Eine Idee aus den Neunzigern findet ihren Weg nach Rio
Die ersten musikalischen Skizzen zu „Smoovee“ entstanden bereits Ende der 1990er-Jahre in Lewis’ Wohnzimmer. Damals schuf er an einer Heim-Workstation ein melodiös schlichtes Grundgerüst, das er sich schon damals perfekt für ein Sopransaxofon vorstellte. Lewis verfolgte die Arbeit von Marion Meadows bereits seit dessen Zeit bei RCA Records und schätzte seinen warmen Ton sowie seine Phrasierung. Als sich die beiden Musiker in einem Jazzclub in Houston persönlich kennenlernten, entstand eine Freundschaft. Später stellte Lewis ihm die Komposition vor – und Meadows sagte spontan zu.Auch die finale Produktion des Titels verlief alles andere als alltäglich. Während eines längeren Aufenthalts in Brasilien spielte Lewis die Rhythmussektion in einem Studio in Rio de Janeiro ein. Gemeinsam mit den Musikern Adalberto Miranda und Dede Silva entstanden dort Tasten-, Bass- und Schlagzeugspuren. Der Percussionist Cassio Duarte ergänzte von Texas aus ein brasilianisches Pandeiro. Den finalen Mix übernahm Gitarrist und Produzent Paul Brown, während Steve Hall bei Future Disc Systems für das Mastering verantwortlich zeichnete.
Sechs Jahrzehnte musikalische Vielseitigkeit
Hinter dem charakteristischen Orgel-Sound von Vel Lewis steht eine beeindruckende musikalische Laufbahn. Geboren 1954 in Philadelphia, begann er seine Karriere bereits 1965 als Sopran-Sänger im Philadelphia All Boys Choir, mit dem er unter anderem auf der Expo '67 in Montreal auftrat. Später studierte er Gesang und Klavier an der Settlement Music School, bevor er sich der Hammond-Orgel widmete. Zu seinen Lehrern gehörten Milton Myers und Dr. E. Woodley Kalehoff, ein ehemaliger Pianist des US-Präsidenten Harry S. Truman.Schon als Jugendlicher bewegte sich Lewis zwischen verschiedenen Genres. Er trat in TV-Jazz-Formationen auf und spielte Orgel bei Aufnahmen für ABC/Peacock Records. In den 1970er-Jahren wurde er Teil der florierenden Philadelphia-Soul-Szene, unterschrieb bei Philadelphia International Records als Mitglied von The Futures und trat später mit The Delfonics auf. Mit The Life Group nahm er 1974 den Song „Tell Me Why“ auf, der heute in Sammlerkreisen als Klassiker des Northern Soul gilt.
In den folgenden Jahrzehnten komponierte Lewis unter anderem für US-Werbespots und TV-Serien wie „Friends“, „Sex and the City“ oder „Der Prinz von Bel-Air“. Drei Jahre lang tourte er zudem als Mitglied der Band von Dionne Warwick. Sein Solodebüt erschien 2005 unter dem Namen Shady Grady, gefolgt von verschiedenen erfolgreichen Chart-Singles. Im Juni 2024 wurde er schließlich von der Black Music Association and Academy of America als bester männlicher Jazz-Künstler ausgezeichnet. Mit „Smoovee“ schlägt Lewis nun das nächste Kapitel seiner Karriere auf.


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