Spiele

Ubisoft: KI-Initiative trägt internen Namen "Motherbrain"

Markenanmeldung verrät Ausbau der hauseigenen KI-Werkzeuge



Ubisoft: KI-Initiative trägt internen Namen
Foto: KI-generiert (Gemini). Mehr zum Thema Transparenz.

Ubisoft treibt seine KI-Strategie offenbar weiter voran, als bislang bekannt war: Wie aus einer öffentlich einsehbaren Markenanmeldung beim US-Patentamt hervorgeht, bündelt der französische Publisher seine generativen KI-Werkzeuge intern unter dem Namen "Motherbrain". Die Anmeldung wurde bereits am 7. September beim USPTO eingereicht und ist inzwischen bearbeitet worden, wodurch die Details nun öffentlich zugänglich sind und von mehreren internationalen Fachmedien aufgegriffen wurden.

Der Name ist eine Anspielung auf die gleichnamige KI-Antagonistin aus Nintendos Metroid-Reihe - ein ungewöhnlich selbstironischer Verweis für ein Unternehmen, das sich mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Spieleentwicklung ohnehin schon häufiger Kritik von Spielerinnen und Spielern gefallen lassen musste.

Was die Markenanmeldung konkret abdeckt

Laut den eingereichten Unterlagen bezieht sich "Motherbrain" auf mehrere Bereiche rund um künstliche Intelligenz in der Softwareentwicklung. Konkret genannt werden unter anderem:
  • Herunterladbare Software, die künstliche Intelligenz zur Erstellung von Videospielen und interaktiven Inhalten nutzt
  • Forschung, Design und Entwicklung von Software auf KI-Basis
  • Künstliche Intelligenz als Dienstleistung (AIaaS) zur Analyse von Daten und zur Interaktion mit Nutzerinnen und Nutzern
  • Einsatz für Plattformen wie PC, PlayStation, Xbox und Nintendo Switch
Intern soll "Motherbrain" laut übereinstimmenden Berichten als eine Art Dachbegriff für verschiedene KI-Projekte bei Ubisoft dienen. Es handelt sich damit nicht um ein einzelnes, fertiges Produkt, sondern um eine Bündelung mehrerer laufender Initiativen unter einem gemeinsamen Namen.

Weiterentwicklung von Ghostwriter

Beobachter ordnen "Motherbrain" als Weiterentwicklung von Ubisofts KI-Werkzeug "Ghostwriter" ein, das der Publisher bereits 2023 vorgestellt hatte. Ghostwriter wurde intern genutzt, um erste Textentwürfe für Dialogzeilen von Nebenfiguren zu erstellen, die anschließend von menschlichen Autorinnen und Autoren überarbeitet wurden. "Motherbrain" scheint diesen Ansatz nun deutlich auszuweiten und auf weitere Produktionsschritte der Spieleentwicklung zu übertragen.

Eine offizielle Stellungnahme von Ubisoft zu Umfang und Einsatzzweck von "Motherbrain" gibt es bisher nicht. Die Informationen stammen ausschließlich aus der öffentlich zugänglichen Markenanmeldung sowie deren Einordnung durch die Fachpresse. Wie genau die Werkzeuge in laufenden oder kommenden Projekten zum Einsatz kommen sollen, ist damit weiterhin offen.

Der Vorstoß reiht sich in einen branchenweiten Trend ein: Immer mehr große Publisher investieren in generative KI, um Produktionskosten zu senken und Entwicklungsprozesse zu beschleunigen - ein Thema, das in der Spielebranche und bei Spielerinnen und Spielern gleichermaßen kontrovers diskutiert wird.

Schon der Vorgänger Ghostwriter sorgte 2023 für geteiltes Echo: Während Ubisoft den Einsatz als reine Unterstützung für Autorinnen und Autoren bei repetitiven Aufgaben darstellte, äußerten Teile der Community und der Branche Bedenken über mögliche Auswirkungen auf kreative Berufe im Studio. Mit "Motherbrain" dürfte sich diese Debatte nun erneut zuspitzen, sobald konkretere Details zum tatsächlichen Funktionsumfang bekannt werden. Bis dahin bleibt festzuhalten: Bestätigt ist bislang lediglich die Existenz der Markenanmeldung selbst - alles Weitere ist Auslegungssache der Beobachterinnen und Beobachter.

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