Persönliche Traumata und politischer Noise-Punk
Piss verstehen ihr Schaffen keineswegs als reine Unterhaltungsmusik. Das Quartett – bestehend aus Sängerin Taylor Zantingh, Gitarrist Tyler Paterson, Bassist Gavin Moya und Schlagzeuger Garreth Roberts – verwebt auf dem Debütalbum klassischen Noise-Punk mit Poesie, Soundcollagen sowie Elementen der Performance- und Bildenden Kunst. Im inhaltlichen Fokus steht eine von struktureller, systemischer und zwischenmenschlicher Gewalt geprägte Kindheit. Das Album setzt sich intensiv damit auseinander, wie tiefgreifende Verletzungen die eigene Identität formen und wo das eigene Selbst inmitten traumatischer Nachwirkungen beginnt.Eingespielt wurden die 15 Tracks im Januar 2025 gemeinsam mit Produzent Colin Stewart in den Hive Creative Labs. Die erste Auskopplung „time loop at hot slit“ schlägt dabei eine Brücke zwischen tanzbaren Refrains und verstörend-poetischen Textzeilen, die das Aufwachsen als Frau in einer hochgradig sexualisierten Kultur reflektieren. Das dazugehörige Video entstand unter der Regie von Taylor Zantingh und Vivyen Sagsen am historischen Ort des mittlerweile geschlossenen DIY-Veranstaltungsraums Take Yr Time Back in Vancouver.
Einige der Menschen, mit denen ich die allererste Version von ‚time loop at hot slit‘ geteilt habe, stehen nun selbst auf der Bühne und singen den Song. Unsere lokale Szene singt dieses Stück seit zwei Jahren gemeinsam mit uns. Es ist unglaublich aufregend, es nun mit der ganzen Welt zu teilen. Aber egal, wohin dieser Song noch gelangt – er wird immer den Frauen, Queers und Außenseiter*innen der Underground-Community von Vancouver gehören.
Vom lokalen Geheimtipp zur internationalen Bewegung
Die Erfolgsgeschichte der Band nahm ihren Anfang im April 2024 bei ihrem ersten Auftritt im DIY-Venue Red Gate. Ursprünglich nur auf einige wenige lokale Konzerte ausgelegt, entwickelte sich die ungestüme Bühnenpräsenz von Piss rasch zu einem Phänomen. Die intensiven Live-Sets, bei denen Frontfrau Taylor Zantingh das Publikum aus der passiven Konsumentenrolle reißt, entfachten eine Mund-zu-Mund-Propaganda, die sich schnell international ausbreitete. Noch vor der Veröffentlichung einer ersten offiziellen Aufnahme spielte die Band ausverkaufte Shows in acht Ländern und sicherte sich einen Vertrag beim renommierten Label Sub Pop.Besondere Editionen und Solidaritätsaktion
Parallel zur Veröffentlichung bieten Piss verschiedene physische Ausgaben des Albums an. Neben einer Ausführung auf babyrosam Vinyl, die in Europa über Mega Mart Europe sowie den örtlichen Einzelhandel erhältlich ist, gibt es auf Bandcamp und bei Konzerten eine exklusive babyrosa-graue Mischung. Zudem verknüpft die Band die Veröffentlichung mit einer Solidaritätsaktion für autonome Kulturorte in Nordamerika. Unterstützer können zusätzliche Exemplare erwerben, die direkt an selbstorganisierte Gemeinschaftsräume gespendet werden.Ziel dieses Projekts ist es, physische Tonträger zugänglicher zu machen. Gleichzeitig hoffen wir, dass Menschen, die unsere Musik mögen, dadurch Kontakt zu anderen radikalen und solidarischen Gemeinschaften in ihrem Umfeld finden. Gerade jetzt ist es wichtiger denn je, unabhängige Räume außerhalb des Internets zu stärken. Echte Bewegungen lassen sich nicht mit den Werkzeugen aufbauen, die von den Kräften kontrolliert werden, die wir eigentlich hinterfragen wollen.
Tracklist
- kai and friends
- i wanted to be a singer
- andrea I
- time loop at hot slit
- manon on the trial of gisèle pelicot
- a little girl’s horse craze betrays her
- toni
- there was a door
- andrea II
- how can you act opposite to this emotion?
- blocking a scene you can’t remember
- self-blame with thorn necklace and hummingbird
- vikki
- Rote Zora. “Resistance is Possible.” Emma, no. 6, June 1984, pp. 39-41.
- i keep trying to change the ending


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