Rückkehr mit Ecken und Kanten und nordischer Identität
Ondt Blod wurden im Jahr 2013 gegründet und haben sich seitdem als feste, unverzichtbare Größe in der norwegischen Musiklandschaft etabliert. Häufig als der Stolz Nordnorwegens beschrieben, blickt die Band auf eine spannende und erfolgreiche Historie zurück. Bereits für ihre früheren Alben „Finnmark“ aus dem Jahr 2016 und „Natur“ aus dem Jahr 2018 erhielten die Musiker breite Anerkennung sowie renommierte Spellemann-Nominierungen. Nun, rund acht Jahre nach ihrem letzten abendfüllenden Werk, präsentieren sie ihr neues Album „Bauta“, das über das Label Playground Music veröffentlicht wurde.Musikalisch bewegt sich die Formation in einem äußerst spannenden Kosmos. Der Sound erinnert an die kompromisslose Dringlichkeit von Bands wie Refused, kombiniert mit den packenden Hooks von Kvelertak und der rohen, ungeschliffenen Energie des modernen Hardcore. Dennoch sorgt eine unverkennbare nordnorwegische Identität dafür, dass das Material eigenständig bleibt. Große Riffs, noch größere Refrains und eine gesunde Portion Biss sorgen dafür, dass die Songs sofort zünden und gleichzeitig gefährlich genug bleiben, um nicht glattgebügelt zu wirken.
Musikalische Vielfalt, Kooperationen und Traditionen
Das Album bietet eine abwechslungsreiche Reise durch verschiedene musikalische Facetten der Bandgeschichte. Direkt der Opener „AUX“ bricht mit einer konfrontativen Dringlichkeit in das Geschehen ein und fordert dazu auf, bestehende Strukturen und Konventionen zu hinterfragen. Im weiteren Verlauf zeigen Stücke wie „Kembo“ und „Flamma“ eine deutlich melodischere und tiefgründigere Seite der Gruppe. Bei letztgenanntem Song wird die Band zudem durch stimmliche Unterstützung von Gastkünstlerin Ida Maria bereichert, was dem Track eine zusätzliche, spannende Dimension verleiht.Ein absolut zentraler Bestandteil des kreativen Schaffens von Ondt Blod ist ihre samische und nordnorwegische Identität und Ethos. Dies zeigt sich keineswegs nur in den Texten, sondern prägt gleichermaßen die visuelle Ästhetik, die bewusste Wahl der Bühnenoutfits sowie die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern. Diese authentische Haltung hat das Quintett von ihrer Heimat in Kirkenes auf zahlreiche Bühnen in ganz Europa und sogar bis nach Japan geführt, wodurch sie sich eine treue und stetig wachsende Fangemeinde erspielt haben. Darüber hinaus scheut sich das Kollektiv nicht davor, traditionelle Klänge organisch einzubinden. Ein markantes Beispiel hierfür ist die Auseinandersetzung mit traditionellen Joik-Elementen, wie es etwa auf dem Track „Giron“ zu hören ist, der in enger Zusammenarbeit mit Ella Marie Hætta Isaksen entstanden ist.
Hinter diesem energiegeladenen Sound stehen der Sänger Aslak Heika Hætta Bjørn, Schlagzeuger Håvard Sotkajærvi Rushfeldt, Bassist Jørgen Store Johansen sowie die beiden Gitarristen Alexander Mortensen und John Nilsen. Gemeinsam treiben sie ihr Projekt konsequent voran und beweisen eindrucksvoll, wie lebendig, vielschichtig und relevant moderne Rock- und Hardcore-Musik aus Skandinavien auch nach Jahren des Bestehens sein kann.



Noch keine Kommentare. Starte die Diskussion!