Zwei Spiele unter Klopp: Was haben wir gelernt?

Ein Punkt aus zwei Spielen klingt ernüchternd.



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Zwei Spiele, ein Unentschieden, eine Niederlage und noch kein Sieg: Rein statistisch ist der Start von Jürgen Klopp als Bundestrainer misslungen. Dem 1:1 gegen die Niederlande folgte beim Heimdebüt in Augsburg eine 0:1-Niederlage gegen Griechenland. Wer nach der Verpflichtung Klopps auf einen sofortigen Effekt gehofft hatte, dürfte entsprechend ernüchtert sein. Trotzdem wären zwei Spiele ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um bereits ein Urteil über die neue Nationalmannschaft zu fällen. Interessanter ist die Frage, was wir nach den ersten 180 Minuten tatsächlich gelernt haben.

1. Klopps Handschrift ist zumindest gegen den Ball schon zu erkennen

Das Spiel gegen die Niederlande zeigte wahrscheinlich am deutlichsten, was Klopp langfristig von seiner Mannschaft sehen möchte. Deutschland versuchte aggressiv anzulaufen, nach Ballverlusten schnell Druck aufzubauen und den Gegner möglichst früh zu Fehlern zu zwingen. Nicht alles funktionierte, aber Intensität und Bereitschaft waren sichtbar.

Gerade in diesen Phasen wirkte die Mannschaft bereits erstaunlich geschlossen. Wenn mehrere Spieler gleichzeitig nach vorne verteidigten und die Abstände stimmten, konnte Deutschland auch einen spielstarken Gegner unter Druck setzen.
Das ist noch kein fertiger Klopp-Fußball. Aber es war zumindest eine erste Ahnung davon.

2. Mit dem Ball gibt es deutlich größere Probleme

Gegen Griechenland zeigte sich dafür die andere Seite. Deutschland hatte wesentlich mehr Ballbesitz und musste selbst Lösungen finden. Genau hier fehlten Automatismen, Tempo und Überraschungsmomente.

Ein tief verteidigender Gegner lässt sich nicht allein mit Einsatzbereitschaft bezwingen. Es braucht abgestimmte Laufwege, Positionswechsel, Überladungen und vor allem Spieler, die zwischen den Linien Räume finden. Genau diese Abläufe können nach wenigen gemeinsamen Trainingseinheiten kaum vollständig vorhanden sein.

Klopp selbst sprach nach der Partie davon, dass gegen einen tiefen Block feste Abläufe benötigt würden und dafür bislang schlicht die gemeinsame Trainingszeit gefehlt habe. Das dürfte eine der wichtigsten Erkenntnisse der ersten beiden Spiele sein: Gegen den Ball lässt sich eine neue Mentalität vergleichsweise schnell vermitteln. Ein funktionierendes Positions- und Angriffsspiel benötigt erheblich mehr Zeit.

3. Klopp experimentiert - und zwar richtig

Die Nominierung von insgesamt 44 Spielern für die ersten vier Nations-League-Partien war bereits eine Ansage. Klopp möchte offensichtlich nicht einfach die bisherige Nationalmannschaft übernehmen und einige Positionen austauschen. Er nutzt diese Phase, um seinen eigenen Spielerkreis zu definieren.

Das bringt zwangsläufig Unruhe mit sich. Neue Spieler müssen integriert werden, Hierarchien verändern sich und eingespielte Kombinationen fehlen. Kurzfristig kann das sogar Leistung kosten.

Langfristig könnte genau diese Vorgehensweise aber notwendig sein. Nach den enttäuschenden vergangenen Turnieren wäre es wenig überzeugend gewesen, lediglich auf einen Trainerwechsel und ansonsten weitgehend dieselben Strukturen zu setzen.

4. Namen allein lösen Deutschlands Probleme nicht

Eine weitere Erkenntnis betrifft die grundsätzliche Qualität des Kaders. Deutschland verfügt weiterhin über zahlreiche hervorragende Fußballer. Aber aus einer Ansammlung guter Einzelspieler entsteht nicht automatisch eine hervorragende Nationalmannschaft.

Gerade gegen Griechenland wurde deutlich, wie schwierig es wird, wenn individuelle Qualität nicht durch abgestimmte Abläufe unterstützt wird. Ein einzelner Spieler kann ein enges Spiel entscheiden. Darauf sollte eine Mannschaft mit deutschen Ambitionen aber nicht angewiesen sein.

Klopp muss deshalb etwas schaffen, das ihm bei seinen Vereinsstationen besonders gut gelungen ist:
Spieler müssen genau wissen, was die Mannschaft in einer bestimmten Situation von ihnen erwartet.

5. Die größte Baustelle heißt Konstanz

Schon gegen die Niederlande gab es innerhalb eines Spiels unterschiedliche Gesichter der deutschen Mannschaft. Gute Phasen mit hohem Druck wechselten sich mit Abschnitten ab, in denen Deutschland zu passiv wurde und den Gegner spielen ließ.

Gegen Griechenland setzte sich dieses Muster fort. Es gab durchaus ordentliche Momente, aber keine dauerhaft überzeugende Kontrolle des Spiels.

Das Problem ist dabei nicht neu. Genau diese Schwankungen begleiten die Nationalmannschaft seit Jahren. Gute 20 Minuten reichen auf internationalem Niveau nicht. Eine der wichtigsten Aufgaben Klopps wird deshalb darin bestehen, Intensität und Konzentration über ein komplettes Spiel zu stabilisieren.

6. Klopp bekommt nicht den Luxus seiner Vereinsstationen

Vielleicht ist dies sogar die spannendste Frage des gesamten Projekts. Klopps Fußball lebt von Abläufen, gemeinsamer Arbeit und einer klaren Mannschaftsidentität. Bei Borussia Dortmund und Liverpool konnte er diese über Monate und Jahre entwickeln.

Als Bundestrainer bekommt er seine Spieler dagegen nur für wenige Tage am Stück.

Das bedeutet zwangsläufig, dass auch Klopp seinen Fußball an die Bedingungen einer Nationalmannschaft anpassen muss. Er kann nicht einfach sein Liverpool-System kopieren und darauf hoffen, dass es nach drei Trainingseinheiten funktioniert. Seine größte taktische Herausforderung könnte deshalb darin bestehen, seine Ideen so weit zu vereinfachen, dass sie in sehr kurzer Zeit vermittelt werden können.

7. Die Ergebnisse sind schlecht - aber noch nicht besonders aussagekräftig

Ein Punkt aus den ersten beiden Spielen ist ohne Frage zu wenig. Noch dazu war das 0:1 gegen Griechenland die erste deutsche Niederlage gegen diesen Gegner überhaupt.

Trotzdem wäre es absurd, nach 180 Minuten bereits über Erfolg oder Misserfolg der Ära Klopp zu entscheiden. Diese Spiele sind momentan mindestens ebenso sehr Auswahlverfahren wie Wettbewerb.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Ergebnisse bedeutungslos wären. Die Nations League ist kein ausgedehntes Trainingslager. Irgendwann muss aus Entwicklung auch Leistung entstehen.

Was haben wir also gelernt?

Nach zwei Spielen wissen wir noch nicht, ob Jürgen Klopp die deutsche Nationalmannschaft wieder zu einem Titelkandidaten machen kann. Wir wissen aber schon etwas anderes: Der Umbau dürfte größer werden als ein gewöhnlicher Trainerwechsel.

Klopp testet Spieler, verändert Hierarchien und versucht eine Mannschaft zu entwickeln, die aggressiver, mutiger und geschlossener auftritt. Gegen die Niederlande waren erste Elemente davon sichtbar. Griechenland wiederum demonstrierte ziemlich schonungslos, wie viel Arbeit insbesondere im Spiel mit dem Ball noch wartet.

Vielleicht ist genau das momentan die wichtigste Erkenntnis:
Jürgen Klopp ist bereits zu erkennen. Eine Klopp-Mannschaft ist Deutschland deshalb aber noch lange nicht.
Und möglicherweise ist das nach gerade einmal zwei Spielen auch völlig normal.

Die nächsten Partien werden deshalb weniger die Frage beantworten müssen, ob Klopp schon die perfekte Mannschaft gefunden hat. Viel interessanter wird sein, ob aus einzelnen guten Phasen langsam ein erkennbares System entsteht.

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