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Dea Matrona - Hate That I Care Review

Zwischen Herzschmerz, Rebellion und großen Hooks



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Schon der Titel verrät, dass auf Hate That I Care einige widersprüchliche Gefühle miteinander ringen. Das zweite Album von Dea Matrona handelt vom Wunsch nach Unabhängigkeit und der unangenehmen Erkenntnis, dass sich Emotionen nicht einfach abschalten lassen. Mollie McGinn und Orláith Forsythe klingen darauf dunkler, persönlicher und stellenweise wütender als auf ihrem Debüt For Your Sins. Ihre Wurzeln im Blues- und Classic Rock bleiben hörbar, werden jedoch um kantigen Alternative Rock, griffige Popmelodien und atmosphärische Zwischentöne erweitert. Erschienen ist das zehn Stücke umfassende Album am 5. Juni 2026 über Awal.

Dea Matrona übernehmen auch hinter den Kulissen die Kontrolle
McGinn und Forsythe lernten sich während ihrer Schulzeit in Belfast kennen und gründeten Dea Matrona 2018. Erste Aufmerksamkeit erspielten sie sich mit gemeinsamen Straßenauftritten und Rock-Covern, bevor eigene Songs und immer größere Bühnen folgten. Für Hate That I Care behielten die beiden ihre kreative Unabhängigkeit konsequent bei. Das Album wurde vollständig von ihnen geschrieben, weitgehend selbst eingespielt sowie eigenständig aufgenommen und produziert. Ein erheblicher Teil der Arbeit entstand unterwegs, teilweise mit vergleichsweise überschaubarer technischer Ausrüstung.

Diese Arbeitsweise hört man der Platte keineswegs als Einschränkung an. Im Gegenteil: Die Produktion wirkt druckvoll, klar und erstaunlich detailreich. Gitarren und Bass besitzen genügend Gewicht, ohne die charakteristischen Harmoniegesänge zu erdrücken. Die Schlagzeugparts wurden zunächst programmiert und anschließend von Tony Morra eingespielt. Daraus entsteht ein Sound, der präzise konstruiert ist, sich aber dennoch nach einer Band im Raum anfühlt.

Hate That I Care verwandelt Unsicherheit in explosive Energie
Der eröffnende Titelsong bringt den Grundkonflikt des Albums sofort auf den Punkt. Über einer melodischen Gitarrenfigur singt Mollie McGinn von der zermürbenden Unsicherheit, ob ein geliebter Mensch am nächsten Tag noch da sein wird. Orláith Forsythes Hintergrundstimme verstärkt das Gefühl innerer Unruhe, bevor sich die angestaute Frustration in einem wuchtigen Gitarrenausbruch entlädt. Dea Matrona verbinden Verletzlichkeit und Härte hier besonders überzeugend.

My Own Party beschäftigt sich mit sozialer Unsicherheit und dem beklemmenden Eindruck, von allen beobachtet zu werden. Der Song dreht diese Perspektive allerdings um: Vielleicht interessieren sich die anderen Menschen viel weniger für Deine vermeintlichen Fehler, als Du glaubst. Hinter der eingängigen Oberfläche steckt damit eine ziemlich treffende Beobachtung über Selbstwahrnehmung, Alkohol als Hilfsmittel in sozialen Situationen und die paradoxe Sehnsucht, zugleich gesehen und in Ruhe gelassen zu werden.

A Rebel Song erhebt die Weigerung, fremde Erwartungen zu erfüllen, zum Programm. Kräftige Gitarren, ein treibender Rhythmus und selbstbewusste Gesangslinien machen das Stück zu einem der unmittelbarsten Rockmomente der Platte. Aisling nimmt sich mit mehr als fünf Minuten deutlich mehr Raum und zeigt die atmosphärische Seite des Duos. Der Song lässt Spannung langsam wachsen, anstatt sofort den nächsten Refrain abzufeuern. Dadurch erhält die ansonsten sehr kompakte Platte an der richtigen Stelle zusätzliche Tiefe.

Zwischen digitalem Druck und geheimnisvoller Verführung
John Doe richtet den Blick auf eine anonyme Figur und spielt mit Distanz, Projektion und der Schwierigkeit, einen anderen Menschen wirklich zu erfassen. Wait befasst sich dagegen unverkennbar mit den Schattenseiten des modernen Alltags. Permanente Vergleiche in sozialen Netzwerken, Zahlen, Statistiken und algorithmisch geprägte Wahrnehmung erzeugen einen Druck, dem sich gerade junge Künstler kaum entziehen können. Mit nur zweieinhalb Minuten bleibt der Song angenehm konzentriert, hätte seine Gedanken aber durchaus noch etwas weiter ausführen dürfen.

Magic Spell war eines der frühesten Stücke, die für Hate That I Care entstanden. Ursprünglich sollte das gesamte Album stärker in Richtung mystischer Weltflucht gehen, bevor reale Erfahrungen den Schreibprozess persönlicher und emotional intensiver werden ließen. Der Song bewahrt diese ursprüngliche Idee. Ein dominanter Bass, ein lässiger Schlagzeuggroove und Forsythes charismatischer Leadgesang erzeugen eine beinahe beschwörende Wirkung. Dass beide Musikerinnen den Hauptgesang übernehmen können, erweitert die Ausdrucksmöglichkeiten von Dea Matrona erheblich, ohne die Einheit des Albums zu gefährden.

Summer Rain verbindet sommerliche Bilder mit einer unterschwelligen Melancholie und gehört zu den melodisch nachhaltigsten Stücken. Siren Song fällt etwas kürzer und direkter aus, arbeitet jedoch ebenfalls mit Verführung, Gefahr und emotionaler Orientierungslosigkeit. Das abschließende Told U I'm Strange bewegt sich am stärksten in Richtung Pop. Verschachtelte Gesangsspuren, kleine elektronische Texturen und ein beinahe hypnotisches Ausklingen verleihen dem Finale eine schwebende Qualität. Statt einen letzten großen Knall zu inszenieren, lässt das Duo die Platte langsam aus dem Blickfeld verschwinden.

Große Entwicklung mit gelegentlich vertrauten Mustern
Die zehn Songs zeigen eine Band, die ihre Stärken inzwischen sehr genau kennt. Besonders die Wechsel zwischen den Leadstimmen, die prägnanten Basslinien und der harmonische Gesang sorgen für Wiedererkennungswert. Nicht jede Nummer ist allerdings gleichermaßen eigenständig. An manchen Stellen verlässt sich das Duo etwas stark auf bewährte Rockfiguren und eingängige Refrains, während die thematisch interessanten Ansätze einzelner kürzerer Songs nur angerissen werden. Dafür bleibt Hate That I Care über seine rund 37 Minuten fokussiert und frei von offensichtlichem Füllmaterial. Dea Matrona haben ihren Stil nicht neu erfunden, aber deutlich geschärft und emotional vertieft.

Tracklist
  1. Hate That I Care
  2. My Own Party
  3. A Rebel Song
  4. Aisling
  5. John Doe
  6. Wait
  7. Magic Spell
  8. Summer Rain
  9. Siren Song
  10. Told U I'm Strange

Unser Fazit

Zwischen Herzschmerz, Rebellion und großen Hooks

Hate That I Care ist ein selbstbewusstes zweites Album, auf dem Dea Matrona ihre Blues-Rock-Wurzeln mit kantigerem Alternative Rock und einem ausgeprägten Gespür für eingängige Melodien verbinden. Mollie McGinn und Orláith Forsythe überzeugen vor allem durch ihre Harmoniegesänge, druckvolle Basslinien und eine neue emotionale Offenheit. Einige vertraute Rockmuster und nicht vollständig ausgearbeitete Themen verhindern den ganz großen Sprung. Die starke Eigenproduktion, mehrere hervorragende Hooks und das kompakte Songwriting machen die Platte dennoch zu einer klaren Weiterentwicklung.

Redaktion (Spielemagazin.de)

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