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Kai Hansen – Born with a Hammer Review

Power-Metal-Urgestein Kai Hansen macht einfach das, worauf er Lust hat


18.08.2026  Redaktion  0 Likes  0 Kommentare 
Kai Hansen – Born with a Hammer Review Bild Kai Hansen – Born with a Hammer Review Screenshot Kai Hansen – Born with a Hammer Review Foto

Es gibt Musiker, deren Bedeutung für ein Genre kaum überschätzt werden kann. Kai Hansen gehört zweifellos dazu. Als Mitbegründer von Helloween und späterer Gründer von Gamma Ray war der Hamburger maßgeblich daran beteiligt, aus klassischem Heavy Metal jene melodische, schnelle und hymnische Spielart zu formen, die heute selbstverständlich als europäischer Power Metal bezeichnet wird. Nach Jahrzehnten im Geschäft könnte Hansen es sich entsprechend bequem machen. Helloween sind wieder vereint, spielen vor riesigem Publikum und sein musikalisches Vermächtnis steht ohnehin längst fest.

„Born with a Hammer“ klingt allerdings überhaupt nicht nach Ruhestand. Im Gegenteil.

Zehn Jahre nach „XXX – Three Decades in Metal“ legt Hansen sein zweites Soloalbum vor und nutzt die damit verbundene Freiheit ziemlich konsequent. Power Metal ist natürlich dabei. Aber ebenso Hard Rock, Punk, klassischer Heavy Metal und jede Menge Rock'n'Roll.

Kai Hansen muss niemandem mehr etwas beweisen
Vielleicht liegt genau darin die größte Stärke des Albums. „Born with a Hammer“ klingt nicht wie der Versuch, noch einmal irgendeinen Meilenstein der eigenen Vergangenheit zu rekonstruieren. Hansen muss weder ein zweites „Keeper of the Seven Keys“ schreiben noch Gamma Ray wiederbeleben.

Stattdessen wirkt die Platte über weite Strecken erstaunlich ungezwungen.

Das hört man bereits bei „Feeding the Beast“. Der Opener besitzt schnelle Gitarren, ordentlich Druck und jene melodische Handschrift, die Hansen-Fans innerhalb weniger Takte erkennen dürften. Gleichzeitig wirkt die Produktion zeitgemäß und erfreulich kräftig.

Mit Eike Freese und Alexander Dietz hat Hansen zwei erfahrene Mitproduzenten an seiner Seite. Freese und Heaven-Shall-Burn-Gitarrist Dietz greifen zudem selbst zur Gitarre, während Carcass-Schlagzeuger Dan Wilding für ordentlich Schub aus dem Maschinenraum sorgt. Hansens Sohn Tim ist ebenfalls an der Gitarre beteiligt.

Entsprechend lebendig klingt die Platte.

Power Metal trifft Punk-Attitüde
Dabei ist „Born with a Hammer“ weniger ein lupenreines Power-Metal-Album, als es der Name Kai Hansen zunächst vermuten lässt. Vielmehr bekommt man einen Streifzug durch unterschiedliche Facetten harter Gitarrenmusik.

Mal stehen klassische Metal-Riffs im Mittelpunkt, dann übernehmen melodische Hard-Rock-Strukturen, während an anderer Stelle eine fast punkige „Scheiß drauf“-Mentalität durchbricht. Schon Songtitel wie „I.D.G.A.F.“ machen deutlich, dass Hansen die Sache nicht unnötig verkopft angeht.

Und das steht ihm ausgesprochen gut.

Denn gerade diese Rotzigkeit verhindert, dass „Born with a Hammer“ zu einer nostalgischen Selbstfeier wird. Natürlich kann Hansen seine musikalische Vergangenheit nicht abschütteln – und warum sollte er? Trotzdem hört man hier einen Musiker, der offensichtlich noch immer Spaß daran hat, Verstärker aufzudrehen und mit anderen Musikern im Studio Lärm zu veranstalten.

Diese Stimme gehört einfach zum Power Metal
Über Hansens Gesang lässt sich seit Jahrzehnten wunderbar diskutieren. Er ist technisch nicht der makelloseste Sänger des Genres und war es auch nie. Gerade deshalb besitzt seine Stimme aber einen enormen Wiedererkennungswert.

Wo andere Power-Metal-Frontmänner nach Perfektion streben, klingt Hansen kantiger, manchmal rau und gelegentlich beinahe frech. Auf einem Album wie „Born with a Hammer“ wird genau das zum Vorteil.

Diese Songs benötigen keinen klinisch perfekten Hochglanzgesang. Sie profitieren von Persönlichkeit.

Ähnliches gilt für die Gitarren. Hansen gehört zu jener Generation von Metal-Gitarristen, bei denen ein Solo noch nach Solo klingen darf. Die Platte bietet reichlich melodische Leads, Twin-Guitar-Momente und schnelle Läufe, ohne daraus permanent eine technische Leistungsschau zu machen.

Zehn Songs statt unnötigem Ballast
Positiv fällt zudem auf, dass Hansen der Versuchung widersteht, sein Soloalbum künstlich aufzublähen. Zehn Stücke reichen vollkommen aus.

„Welcome to Life“, „Wait and See“, das Titelstück „Born with a Hammer“ oder „End of the Road“ zeigen unterschiedliche Seiten des Musikers, ohne den charakteristischen Kern der Platte zu verlieren. „Triple Trouble“, „Invaders“ und „Wonderland“ komplettieren ein Album, das seine Abwechslung weniger aus radikalen Stilwechseln als aus unterschiedlichen Gewichtungen seiner Zutaten bezieht.

Natürlich wird dabei nicht jeder Song zum neuen Klassiker.

Manche Refrains und Riffs wirken ausgesprochen vertraut, und wer Hansens Karriere intensiv verfolgt hat, dürfte an mehreren Stellen das Gefühl bekommen, bestimmte Ideen zumindest in ähnlicher Form schon einmal gehört zu haben. Eine musikalische Revolution sieht anders aus.

Aber wäre die bei Kai Hansen tatsächlich wünschenswert?

Metal ohne Identitätskrise
Gerade 2026 besitzt „Born with a Hammer“ etwas angenehm Unkompliziertes. Hier versucht niemand, klassischen Metal mit Gewalt zu modernisieren oder durch trendige Elemente für eine neue Zielgruppe interessant zu machen.

Die Produktion ist modern, die Musik muss es nicht zwangsläufig sein.

Das Ergebnis klingt dadurch weder wie ein Relikt aus den Achtzigern noch wie der etwas verzweifelte Versuch eines Veteranen, plötzlich zeitgemäß wirken zu wollen. Hansen spielt schlicht die Musik, die er offensichtlich selbst hören möchte.

Und wenn dabei ein schnelles Gitarrenriff, ein großer Refrain und ein völlig überdrehtes Solo zusammenkommen, ist die Welt für ein paar Minuten erstaunlich unkompliziert.

Das mag keine Revolution mehr sein. Aber Kai Hansen hat seine Revolution schließlich schon vor rund vierzig Jahren mit angezettelt.

Tracklist
  1. Feeding the Beast
  2. Welcome to Life
  3. Don't Care
  4. Wait and See
  5. Born with a Hammer
  6. I.D.G.A.F.
  7. End of the Road
  8. Triple Trouble
  9. Invaders
  10. Wonderland


„Born with a Hammer“ erfindet weder Kai Hansen noch den Power Metal neu. Das muss es aber auch gar nicht. Stattdessen liefert der Helloween- und Gamma-Ray-Veteran ein erfreulich lebendiges Soloalbum, auf dem Heavy und Power Metal mit Hard Rock, Punk-Attitüde und reichlich Gitarrenarbeit zusammenfinden. Besonders die unverkrampfte Herangehensweise macht Spaß. Hansen klingt nicht wie ein Musiker, der sein eigenes Denkmal polieren möchte, sondern wie jemand, der nach all den Jahrzehnten noch immer große Freude an lauten Gitarren, eingängigen Melodien und einem ordentlichen Metal-Refrain hat. Kleinere Déjà-vus und einige weniger prägnante Momente verhindern den ganz großen Wurf. Für Fans seiner bisherigen Arbeit ist „Born with a Hammer“ trotzdem beinahe ein Heimspiel.

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