Zweimal am Tag - aber bitte gründlich
Die gute Nachricht zuerst: Wer morgens und abends zur Zahnbürste greift, macht schon einmal etwas ziemlich Wichtiges richtig. Regelmäßiges Putzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta gehört zu den Grundlagen guter Mundhygiene.Entscheidend ist allerdings nicht nur, wie oft wir putzen, sondern auch wie gründlich. Wer mit der Zahnbürste für 30 Sekunden einmal quer durch den Mund rast, hat zwar offiziell geputzt, dürfte aber längst nicht alle Zahnflächen ausreichend erwischt haben.
Als Orientierung gelten etwa zwei Minuten. Dabei sollten Außenflächen, Innenflächen und Kauflächen berücksichtigt werden. Klingt simpel - bis man einmal bewusst darauf achtet, welche Stellen man aus reiner Gewohnheit vielleicht immer etwas schneller abarbeitet.
Mehr Druck macht die Zähne nicht sauberer
Vielleicht kennst du das: Je kräftiger man schrubbt, desto sauberer müssen die Zähne anschließend sein. Klingt logisch, ist aber keine besonders gute Idee.Zu viel Druck kann auf Dauer Zahnfleisch und Zahnhälse belasten. Beim Putzen geht es deshalb weniger um Muskelkraft als um System und Gründlichkeit. Moderne elektrische Zahnbürsten besitzen teilweise sogar eine Andruckkontrolle und warnen, wenn man es zu gut meint.
Wer nach dem Putzen regelmäßig aussieht, als hätte er gerade versucht, einen Kochtopf mit der Zahnbürste zu reinigen, darf also durchaus etwas entspannter an die Sache herangehen.
Vor oder nach dem Frühstück putzen?
Hier beginnt eine der klassischen Diskussionen im Badezimmer. Die einen putzen direkt nach dem Aufstehen, die anderen erst nach Kaffee, Brötchen und Orangensaft.Grundsätzlich spricht vieles dafür, die Zähne vor dem Frühstück zu putzen. Wer lieber danach putzt, sollte insbesondere nach säurehaltigen Lebensmitteln und Getränken nicht unmittelbar mit kräftigem Bürsten loslegen. Säuren können die Zahnoberfläche vorübergehend empfindlicher machen.
Das bedeutet übrigens nicht, dass ein Glas Orangensaft am Morgen plötzlich zum Staatsfeind Nummer eins des Zahnschmelzes erklärt werden muss. Es zeigt lediglich, dass auch der Zeitpunkt beim Zähneputzen eine Rolle spielen kann.
Nach dem Putzen kräftig mit Wasser spülen?
Zahnpasta ausgespuckt, Wasser in den Mund und ordentlich durchspülen - für viele gehört genau das seit Jahrzehnten zum Ritual.Dabei kann es sinnvoll sein, nach dem Putzen lediglich die überschüssige Zahnpasta auszuspucken und nicht sofort mit größeren Mengen Wasser nachzuspülen. So bleibt das Fluorid aus der Zahnpasta länger an den Zähnen verfügbar.
Das dürfte für einige tatsächlich einer dieser kleinen Momente sein, bei denen man sich fragt: Warum hat mir das eigentlich niemand früher gesagt?
Die Zahnbürste erreicht nicht alles
Selbst mit einer hervorragenden Putztechnik gibt es ein Problem: Eine normale Zahnbürste erreicht die Zahnzwischenräume nur eingeschränkt. Genau dort können sich aber Speisereste und bakterielle Beläge sammeln.Deshalb gehören Zahnseide oder geeignete Interdentalbürsten ebenfalls zur Mundhygiene. Welche Variante besser geeignet ist, hängt unter anderem von den eigenen Zahnzwischenräumen ab. Bei Unsicherheit kann die Zahnarztpraxis zeigen, welche Größe und Technik sinnvoll sind.
Und ja: Für viele Menschen dürfte genau dieser Teil der Zahnpflege jener sein, bei dem Theorie und tägliche Realität besonders weit auseinanderliegen.
Elektrisch oder Handzahnbürste?
Muss es unbedingt eine elektrische Zahnbürste sein? Nicht zwingend. Auch mit einer Handzahnbürste lassen sich Zähne gründlich reinigen. Elektrische Modelle können es allerdings einfacher machen, eine gleichmäßige Putzbewegung einzuhalten. Funktionen wie Timer oder Drucksensoren helfen zusätzlich dabei, typische Fehler zu vermeiden.Viel wichtiger als der kleine Motor im Griff ist deshalb, dass die Zahnbürste regelmäßig und richtig benutzt wird. Die teuerste Hightech-Bürste der Welt hilft schließlich wenig, wenn sie hauptsächlich dekorativ in ihrer Ladestation steht.
Auch die Zahnbürste darf irgendwann in Rente
Ein weiterer Klassiker steht wahrscheinlich gerade in Millionen Badezimmern: die Zahnbürste, deren Borsten inzwischen in ungefähr zwölf verschiedene Himmelsrichtungen zeigen.Bürstenköpfe beziehungsweise Handzahnbürsten sollten regelmäßig ausgetauscht werden. Spätestens wenn die Borsten sichtbar ausgefranst sind, ist es Zeit für einen Wechsel. Eine völlig zerzauste Bürste reinigt schließlich nicht besser, nur weil man besonders lange an ihr festhält.
2026 heißt es: Kau dich fit!
Der Tag der Zahngesundheit findet in Deutschland seit 1991 jedes Jahr am 25. September statt. 2026 steht er unter dem Motto „Gesund beginnt im Mund - Kau dich fit!“. Damit rückt neben der klassischen Zahnpflege diesmal besonders das Kauen in den Mittelpunkt.Denn Kauen ist mehr als das Zerkleinern von Lebensmitteln. Es regt unter anderem die Speichelproduktion an. Speichel wiederum hilft dabei, Säuren im Mund zu neutralisieren und den Zahnschmelz bei seiner Remineralisation zu unterstützen. Besonders kauaktive Lebensmittel wie rohes Gemüse, Obst oder Vollkornprodukte fordern außerdem die Kaumuskulatur.
Vielleicht gehört zur Zahngesundheit also tatsächlich mehr als die obligatorischen zwei Minuten morgens und abends.
Wie viele dieser Gewohnheiten machst du selbst?
Das Interessante am Zähneputzen ist, dass jeder seine ganz eigene Routine entwickelt. Zahnpasta drauf, Wasser drauf oder nicht, erst oben oder unten, elektrisch oder per Hand - und natürlich die ewige Frage, ob Zahnseide wirklich jeden Abend zum Einsatz kommt oder hauptsächlich kurz vor dem Zahnarzttermin.Der Tag der Zahngesundheit ist deshalb ein guter Anlass, die eigene Routine einmal bewusst zu beobachten. Vielleicht machst du ohnehin alles vorbildlich. Vielleicht entdeckst du aber auch eine Angewohnheit, die du seit 30 Jahren machst, ohne jemals darüber nachgedacht zu haben.
Also Hand aufs Herz: Wie viele Minuten putzt du wirklich - und wann hast du zuletzt Zahnseide benutzt?


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