Aus einem günstigen Bauteil wird ein entscheidender Kostenfaktor
Über Jahrzehnte gehörte Speicher zu den Komponenten, die bei vergleichbaren Kosten immer leistungsfähiger wurden. Hersteller konnten deshalb neue Geräte regelmäßig mit mehr Arbeitsspeicher ausstatten, ohne den Verkaufspreis entsprechend stark anheben zu müssen. Genau diese Entwicklung scheint sich nun vorerst umzukehren.Besonders deutlich wird das bei Dram, dem kurzfristigen Arbeitsspeicher von Smartphones, Computern und zahlreichen anderen Geräten. Marktanalysen zufolge sind die Preise dafür innerhalb kurzer Zeit erheblich gestiegen. Eine Speicherausstattung, deren Komponenten 2025 noch vergleichsweise günstig waren, kann Hersteller inzwischen ein Mehrfaches kosten.
Das bedeutet nicht, dass jedes Gerät automatisch um denselben Betrag teurer wird. Große Unternehmen handeln eigene Konditionen aus und können einen Teil der Mehrkosten auffangen. Dauerhaft lassen sich solche Steigerungen jedoch kaum vollständig ausgleichen.
Hersteller verkaufen lieber weniger Geräte mit höheren Preisen
Wenn Bauteile knapp und teuer werden, bleiben den Geräteherstellern nur wenige Möglichkeiten. Sie können höhere Kosten an Dich weitergeben, weniger Speicher verbauen oder ihre Modellpalette verändern. Vor allem die letzte Variante zeichnet sich inzwischen deutlich ab.Statt möglichst viele günstige Geräte anzubieten, konzentrieren sich manche Anbieter stärker auf hochpreisige Modelle. Dort lassen sich gestiegene Produktionskosten leichter verstecken oder mit zusätzlichen Funktionen begründen. Ein besseres Display, mehr KI-Funktionen oder eine größere Speicherausstattung machen einen höheren Preis für Käufer zumindest nachvollziehbarer.
Für den Technikmarkt könnte das eine ungewöhnliche Folge haben: Obwohl weniger Smartphones und Computer verkauft werden, bleiben die Umsätze der Hersteller stabil. Jedes einzelne verkaufte Gerät bringt dann schlicht mehr Geld ein.
KI-Unternehmen verändern die Regeln auf dem Speichermarkt
Der Boom rund um Künstliche Intelligenz spielt dabei eine zentrale Rolle. Moderne Rechenzentren benötigen enorme Mengen besonders leistungsfähigen Speichers. Gefragt ist vor allem High Bandwidth Memory, kurz HBM, der große Datenmengen schnell zwischen Speicher und KI-Prozessoren übertragen kann.Für Produzenten ist dieses Geschäft ausgesprochen attraktiv. Unternehmen wie Nvidia, AMD, Microsoft und Meta benötigen große Mengen und können sich durch langfristige Verträge Kapazitäten sichern. Gleichzeitig ist HBM aufwendiger herzustellen und beansprucht deutlich mehr Produktionsfläche als gewöhnlicher Dram.
Damit entsteht eine Konkurrenz um begrenzte Fabrikkapazitäten. Dieselben Unternehmen, die Speicherchips für Smartphones, PCs und Konsolen herstellen, können mit Bauteilen für KI-Rechenzentren häufig höhere und besser planbare Einnahmen erzielen. Unterhaltungselektronik muss sich in dieser neuen Ordnung gewissermaßen hinten anstellen.
Die Speicherknappheit begann schon vor ChatGPT
Es wäre dennoch zu einfach, die gesamte Entwicklung allein der KI zuzuschreiben. Die Speicherbranche hatte schon zuvor mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Während der Pandemie stieg die Nachfrage nach Computern, Tablets und Smartphones zunächst stark an. Anschließend brach sie ein, Lager füllten sich und verschiedene Hersteller reduzierten ihre Investitionspläne.Als sich der Markt langsam erholte, traf er auf den unerwartet hohen Bedarf der KI-Industrie. Die Produktion konnte mit diesem schnellen Wandel nicht Schritt halten. Verschärft wird die Lage dadurch, dass Samsung, SK Hynix und Micron zusammen ungefähr 90 Prozent des weltweiten Speichermarktes kontrollieren. Fällt bei diesen drei Anbietern Kapazität weg oder wird anders verteilt, spürt das praktisch die gesamte Technikbranche.
Konsolen und Smartphones zeigen bereits die Folgen
Die Auswirkungen bleiben nicht auf Geschäftsberichte und Lieferketten beschränkt. Microsoft erhöhte unter Verweis auf gestiegene Speicherkosten die Preise verschiedener Xbox-Modelle. Auch bestimmte Surface-Geräte wurden teurer. Meta schlug beim Preis seiner Quest-3-Headsets ebenfalls auf, während Apple zuvor bereits Anpassungen bei Macs und iPads vorgenommen hatte.Für kommende Smartphone-Generationen rechnen Marktbeobachter ebenfalls mit höheren Einstiegspreisen. Besonders wahrscheinlich sind Aufschläge bei leistungsfähigen Modellen mit viel RAM und lokal ausgeführten KI-Funktionen. Ob jeder Hersteller diesen Weg geht, ist offen. Der Spielraum für dauerhaft stabile Preise wird aber kleiner.
Neue Fabriken helfen erst in einigen Jahren
Die Lösung klingt zunächst simpel: Es müssen mehr Speicherchips produziert werden. Eine moderne Halbleiterfabrik ist allerdings kein gewöhnliches Produktionsgebäude. Planung, Genehmigung, Bau, technische Ausstattung und Testbetrieb können zusammen viele Jahre dauern.Samsung, SK Hynix und Micron investieren bereits Milliarden in zusätzliche Anlagen. Einige neue Kapazitäten sollen ab 2027 zur Verfügung stehen, größere Projekte werden jedoch erst gegen Ende des Jahrzehnts nennenswerte Mengen liefern. Gleichzeitig steigt der Speicherbedarf von KI-Rechenzentren weiter.
Marktforscher erwarten deshalb frühestens Ende 2027 oder Anfang 2028 eine spürbare Annäherung von Angebot und Nachfrage. Selbst dann müssen die Preise nicht auf ihr früheres Niveau zurückkehren. Wahrscheinlicher ist zunächst, dass sich die Steigerungen verlangsamen und der Markt auf einem höheren Preisniveau einpendelt.
Günstige Technik könnte dauerhaft seltener werden
Für Dich geht es damit um mehr als nur vorübergehende Preisaufschläge. Die Knappheit bei Speicherchips verändert, welche Geräte Hersteller entwickeln, wie sie ausgestattet werden und welche Kundengruppen sie ansprechen. Einfache Modelle mit kleinen Gewinnspannen werden weniger attraktiv, während teure Premiumprodukte stärker in den Mittelpunkt rücken.Wer nicht dringend ein neues Smartphone, einen PC oder eine Konsole benötigt, sollte Preisentwicklungen deshalb genauer beobachten und Angebote vergleichen. Auf einen schnellen Preissturz zu warten, könnte allerdings enttäuschend enden. Die Speicherkrise dürfte die Technikbranche noch länger begleiten - und möglicherweise festlegen, was künftig überhaupt noch als günstiges Gerät gilt.


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