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Romancing SaGa – Minstrel Song – Remastered International Review

Ein Klassiker, der sich treu bleibt – vielleicht zu sehr


03.01.2026  Danilo  Switch  0 Likes  0 Kommentare 
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Romancing SaGa – Minstrel Song – Remastered International ist ein ungewöhnlicher Fall: ein Remaster eines Remasters eines Remakes. Man spürt in jeder Minute, wie sehr dieses Spiel aus einer anderen Zeit stammt – einer Zeit, in der JRPGs gerne experimentierten, ihre Spieler forderten und Storys eher skizzierten als ausinszenierten. Genau diese DNA bewahrt die International-Version konsequent und ergänzt sie um zeitgemäße Komfortfeatures sowie – endlich – vollwertige Lokalisierungen.

Die Welt Mardias mit ihren Fatestones, Prophezeiungen und Gottheiten ist atmosphärisch, aber nie wirklich erzählerischer Mittelpunkt. Stattdessen lebt das Spiel vom Gefühl einer zerfaserten, offenen Fantasywelt, in der Geschichten entstehen, weil du sie erspielst – nicht, weil sie dir erzählt werden. Es ist romantisches Chaos, auf eine sehr alte Schule.

Acht Helden, acht Wege – und kein roter Faden
Das Free-Scenario-System ist das Herzstück von Romancing SaGa. Statt einer linearen Story bekommst du acht mögliche Protagonisten mit unterschiedlichen Ausgangspunkten. Kaum ein Jrpg gibt dir so viel Freiheit – oder so wenig Orientierung. Quests tauchen auf und verschwinden wieder. Figuren begleiten dich, ohne dass klar ist, ob sie wichtig werden. Manche Entscheidungen verpuffen, andere wirken weit ins Abenteuer hinein, ohne dass das Spiel sie sichtbar macht.

Das ist faszinierend, aber auch fordernd. Messbare Progression findet kaum statt. Wer ein modernes, stringentes Jrpg erwartet, wird irritiert sein. Wer dagegen Freude an offenen Systemen hat, entdeckt hier ein selten gewordenes Gefühl: ein Jrpg, das dich nicht leitet, sondern laufen lässt.

Kämpfe voller Tiefe – und voller Tücken
Rundenbasiert, taktisch, eigenwillig: Die Kämpfe gehören zu den Stärken des Spiels. Das Glimmer-System, bei dem neue Techniken einfach spontan aufploppen, erzeugt dieses herrliche „Aha!“-Gefühl, das die SaGa-Reihe berühmt gemacht hat. Combos verbinden Angriffe zu mächtigen Ketten, die das Kampffeld drehen können.

Gleichzeitig ist das System gnadenlos unbalanciert. Gegner skalieren ständig mit, manchmal härter, als du dich entwickelst. Ohne klassische Level und mit limitierten Ressourcen wie BP, DP und den kritischen LP wirkt jeder Kampf ein Stück existenzieller. Das erzeugt Spannung – aber auch Frust. Es ist ein System, das lange trägt, aber keinen Fehler verzeiht.

Ein Remaster mit Augenmaß – schöner, klarer, aber immer noch PS2 im Herzen
Visuell ist der Remaster eine gelungene Modernisierung. Das Spiel wirkt sauberer, farbintensiver, aber klar an seine Zeit gebunden: charmante Modelle, aber keine Welt, die mit heutigen Standards konkurriert. Der Soundtrack dagegen ist zeitlos und eine kleine Wucht. Kenji Ito mischt episch, melancholisch und energiegeladen – und hält damit den emotionalen Ton des Spiels zusammen.

Die International-Version überzeugt vor allem durch Barrierefreiheit: neue Sprachen, verbesserte Menüs, bessere Speicheroptionen. Technisch läuft das Spiel solide auf allen Plattformen, ohne große Unterschiede.

Ein Spiel für Liebhaber – und nur für die
Romancing SaGa bleibt ein Werk, das bewusst sperrig ist. Es will nicht einfach sein. Es will nicht Mainstream sein. Es will nicht glatt sein. Wer bereit ist, sich auf dieses eigenwillige Design einzulassen, findet ein ungewöhnlich tiefes Rollenspiel, das jahrzehntelang seinen Kultstatus gepflegt hat. Wer hingegen klare Struktur, Fairness oder kontinuierliche Powerfantasy erwartet, wird hier eher frustriert als fasziniert.

Romancing SaGa – Minstrel Song – Remastered International ist ein JRPG, das sich bewusst gegen moderne Erwartungen stellt. Mit seinem offenen Free-Scenario-System, acht unterschiedlichen Heldenwegen und einer Welt voller kleiner Geschichten bietet es enorme Freiheit – aber kaum Führung. Die Kämpfe sind taktisch, komplex und oft unberechenbar. Systeme wie Glimmer und Combos sorgen für spannende Momente, doch das harte Gegner-Scaling und die fehlende Transparenz machen das Spiel bisweilen anstrengend. Audiovisuell überzeugt das Remaster mit seinem nostalgischen Stil und einem großartigen Soundtrack, während die neue Lokalisierung endlich alle Barrieren niederreißt. Für Fans der Reihe oder Spieler, die Retro-JRPG-Design schätzen, ist es ein ungewöhnliches, mutiges Erlebnis. Für alle anderen bleibt es ein sperriges Artefakt seiner Zeit – interessant, aber schwer zugänglich.

Punktewertung

Gameplay
59
Grafik
71
Sound
68
Steuerung
71

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