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Ondt Blod - Bauta Review

Krawall mit Herz


16.02.2026  Toobi  0 Likes  0 Kommentare 
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Foto: Ole Onstad. Mehr zum Thema Transparenz.

Mit Bauta kehren Ondt Blod nach acht Jahren Albumstille zurück – und zwar nicht leise, nicht vorsichtig, nicht „erwachsen“, sondern genau so, wie man sie vermisst hat: laut, chaotisch, hochmelodisch, wütend, albern, politisch, euphorisch – und definitiv irgendwo zwischen Aggro und Happy Metal.

Die Band aus Sør-Varanger bleibt damit ihren Wurzeln treu: Hardcore-Energie trifft auf große Refrains, rohe Power kollidiert mit fast poppigen Hooks, und über allem schwebt die unverkennbare Sámi-Identität, die Ondt Blod zu einer der markantesten Rockbands Skandinaviens gemacht hat.

Bauta ist ein Album mit Fäusten, aber auch mit einem breiten Grinsen. Ein Werk, das drückt, schiebt, brüllt – und trotzdem erstaunlich gute Laune macht.

Krawall ja – aber mit Stil, Haltung und Ohrwürmern
Der Einstieg AUX macht sofort klar, was Sache ist: Hier geht’s nicht um Zurückhaltung. Ein pulsierender Hardcore-Auftakt, der klingt wie ein Aufruf zum Abriss. Danach dreht Blodklubb exakt die Schraube, die Fans lieben: rohe Energie, große chorartige Passagen, ein Schimmer Punkrock-Happiness.

Ondt Blod beherrschen diese seltene Mischung aus Härte und Euphorie wie kaum eine andere Band. Die Songs sind druckvoll, wütend – und doch voller Freude am Chaos. Ein Sound, der dich gleichzeitig anbrüllt und umarmt.

Finnmarking und Mortal Enemy liefern zwei kurze, furiose Ausbrüche, die man als „Hardcore mit Lächeln“ bezeichnen könnte. Es ist aggressiv – aber nie verbittert. Ondt Blod wollen nicht zerstören. Sie wollen feiern, während sie zerstören.

Melodie, Identität und nordische Wucht
In Stücken wie Kembo, Savne Dæ und besonders Flamma (mit Gastauftritt von Ida Maria) zeigt sich die melodische Ader der Band: große, fast hymnische Passagen, die trotzdem rau bleiben. Ondt Blod haben schon immer Melodie mit Hardcore verschmolzen – Bauta perfektioniert dieses Gleichgewicht.

Zentral bleibt auch die kulturelle Identität: Texte in Nordnorwegisch und Sámi, visuelle Elemente, die an traditionelle Muster erinnern, und eine erzählerische Kraft, die direkt aus Finnmark zu stammen scheint. Dieses Album trägt Herkunft und Stolz auf der Brust – laut, politisch und kompromisslos.

Das sieben Minuten lange Máddu ist eines der kraftvollsten Beispiele dieser Verbindung: Ein epischer, langsam rollender Song, der zwischen ritualistischer Intensität und atmosphärischer Ruhe pendelt.

Ein Album wie ein Schneesturm – unaufhaltsam, kühl, lebendig
Bauta ist nicht subtil. Es will auch gar nicht subtil sein. Es will aufgewühlt werden, gehört werden, gelebt werden. Dabei ist es musikalisch deutlich runder und ausgereifter als frühere Werke:

– drückend und tight produziert,
– mit klaren Strukturen,
– aber immer mit diesem unzähmbaren Funken, der Ondt Blod so einzigartig macht.

Die Band verbindet Hardcore, Punk, Rock und nordische Tradition zu einem Sound, der gleichermaßen wütend wie lebensfroh ist. Ein Album, das perfekt ist für alle, die Emotionen nicht sortieren wollen – sondern rauslassen.

Tracklist
  1. Intro (0:36)
  2. AUX (2:33)
  3. Blodklubb (3:11)
  4. Finnmarking (2:37)
  5. Mortal Enemy (2:18)
  6. Joker Nord (4:00)
  7. Máddu (7:16)
  8. Savne Dæ (2:38)
  9. Flamma (4:55)
  10. Bauta (7:02)


Bauta ist ein Volltreffer: laut, wild, drückend, aber überraschend positiv und voller Energie. Ein Album, das Hardcore-Krawall mit melodischer Lebensfreude verbindet. Ondt Blod zeigen einmal mehr, warum sie in Norwegen Kultstatus haben – und warum dieser Status verdient ist.

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