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Sharp Pins - Mod Mayday 23 Review

Ungeschliffener Mod-Pop zwischen jugendlichem Überschwang und rauer Kassettenromantik



Sharp Pins - Mod Mayday 23 Review Bild Sharp Pins - Mod Mayday 23 Review Screenshot Sharp Pins - Mod Mayday 23 Review Foto
Foto: Grace Bader Conrad. Mehr zum Thema Transparenz.

Manchmal braucht es kein großes Studio, keine makellose Produktion und erst recht keinen ausgefeilten Karriereplan, damit eine Platte hängen bleibt. „Mod Mayday 23“ entstand bereits 2023, als Kai Slater gerade einmal 18 Jahre alt war. Ursprünglich erschien das Album in einer winzigen Auflage von rund 50 Kassetten über sein eigenes Fanzine Hallogallo. Drei Jahre später holen Perennial und K Records diese frühe Aufnahme von Sharp Pins aus dem Untergrund und machen sie erstmals einem größeren Publikum zugänglich.

Dabei handelt es sich allerdings nicht einfach um ein reguläres Studioalbum mit neuen Eigenkompositionen. Slater greift überwiegend Stücke der britischen Mod-Revival-Sammlung „Mods Mayday ’79“ auf und überträgt sie in seine eigene, bewusst verschrammte Klangwelt.

Eine Liebeserklärung an die Mod-Bewegung
Die musikalische Vorlage spielte für Slaters Entwicklung eine entscheidende Rolle. Nachdem er sich in alte Mod-Fanzines und die zweite britische Welle der späten Siebzigerjahre vertieft hatte, wollte er einige damals nur unzureichend dokumentierte Songs bewahren. Sharp Pins behandelt das Material dabei weder wie unantastbare Klassiker noch wie bloße historische Fundstücke. Vielmehr klingt „Mod Mayday 23“ wie die Aufnahme einer imaginären Garagenband, die diese Lieder zufällig entdeckt, ein Wochenende lang probt und anschließend voller Begeisterung auf Band bannt.

Genau das verleiht dem Album seinen besonderen Charme. „It’s A Mod Mod World“ eröffnet die Platte mit schepperndem Schlagzeug, übersteuerter Gitarre und einer Stimme, die eher aus dem Nebenraum als aus einer Gesangskabine zu kommen scheint. „Face of Youth Today“ und „I’ve Got You on My Mind“ legen direkt nach und zeigen, wie sicher Slater bereits in jungen Jahren mit kurzen, griffigen Melodien umgehen konnte. Du hörst hier keine detailverliebte Rekonstruktion der späten Siebziger, sondern eine jugendliche Reaktion auf deren Energie.

Vier Spuren, viele Ideen und reichlich Schmutz
Aufgenommen wurde „Mod Mayday 23“ im damaligen Stülo-Gulo-Studio in Chicago mit einem Tascam Porta One. Slater spielte die Instrumente selbst ein, übernahm die Aufnahme sowie den Mix und ließ das Ergebnis später von Amy Dragon mastern. Die Begrenzung auf vier Spuren ist praktisch überall zu hören. Gitarren fransen aus, Stimmen schwanken im Raum und manche Übergänge wirken, als hätte jemand während der laufenden Aufnahme noch schnell einen Regler bewegt.

Das kann ausgesprochen lebendig klingen, setzt Deiner Begeisterung aber auch Grenzen. „B-A-B-Y Baby Luv“ lebt von seinen Harmonien und einer ausgedehnten Schlussphase, während „Tonight’s The Night“ mit einem herrlich unbekümmerten Refrain punktet. „Friday Night“ benötigt nicht einmal zwei Minuten, um seinen kleinen Ausbruch aus Alltag und Langeweile auf den Punkt zu bringen.

So unmittelbar diese Stücke wirken, so ähnlich sind sich manche Klangfarben. Nach mehreren Songs verschwimmen die kratzigen Gitarren, der dünne Schlagzeugsound und Slaters gepresster Gesang gelegentlich zu einer einzigen verrauschten Oberfläche. Die Produktion ist also nicht nur Stilmittel, sondern bisweilen auch Hindernis. Wenn Du saubere Trennschärfe, satte Bässe oder einen druckvollen modernen Mix erwartest, wirst Du Dich daran vermutlich reiben.

Zwischen Garage-Pop und großen Melodien
In der zweiten Hälfte wird das Album etwas weitläufiger. „Live Without Her Love“ sticht mit seiner Länge von gut vier Minuten heraus und gehört dank der zwölfseitig wirkenden Gitarren, der mehrstimmigen Passagen und des ausgedehnten Endes zu den stärksten Interpretationen. Hier wird besonders deutlich, dass hinter dem vermeintlichen Kassettenchaos ein ziemlich gutes Gespür für Arrangements steckt.

„Love Only Me“ und „Let Me Be The One“ kehren anschließend zu kompakteren Formen zurück, bevor „Days of Change“ noch einmal mehr Raum für Atmosphäre und melodische Entwicklung schafft. Als Abschluss folgt eine Demofassung von „Race for the Audience“. Das Stück tauchte später in ausgearbeiteter Form auf „Radio DDR“ auf und bildet damit eine kleine Brücke zwischen dem jungen Kai Slater und dem songwriterisch gefestigteren Sharp Pins. Die frühe Version klingt unfertig, besitzt aber genau deshalb eine reizvolle Verletzlichkeit.

Insgesamt ist „Mod Mayday 23“ weniger ein geschlossenes neues Kapitel als ein hörbar konservierter Zwischenstand. Die Platte dokumentiert, wie Slater aus Begeisterung für eine vergangene Jugendkultur seine eigene musikalische Sprache entwickelte. Nicht jede Idee sitzt, und die absichtlich primitive Aufnahmeweise nimmt den Melodien gelegentlich mehr Kraft, als sie ihnen Charakter verleiht. Trotzdem stecken in diesen gut 31 Minuten genug Spielfreude, Eigenwilligkeit und melodisches Gespür, um die Neuauflage zu rechtfertigen.

Tracklist
  1. It's A Mod Mod World
  2. Face of Youth Today
  3. I've Got You on My Mind
  4. B-A-B-Y Baby Luv
  5. Tonight's The Night
  6. Friday Night
  7. Live Without Her Love
  8. Love Only Me
  9. Let Me Be The One
  10. Days of Change
  11. Race for the Audience (demo)

Unser Fazit

Ungeschliffener Mod-Pop zwischen jugendlichem Überschwang und rauer Kassettenromantik

„Mod Mayday 23“ ist eine sympathisch ungeschliffene Hommage an den britischen Mod-Revival und zugleich ein interessantes Dokument aus der Anfangszeit von Sharp Pins. Die starken Melodien, die spürbare Begeisterung und der unbekümmerte Garage-Pop tragen das Album, während der extrem raue Vier-Spur-Sound einzelne Songs unnötig einengt und auf Dauer etwas gleichförmig wirkt. Keine makellose Platte, aber eine ehrliche, lebendige Momentaufnahme mit ausreichend eigener Persönlichkeit.

Redaktion (Spielemagazin.de)

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