Methane bewegen sich dabei zwischen klassischem Thrash Metal, Bay-Area-Riffing und der aggressiven Direktheit des New York Hardcore. Tim Scott bringt dafür reichlich Erfahrung mit. Der Bassist und Sänger war früher Mitglied der amerikanischen Death-Metal-Band Revenant und gründete Methane später gemeinsam mit Gitarrist Jimi Mästerbo. Komplettiert wird die heutige Besetzung durch Gitarrist Markus Grundström und Schlagzeuger Richard Fredriksson.
Demolate ist nun das erste Album der Band für Fireflash Records und klingt tatsächlich wie der Versuch, alle Regler ein Stück weiter aufzudrehen. Acht Songs reichen dafür vollkommen.
Demolate verschwendet erstaunlich wenig Zeit damit, Dir zu erklären, was Methane vorhaben. Nach wenigen Sekunden weißt Du es ohnehin: Thrash Metal, laut, schnell und möglichst ohne Bremse.
360 Grad Verwüstung
360° of Destruction eröffnet das Album entsprechend kompromisslos. Gitarren und Schlagzeug treiben das Stück nach vorne, während Scott mit rauer Stimme darüberliegt. Interessant ist dabei, dass Methane trotz aller Aggression nicht in bloßes Hochgeschwindigkeitsgeprügel abrutschen. Unter dem Thrash-Gerüst steckt immer wieder ein deutlicher Groove.Genau hier kommt der Hardcore-Einfluss ins Spiel. Manche Riffs scheinen weniger für konzentriertes Kopfhörerhören als für einen Raum voller Menschen geschrieben worden zu sein, die gleichzeitig beschließen, sich gegenseitig umzurennen. Man kann sich ziemlich leicht vorstellen, warum Methane über die Jahre unter anderem mit Warbringer, Nervosa, Whiplash und Massacre auf der Bühne standen.
Alcoholocaust macht anschließend schon mit seinem Titel klar, dass die Band neben apokalyptischer Zerstörung auch eine gewisse Vorliebe für alkoholgetränkten Unsinn besitzt. Der Song funktioniert entsprechend direkt und gehört zu den Stücken, bei denen Demolate seinen Old-School-Charakter besonders offen trägt.
Chemieunterricht mit Nebenwirkungen
Research Chemicals bringt etwas mehr Struktur in die Raserei. Die Gitarrenarbeit von Mästerbo und Grundström gehört ohnehin zu den Stärken des Albums. Statt sich ausschließlich auf Geschwindigkeit zu verlassen, bauen Methane immer wieder Riffs ein, die sich nach wenigen Durchläufen ziemlich hartnäckig festsetzen.Der Titelsong Demolate fasst anschließend vieles zusammen, was dieses Album ausmacht. Das Stück ist aggressiv, rhythmisch präzise und besitzt trotzdem genug Dreck unter den Fingernägeln, um nicht steril zu wirken. Gerade moderne Thrash-Produktionen können gelegentlich so sauber werden, dass ihnen ein Teil ihrer Gefährlichkeit verloren geht. Methane vermeiden dieses Problem weitgehend.
Methane klingen modern genug, um ordentlich Druck aufzubauen, aber dreckig genug, damit Demolate nicht wie ein klinisch gereinigtes Thrash-Metal-Produkt wirkt.
Get In The Coffin schlägt danach wieder eine deutlich finsterere Richtung ein. Der Titel könnte problemlos auf einer Death-Metal-Platte stehen, und tatsächlich lässt sich hier auch Scotts Vergangenheit in härteren Gefilden erahnen. Seine Vocals bleiben rau und aggressiv, ohne in klassisches Death-Metal-Growling abzurutschen.
Zwischen Fallout und Bierdurst
King Of Fallout gehört zu den stärkeren Nummern der zweiten Albumhälfte. Hier funktioniert das Zusammenspiel der vier Musiker besonders gut. Richard Fredriksson treibt die Band am Schlagzeug unerbittlich an, während Scotts Bass genügend Präsenz besitzt, um nicht einfach unter den Gitarren zu verschwinden.Und dann wäre da noch I Fuck For Beer.
Subtil ist anders. Aber wer nach sieben Songs noch immer darauf wartet, dass Methane plötzlich ein tiefschürfendes Kammermusikstück präsentieren, hat vermutlich ohnehin das falsche Album eingelegt. Der Abschluss nimmt den biergetränkten Wahnsinn, den die Band schon vorher immer wieder anklingen lässt, endgültig beim Wort.
Das passt erstaunlich gut, denn Demolate besitzt trotz seiner apokalyptischen Motive einen gewissen Spaßfaktor. Methane nehmen ihre Musik ernst, aber offenbar nicht jede einzelne Sekunde ihrer eigenen Inszenierung. Gerade dadurch wirkt das Album sympathischer als manche Thrash-Platte, die mit permanent zusammengekniffenen Augen versucht, möglichst gefährlich auszusehen.
Natürlich hat diese Herangehensweise Grenzen. Acht Songs lang gibt es hauptsächlich unterschiedliche Varianten von Vollgas. Wer große stilistische Wendungen, ruhige Zwischenspiele oder progressive Experimente erwartet, wird sie hier nicht finden. Einige Riffs und Strukturen erinnern zudem ziemlich deutlich an die klassischen Vorbilder des Genres.
Doch Originalität ist bei Demolate offensichtlich nicht das primäre Ziel. Methane wollen Thrash Metal spielen, der live funktioniert, einen Moshpit in Bewegung setzt und trotzdem genug eigene Hardcore-DNA besitzt, um nicht wie eine reine Achtziger-Jahre-Kopie zu wirken.
Das gelingt erstaunlich gut.
Demolate erfindet Thrash Metal nicht neu. Es erinnert aber ziemlich überzeugend daran, warum dieses Genre überhaupt so viel Spaß macht.
Tracklist
- 360° of Destruction
- Alcoholocaust
- Research Chemicals
- Demolate
- Karen
- Get In The Coffin
- King Of Fallout
- I Fuck For Beer



Noch keine Kommentare. Starte die Diskussion!