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Doctor Who: Joy to the World Review

Weihnachten mit dem Doctor


21.12.2025  Captain  0 Likes  0 Kommentare 
Doctor Who: Joy to the World Review Bild Doctor Who: Joy to the World Review Screenshot Doctor Who: Joy to the World Review Foto

Mit Joy to the World kehrt Doctor Who nach Jahren Pause zu einem echten Weihnachtsspecial zurück – und Steven Moffat liefert eine Episode, die gleichzeitig vertraut, verspielt, emotional und typisch „timey-wimey“ ist. Ncuti Gatwa steht diesmal ohne klassische Begleitung im Mittelpunkt und zeigt einmal mehr, wie viel Energie und Charisma er in die ikonische Rolle bringt. Das Setting – ein futuristisches Time Hotel, dessen Zimmer in verschiedene Zeitepochen führen – wirkt wie die perfekte Mischung aus Spielplatz und Rätselkammer, in der der Doctor auf ein Geheimnis trifft, das größer ist als festliche Stimmung und funkelnde Lichter.

Im Zentrum steht ein mysteriöser Aktenkoffer, der seine Träger manipuliert, sie in tödliche Gefahr bringt und schließlich bei Joy landet, gespielt von Nicola Coughlan. Was folgt, ist eine Mischung aus Thriller, Komödie, Weihnachtsdrama und emotionalen Momenten, die mehr über Einsamkeit erzählt, als man zunächst erwartet. Und genau hier entfaltet das Special seinen stärksten Kern – auch wenn nicht alles so rund glänzt wie ein Weihnachtsornament.

Ein Hotel voller Türen – aber nicht alle führen ans Ziel
Die Idee des Time Hotels ist ein typischer Moffat-Einfall: verspielt, witzig, zutiefst gefährlich und voller erzählerischer Möglichkeiten. Obwohl die sprunghaften Locations manchmal etwas hektisch wirken, bleibt der rote Faden klar genug, um nicht völlig im Zeitknoten zu verschwinden. Gatwa hat in diesem Setting sichtlich Spaß – er rennt, denkt, lacht und stolpert von einer Szene zur nächsten, und das verleiht der Episode einen lebendigen Puls.

Doch die eigentliche Überraschung steckt nicht im Koffer, sondern in den Zwischenmomenten. Besonders die Sequenz, in der der Doctor ein ganzes Jahr mit Hotelmitarbeiterin Anita verbringt, sticht hervor. Es sind stille, humorvolle und zärtliche Szenen, die Gatwa als verletzlichen, einsamen, aber zutiefst empathischen Doctor zeigen. Ironischerweise entsteht hier mehr emotionale Bindung als zu Joy, die laut Drehbuch eigentlich der zentrale Mittelpunkt sein soll.

Joy – sympathisch, aber dramaturgisch unterbelichtet
Nicola Coughlan besitzt unbestreitbare Präsenz, doch das Drehbuch gibt ihrer Figur nur begrenzt Raum, um sich frei zu entfalten. Joys Hintergrund ist tragisch und nachvollziehbar – sie verbringt Weihnachten allein, geplagt von Schuldgefühlen und Verlust. Doch die Episode erzählt diese Tiefe vor allem über Exposition statt über Erlebnisse. Man spürt, was sie bedeuten sollen, aber weniger, was sie tatsächlich fühlen.

Durch die starke Fokussierung auf den Aktenkoffer, die Bedrohung durch Villengard und die zahlreichen Zeitwechsel geht ein Teil ihrer emotionalen Reise unter. Der Doctor löst ihren Bann mit Worten, die eher untypisch schroff wirken – eine Szene, die vielleicht mehr verdient hätte als ein kurzer Dialogwechsel zwischen Gefahr und Rettung.

Weihnachten als Thema – und Herzstück
Trotz erzählerischer Stolpersteine gelingt Moffat ein warmes, weihnachtliches Finale. Die Idee, dass Joy und die anderen Beteiligten sinnbildlich zu einem „Stern von Hoffnung“ werden, ist gleichzeitig wunderschön, bittersüß und leicht tragisch. Es ist eines dieser typischen Doctor-Who-Enden, die eine poetische Spur hinterlassen, aber eine gewisse Traurigkeit nicht vermeiden können. Dass Joy dadurch nicht wirklich „gerettet“ wird, sorgt für ein nachhallendes Unbehagen – aber auch für ein Gefühl von Größe, das Doctor Who oft dann erreicht, wenn es sich traut, weniger eindeutig zu sein.

Zudem schafft die Episode eine thematische Brücke zwischen den vielen einsamen Herzen: Joy, Anita und selbst der Doctor spiegeln einander in ihrer Sehnsucht nach Verbindung. Während die Welt feiert, versucht jeder von ihnen, einen Platz zu finden. Das macht Joy to the World zu einem Season-Special, das nicht nur unterhält, sondern auch Trost spendet.

Ncuti Gatwa – der wahre Weihnachtsstern
Was jedoch den stärksten Eindruck hinterlässt, ist Gatwas Spiel. Er ist wild, liebenswert, impulsiv, kindlich, verletzlich – und damit genau die Art Doctor, die ein Weihnachtsspecial tragen kann. Auch wenn nicht jede inhaltliche Entscheidung funktioniert, trägt er die Episode mühelos. Sein Zusammenspiel mit Nicola Coughlan ist charmant, aber sein Zusammenspiel mit Anita besitzt die emotionalere Wucht.

Ob diese Episode auf ein langfristiges Thema der Serie hinweist – etwa ein Doctor, der länger bei seinen Begleitern bleibt, oder ein bewussterer Umgang mit Einsamkeit – wird die Zukunft zeigen. Aber sie deutet an, dass Gatwa die Rolle länger prägen könnte als manch andere Inkarnation vor ihm.

Joy to the World ist ein Weihnachtsabenteuer voller Herz und Humor, das manchmal zu viel will, aber genug richtige Entscheidungen trifft, um am Ende warm zu wirken. Die Emotionen sitzen oft, die Atmosphäre stimmt, und Ncuti Gatwa trägt die Episode über ihre schwächeren Momente hinweg. Einige Figuren bleiben unterentwickelt und die Handlung wirkt stellenweise überladen, doch der Geist von Doctor Who – chaotisch, menschlich, tröstend – ist klar spürbar.

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