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Metallica - Reload (Remastered) Review

Der umstrittene Neunziger-Klassiker kehrt klangvoll und umfangreich zurück


26.08.2026  Redaktion  0 Likes  0 Kommentare 
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Mit Reload betrat Metallica 1997 ein Terrain, das unter den Fans bis heute leidenschaftlich diskutiert wird. Statt zum Thrash Metal der Achtziger zurückzukehren, setzte die Band den mit Load begonnenen Kurs fort und verband schweren Hard Rock mit Blues, Southern Rock, Alternative-Einflüssen und überraschend intimen Momenten. Die 3CD-Neuauflage vom 26. Juni 2026 restauriert dieses eigenwillige Kapitel nicht nur klanglich, sondern ergänzt das remasterte Album um Demos, Rohmischungen und Liveaufnahmen. Dadurch erhältst Du einen aufschlussreichen Einblick in eine Phase, in der Metallica seine Identität bewusst zur Diskussion stellte.

Reload bleibt das widersprüchliche Geschwisteralbum von Load
Die Stücke von Load und Reload entstanden größtenteils während derselben Sessions zwischen 1995 und 1997 im Studio The Plant in Sausalito. James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und Jason Newsted entfernten sich damals weit von der aggressiven Präzision früherer Alben. Reload wirkt dabei dunkler und stellenweise schwerer als sein direkter Vorgänger, leidet aber unter einem ähnlichen Problem: Mit mehr als 76 Minuten Laufzeit fehlt dem Album eine konsequente Auswahl. Aus beiden Platten hätte sich vermutlich ein wesentlich fokussierteres Gesamtwerk zusammenstellen lassen.

Trotzdem besitzt Reload mehrere Songs, die längst zum festen Metallica-Kanon gehören. Fuel eröffnet die Platte mit einem rasanten Riff, einer unmittelbar zündenden Hook und genau jener körperlichen Energie, die das Album später nicht immer halten kann. The Memory Remains lebt vom Kontrast zwischen Hetfields kräftigem Gesang und Marianne Faithfulls geisterhaftem Beitrag. Gerade das kreisende Ende verleiht dem Stück eine zeitlose, beinahe unheimliche Wirkung.

Starke Höhepunkte treffen auf zähe Albumstrecken
Devil's Dance walzt mit einem tiefen, schweren Groove voran, während The Unforgiven II das bekannte Thema seines Vorgängers in einen bluesigeren und emotional offeneren Kontext versetzt. Better Than You besitzt Druck und gewann seinerzeit sogar einen Grammy, wirkt heute jedoch weniger markant als die ersten vier Stücke. Mit Slither, Carpe Diem Baby und Bad Seed beginnt eine längere Passage, in der gute Riffs nicht immer zu ebenso überzeugenden Songs führen. Metallica klingt keineswegs schwach, aber häufig zu bequem in ausgedehnten Wiederholungen.

Spannender wird es wieder bei Where the Wild Things Are, einem der wenigen Metallica-Stücke mit kompositorischer Beteiligung von Jason Newsted. Die düstere Atmosphäre und ungewöhnliche Gitarrenarbeit machen den Song zu einer unterschätzten Besonderheit. Low Man's Lyric geht mit Violine und Drehleier noch weiter aus der gewohnten Komfortzone. Das verletzliche Stück wird nicht jedem Metal-Fan gefallen, zeigt aber eindrucksvoll, wie weit sich die Band damals öffnen konnte. Fixxxer beendet das Album schließlich mit einem langen, schweren und emotional vielschichtigen Finale, das stärker ist als ein erheblicher Teil der vorangegangenen zweiten Hälfte.

Das Remaster bringt Gewicht, ohne die Vergangenheit umzuschreiben
Reuben Cohen überarbeitete das Album bei Lurssen Mastering unter der Aufsicht von Greg Fidelman. Das Remaster klingt kräftig, räumlich und sauber, ohne den Charakter der ursprünglichen Produktion grundlegend zu verändern. Newsteds Bass besitzt mehr Kontur, Ulrichs Schlagzeug drückt wirkungsvoll, und die Gitarren bleiben auch in dichteren Arrangements gut unterscheidbar. Wunder darfst Du allerdings nicht erwarten. Die Neuauflage kann die vorhandenen Songs klarer präsentieren, aber weder Längen entfernen noch schwächere Kompositionen nachträglich aufwerten.

Die zweite CD ist für Fans des kreativen Prozesses besonders interessant. Frühe Fassungen wie Fuel for Fire, Skimpy oder Bastard zeigen, wie aus Riffs und unfertigen Ideen die späteren Albumstücke entstanden. Marianne Faithfulls Outtake zu The Memory Remains vermittelt einen ungefilterteren Eindruck ihrer ungewöhnlichen Zusammenarbeit mit der Band. Manche Fragmente sind eher historische Dokumente als Titel, die Du regelmäßig hören wirst. Zusammen ergeben sie jedoch ein nachvollziehbares Bild der Entwicklung von Reload.

Liveaufnahmen zeigen die Stärke der Load-Ära auf der Bühne
Die dritte CD versammelt Aufnahmen der Tourjahre 1997 und 1998. Fuel, Devil's Dance und The Memory Remains gewinnen live an Energie, während die akustische Fassung von Low Man's Lyric eine andere, besonders intime Seite der Band zeigt. Ergänzt wird die Auswahl durch Stücke von Load sowie ältere Klassiker wie The Thing That Should Not Be, Fight Fire with Fire und die Diamond-Head-Coverversion The Wait. Da die Aufnahmen aus verschiedenen Konzerten stammen, entsteht kein geschlossenes Livealbum. Als vielseitiger Querschnitt durch Metallicas damaliges Bühnenprogramm funktioniert die Zusammenstellung aber ziemlich gut.

Insgesamt ist die 3CD-Ausgabe ein sinnvoller Mittelweg zwischen der einfachen Neuauflage und der gewaltigen Deluxe-Box. Das 36-seitige Booklet und die beiden Bonus-CDs liefern genügend Mehrwert, ohne Dich mit hunderten Varianten und Archivaufnahmen zu überfordern. Reload selbst bleibt jedoch ein Album der Gegensätze: mutig, atmosphärisch und zeitweise hervorragend, zugleich überlang, schwankend und weniger zwingend als Metallicas große Klassiker.

Tracklist
  1. Fuel (Remastered)
  2. The Memory Remains (Remastered)
  3. Devil's Dance (Remastered)
  4. The Unforgiven II (Remastered)
  5. Better Than You (Remastered)
  6. Slither (Remastered)
  7. Carpe Diem Baby (Remastered)
  8. Bad Seed (Remastered)
  9. Where the Wild Things Are (Remastered)
  10. Prince Charming (Remastered)
  11. Low Man's Lyric (Remastered)
  12. Attitude (Remastered)
  13. Fixxxer (Remastered)
  14. Fuel (Fuel for Fire October '95 Rough Mix)
  15. Memory (The Memory Remains Instrumental Mix)
  16. Memory (The Memory Remains Marianne Faithfull Outtake)
  17. Devil Dance (Devil's Dance Take 11)
  18. Unforgiven 2 (The Unforgiven II Vocal Idea)
  19. Better (Better Than You October '95 Rough Mix)
  20. Drivin' (Slither September '97 Rough Mix)
  21. Skimpy (Carpe Diem Baby Demo)
  22. Bastard (Bad Seed Take 9)
  23. Martini (Where the Wild Things Are Riff)
  24. Martini (Where the Wild Things Are Take 25)
  25. Fish Tank (Prince Charming Demo)
  26. Mine Eyes (Low Man's Lyric Demo from The Plant)
  27. Sweat (Attitude Vocal Idea)
  28. Fixer (Fixxxer Intro Piece)
  29. Voodoo Queen (Fixxxer Vocal Idea)
  30. Fuel (Live at Brisbane Entertainment Centre)
  31. The Memory Remains (Live at the CoreStates Complex Parking Lot)
  32. Devil's Dance (Live at Perth Entertainment Centre)
  33. Low Man's Lyric (Acoustic, Live at Giants Stadium)
  34. Ain't My Bitch (Live at Reading Festival)
  35. Until It Sleeps (Live at Giants Stadium)
  36. King Nothing (Live at Brisbane Entertainment Centre)
  37. Hero of the Day (Live at Reading Festival)
  38. Bleeding Me (Live at Ministry of Sound)
  39. Poor Twisted Me (Rehearsal at Ksjo Studios)
  40. The Thing That Should Not Be (Live at the CoreStates Complex Parking Lot)
  41. The Wait (Live at Ministry of Sound)
  42. Fight Fire with Fire (Live at Giants Stadium)

Unser Fazit

Der umstrittene Neunziger-Klassiker kehrt klangvoll und umfangreich zurück

Reload klingt im neuen Remaster druckvoller und transparenter, bleibt aber das gleiche widersprüchliche Metallica-Album wie 1997. Fuel, The Memory Remains, The Unforgiven II, Low Man's Lyric und Fixxxer zeigen eine mutige und vielseitige Band, während mehrere Stücke der überlangen zweiten Hälfte deutlich weniger zwingend ausfallen. Die Bonus-CDs bieten interessante Einblicke in die Entstehung und überzeugende Liveaufnahmen, auch wenn nicht jedes Fragment dauerhaften Hörwert besitzt. Als 3CD-Ausgabe ist die Neuauflage gut zusammengestellt, das eigentliche Album bleibt jedoch klar unter den großen Höhepunkten der Bandgeschichte.

Redaktion (Spielemagazin.de)

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