurde Rats In The Cradle von Eike Freese, während Dirk Schlächter die Band bei der Vorproduktion unterstützte. Corvin Bahn steuert Keyboards bei. Trotz der prominenten Gäste entsteht nicht der Eindruck eines Albums, das sich über bekannte Namen verkaufen möchte. Im Zentrum stehen weiterhin Benno Hankers, Felipe Zapata Martinez, Robert Hankers und Ingemar Oswald.
Vielleicht ist Rats In The Cradle nicht in jedem Moment perfekt - dafür klingt es nach einer Band, die gerade hörbar Spaß daran hat, ihre eigenen Grenzen auszutesten.
Tracklist
- S.T.F.U.
- Make You Mine
- Defenders
- Blueberry Gin (feat. Sascha Paeth)
- Heart Of The Desert Rose (feat. Johnny Gioeli)
- Rats In The Cradle
- Into The West
- 19CR490
- Get Out (feat. Lars Rettkowitz)
- Goddess Of The Sky
- You And Me




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