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Fyres – Like Waves Review

Atmosphärischer Alternative Metal zwischen Post-Rock-Weite und emotionaler Tiefe


05.01.2026  Captain  0 Likes  0 Kommentare 
Fyres – Like Waves Review Bild Fyres – Like Waves Review Screenshot Fyres – Like Waves Review Foto

Mit Like Waves veröffentlicht das spanische Projekt Fyres seine neue EP – und setzt dabei weniger auf brachiale Härte als auf eine Form von Alternative Metal, die sich organisch entfaltet. Das Werk wirkt wie ein atmender Klangkörper: mal weit, mal dicht, mal drückend, aber immer emotional und suchend. Statt einer klassischen Songstruktur oder vorhersehbarer Spannungsbögen serviert Fyres eine Reise, die eher an Northlane oder Being As An Ocean erinnert als an traditionelle Genre-Vertreter. Es ist Musik, die sich anfühlt, als würde man in ein fremdes Zimmer treten, in dem alles vertraut wirkt, obwohl man es noch nie betreten hat.

Ein Klangteppich, der sich ausbreitet – nicht behauptet
Like Waves ist ein EP-Titel, der kaum besser passen könnte. Die fünf Tracks kommen und gehen wie Wellen, bauen sich auf, ziehen sich zurück, tragen Atmosphäre heran und reißen wieder los. Es ist keine Musik, die sich in den Vordergrund drängt – sie verlangt eher, dass man sich ihr hingibt. Bob G Castro schafft es, Metal und Post-Rock-Elemente so zu verweben, dass ein Gefühl von Weite entsteht, das gleichzeitig sanft und drängend wirkt.

Was hier auffällt: Die Songs müssen nicht „funktionieren“, sie müssen nicht sofort explodieren. Stattdessen entwickeln sie sich – Schicht um Schicht. Gitarrenlinien schweben wie Nebel über elektronischen Texturen, das Schlagzeug wirkt mal erdig, mal fast zerbrechlich. Es ist innovativ, weil es die Geradlinigkeit verweigert und damit seiner eigenen Logik folgt. Nicht immer eingängig, aber immer atmosphärisch intensiv.

Emotionaler Fokus statt musikalischer Showcases
Wo viele EPs in kurzer Zeit möglichst viel Variation demonstrieren wollen, geht Like Waves den entgegengesetzten Weg. Die Tracks greifen ähnlich wie Kapitel desselben inneren Gesprächs ineinander. Die EP fühlt sich an wie ein Konzept – auch wenn sie keines sein muss. Die Themen kreisen um innere Balance, Akzeptanz, das Fließen mit den Dingen. Man hört, dass das Projekt gewachsen ist: introspektiver, aber auch klarer im Ausdruck als der Vorgänger Like Horses.

Besonders stark ist der Umgang mit Stille. Fyres nutzt Pausen, Hallräume und schwebende Ambientflächen, um eine fast meditative Stimmung zu erzeugen, die sich dann wieder in wuchtige Gitarrenwellen verwandelt. Diese Dynamik erinnert an Bands wie Thrice oder The Ocean – aber mit einer eigenen emotionalen Handschrift.

Sounddesign als emotionales Werkzeug
Die Produktion von Alex Tena arbeitet nicht nur sauber, sondern bewusst unperfekt. Die Gitarren wirken manchmal organisch verwischt, der Raum klingt offen, die elektronischen Elemente scheinen sich wie Lichtflecken in der Dunkelheit zu verteilen. Alles fühlt sich sehr bewusst gesetzt an.

Und doch entsteht nie das Gefühl, dass die EP nur aus Klangexperimenten besteht. Vielmehr ist es ein geschlossenes Werk, das nicht mit „Wow!“ überzeugen will, sondern mit einer Atmosphäre, die sich langsam unter die Haut schiebt. Man hört das Herz des Projekts schlagen – und nicht die Mechanik dahinter.

Ein EP-Erlebnis, das mehr als seine Einzelteile ist
Like Waves lebt nicht von einzelnen Höhepunkten. Es lebt vom Gefühl, das es über die gesamte Laufzeit erzeugt: dieses leicht schwebende, leicht melancholische, immer suchende Moment, in dem man kurz innehält und die Welt ein bisschen anders wahrnimmt. Die EP wirkt wie ein Gespräch mit sich selbst, leise und ehrlich, aber getragen von einer Kraft, die immer wieder aufbricht.

Für Fans von experimentellerem Alternative Metal, atmosphärischer Weite und emotionaler Tiefe ist Fyres damit ein Name, auf den man künftig sehr gut achten sollte.

Tracklist
  1. To Float, To Flow, To Brush Your Teeth
  2. Accepting the Limits
  3. Dancing in the Rain
  4. Kings
  5. The Window


Mit Like Waves liefert Fyres ein atmosphärisch dichteres, reiferes und mutigeres Werk ab als beim Vorgänger. Die EP ist innovativ, nicht immer geradlinig, aber dafür umso emotionaler und atmosphärischer. Wer Klangteppiche liebt, die sich langsam entfalten, und Musik, die sich zwischen Metal, Post-Rock und introspektiver Elektronik bewegt, wird hier genau das finden, was die Titelformulierung verspricht: etwas, das anbrandet, verweilt und nachhallt.

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