Lieber Herbst, wir müssen reden
Es liegt wirklich nicht an dir. Wir mögen dich. Deine bunten Blätter sind hübsch, Kürbissuppe ist durchaus lecker und gegen einen gemütlichen Abend auf dem Sofa haben wir grundsätzlich überhaupt nichts einzuwenden.Aber könntest du vielleicht noch zwei oder drei Wochen warten?
Und ganz grundsätzlich haben wir das Gefühl, dass dieser Sommer noch nicht fertig mit uns ist.
Was für ein Sommer das bitte war
Denn wenn wir schon Abschied nehmen sollen, dann wenigstens mit einem angemessenen Blick zurück. Der Sommer 2026 war meteorologisch außergewöhnlich. Mit einer Durchschnittstemperatur von rund 19,6 Grad war er deutschlandweit der zweitwärmste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Nur der legendäre Jahrhundertsommer 2003 war noch einen Hauch wärmer.Und Sonne gab es reichlich. Rund 783 Sonnenstunden kamen zwischen Juni und August zusammen. Damit gehört 2026 sogar zu den sonnigsten Sommern, die in Deutschland jemals erfasst wurden.
Natürlich hatte das Ganze auch eine sehr ernste Kehrseite. Die enorme Hitze und Trockenheit sorgten für ausgetrocknete Böden, niedrige Wasserstände, Wald- und Vegetationsbrände und erhebliche gesundheitliche Belastungen. Ein perfekter Sommer war es also keineswegs.
Aber für viele von uns wird 2026 trotzdem als jener Sommer in Erinnerung bleiben, in dem gefühlt ständig irgendwo ein Grill angezündet wurde, Freibäder Hochkonjunktur hatten und sich das Leben für einige Monate wieder deutlich stärker nach draußen verlagerte.
41,8 Grad - okay, vielleicht hast du etwas übertrieben
Lieber Sommer, an einer Stelle müssen wir allerdings Kritik üben. Am 27. Juni wurden in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt 41,8 Grad gemessen. Neuer deutscher Temperaturrekord.Das war dann vielleicht doch ein bisschen viel.
Auch die Nächte waren teilweise außergewöhnlich warm. Im sächsischen Kubschütz sank die Temperatur in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni nicht unter 29,4 Grad. Wer in dieser Nacht versucht hat, ohne Klimaanlage vernünftig zu schlafen, dürfte sich vermutlich noch daran erinnern.
Diesen Teil des Sommers darfst du nächstes Jahr gerne etwas entspannter angehen.
Aber diese Sommerabende werden uns fehlen
Was wir dagegen gerne behalten würden, sind diese Abende. Du weißt schon welche.Es ist 21 Uhr und immer noch warm. Irgendwo riecht es nach Grill. Die Nachbarn sitzen auf dem Balkon, im Biergarten sind fast alle Tische besetzt und eigentlich wollte man schon vor einer Stunde nach Hause gehen. Stattdessen bestellt man noch etwas zu trinken, weil es draußen gerade einfach zu schön ist.
Oder diese Wochenenden, an denen die wichtigste Entscheidung des Tages lautete: Freibad, See, Garten oder einfach gar nichts tun?
Genau diese kleinen Dinge machen den Sommer aus. Nicht irgendwelche Temperaturtabellen und Wetterrekorde, sondern dieses merkwürdige Gefühl, plötzlich mehr vom Tag zu haben.
Kurze Hose gegen Übergangsjacke
Und nun soll das alles vorbei sein. Stattdessen wartet bereits dieses Kleidungsstück auf uns, dessen Existenz wir über mehrere Monate erfolgreich verdrängt haben: die Übergangsjacke.Bald beginnt wieder die Jahreszeit, in der man morgens bei acht Grad das Haus verlässt, mittags bei 19 Grad seine Jacke durch die Gegend trägt und abends trotzdem friert. Dazu gesellen sich beschlagene Autoscheiben, nasses Laub und die alljährliche Frage, wann eigentlich die Heizung wieder eingeschaltet werden muss.
Wir sind mental noch nicht so weit.
Unsere Forderungen an den Herbst 2026
Deshalb schlagen wir einen Kompromiss vor. Der Herbst darf grundsätzlich kommen. Wir sind schließlich vernünftige Menschen und wissen, dass wir astronomische Vorgänge nur begrenzt durch Blogartikel beeinflussen können.Unsere Bedingungen wären allerdings: mindestens noch ein paar Wochen mit Temperaturen um die 20 Grad, möglichst viel Sonne, Regen bevorzugt nachts und bitte keine Situation, in der wir morgens plötzlich Eis von der Windschutzscheibe kratzen müssen.
Im Gegenzug akzeptieren wir buntes Laub, Kastanien, Kürbisse und meinetwegen sogar die ersten Lebkuchen im Supermarkt. Obwohl die dort vermutlich sowieso schon seit August liegen.
Sommer 2026, es war schön mit dir
Vielleicht hilft am Ende aber tatsächlich alles nichts. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger und irgendwann werden auch die letzten hartnäckigen Menschen ihre kurzen Hosen gegen Jeans tauschen müssen.Dann bleibt uns zumindest die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Sommer. An unglaublich viel Sonne, warme Nächte, lange Abende und diese Wochen, in denen Deutschland manchmal ein kleines bisschen mehr nach Südeuropa aussah als gewohnt.
Deshalb sagen wir noch nicht Lebewohl. Höchstens: bis nächstes Jahr.
Also: Wer ist dabei? Darf der Herbst jetzt kommen - oder würdest du den Sommer 2026 gerne noch um ein paar Wochen verlängern?


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