Wer eine klassische Lebensbeichte erwartet, wird überrascht sein: Das Buch ist weniger Selbstreflexion als vielmehr eine liebevoll kuratierte Sammlung von Erinnerungen, Begegnungen und kleinen Geschichten aus einer bewegten Karriere. Und gerade das macht es so lesenswert.
Von AFN bis Bayern 3 – ein Leben im Äther
Der Bogen spannt sich vom Start als Studiotechniker beim US-Soldatensender AFN über seine Zeit bei Warner Brothers bis hin zur Radiokarriere beim Bayerischen Rundfunk. Egner nimmt uns mit in eine Zeit, in der Radio noch Magie war, als Interviews nicht über Zoom, sondern im Backstage-Bereich geführt wurden – oft spontan, manchmal chaotisch, aber immer nah dran.Dabei gelingen ihm wunderbare Einblicke in die Musikszene der letzten Jahrzehnte. Das Interview mit Prince sticht dabei besonders hervor: Ein Moment voller Respekt, Spannung und Magie – nicht nur für den Leser, sondern auch für Egner selbst ein unvergesslicher Höhepunkt. Aber auch die Begegnungen mit Lionel Richie, Rod Stewart, James Brown oder Mick Jagger werden mit einem Augenzwinkern, aber ohne Klatsch und Tratsch erzählt.
Unterhaltsam, wenn auch nicht tiefschürfend
Die Autobiografie bleibt stellenweise an der Oberfläche, kratzt mehr an Anekdoten als an innerer Entwicklung. Wer tiefe Einblicke in Egner als Privatperson sucht, wird nur bedingt fündig. Doch genau das scheint gewollt: Der Autor steht nicht im Mittelpunkt – es ist die Musik, die zählt, die Künstler, die ihn und uns geprägt haben, und die Geschichten, die hinter dem Mikrofon geschrieben wurden.Mit vielen Bildern und Erinnerungsstücken angereichert, lädt das Buch zum Blättern, Schmökern und nostalgischen Zurückdenken ein. Besonders für Musikfans und Radio-Nostalgiker ist das ein Fest – und ein Stück gelebte Popgeschichte.
Für Fans – mit kleinen Abzügen
Kritisch betrachtet fehlt dem Buch an manchen Stellen die Tiefe oder Struktur. Einige Kapitel wirken wie lose Aufzählungen, es bleibt oft bei Momentaufnahmen. Das ist charmant, aber nicht immer fesselnd. Und wer unter dem Titel eine tiefgreifende R&B-Geschichte erwartet, wird enttäuscht: Es geht weniger um Rhythm & Blues als um Egner zwischen den Welten von Funk, Soul, Disco und Pop.Doch trotz dieser Schwächen bleibt unterm Strich ein authentisches, unterhaltsames und vor allem ehrliches Buch eines Mannes, der mehr erlebt hat, als er auf 264 Seiten je erzählen könnte.



Noch keine Kommentare. Starte die Diskussion!