Musik

Abby Nissenbaum bricht mit Country-Klischees in neuer Single

Mit Gentleman zeigt die US-Künstlerin eine erfrischende Alternative.



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Country-Radio verspricht oft eine romantische Welt voll von knallharten Cowboys, kühlem Bier und unendlicher Freiheit. Doch wer zwischen den Zeilen hört, bemerkt schnell, wie oft diese Geschichten an der Realität vorbeigehen. Genau an diesem Punkt setzt die US-amerikanische Musikerin Abby Nissenbaum an. Mit ihrer neuen Single "Gentleman" nimmt sie die gängigen Klischees des Genres aufs Korn und stellt den traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit eine erfrischende, queere Perspektive gegenüber. Der Titel erscheint zeitgleich mit ihrem zweiten Studioalbum Want To Be Wrong und zeigt eindrucksvoll, wie man musikalische Traditionen aufgreift und zugleich kritisch hinterfragt.

Ein Augenzwinkern gegen verstaubte Mythen

Inhaltlich richtet sich "Gentleman" an all jene Partnerinnen, deren Männer viel versprechen, aber am Ende nur das Nötigste liefern. Nissenbaum schrieb den Song aus der Perspektive einer Vertrauten, die einer Freundin Ratschläge gibt – und sich schließlich selbst als humorvolle wie feinfühlige Alternative anbietet. In den Songtexten beschreibt sie bildhaft, wie viele Männer große Reden schwingen und sich überlegen geben. Während eine Frau vielleicht keine helfende Hand benötigt, bietet Nissenbaum humorvoll an, stattdessen der sanfte Landeplatz und ihr eigener "Gentleman" zu sein. Diese Mischung aus Feingefühl und treffsicherer Ironie zieht sich durch das gesamte Stück.

Musikalisch arbeitete Nissenbaum für den Track mit dem Produzenten Martin Trevox zusammen, während Fede Catenaro für zusätzliche Produktionselemente sorgte. Die klangliche Ausrichtung orientiert sich bewusst an den Country-Pop-Ikonen der 1980er- und 1990er-Jahre, darunter The Chicks, Reba McEntire und Melissa Etheridge. Durch die Kombination dieser klassischen Melodiebögen mit einem modernen Indie-Singer-Songwriter-Sound entsteht eine Produktion, die zwar vertraut klingt, sich aber klar von den ewig gleichen Schemata des Genres abhebt.

Ungewöhnliche Biografie und vielseitiges Engagement

Abby Nissenbaum ist keineswegs unvorbereitet in der Musikbranche gelandet. Die in Brooklyn geborene und in Connecticut aufgewachsene Künstlerin verfügt über eine klassische Gesangsausbildung als Sopranistin. Bevor sie im Jahr 2021 nach Nashville zog, arbeitete sie jedoch in einem völlig anderen Feld: als Datenanalystin und Forscherin im Bereich der Prävention sexueller Gewalt. Diese analytische und empathische Herangehensweise prägt bis heute ihre Liedtexte und gesellschaftlichen Beobachtungen. In den vergangenen fünf Jahren hat sie sich ein beachtliches Repertoire erarbeitet, das mehr als ein Dutzend Singles und drei EPs umfasst und ihr Anerkennung in verschiedenen Fachmedien wie GLAAD, Atwood Magazine, Notion und Clash einbrachte.

Darüber hinaus beschränkt sich ihr Schaffen keineswegs nur auf die Musikszene. Wenn Du gerne Videospiele spielst, ist Dir ihre Stimme vielleicht schon im Titel Benevolent begegnet, in dem sie dem Charakter Quin Hawthorn Leben einhaucht. Als offen lesbische Künstlerin nutzt sie ihre Plattform zudem aktiv für die Rechte der LGBTQIA+-Community und engagiert sich regelmäßig in Kooperationen mit Organisationen wie der Tennessee Coalition to End Domestic and Sexual Violence sowie Anthems Against Abuse.

Tennisschläger statt Traktor im Musikvideo

Auch visuell unterstreicht die Musikerin ihre Haltung. Im dazugehörigen Musikvideo, das unter der Regie von Oceanna Colgan entstand, verzichtet Nissenbaum komplett auf die gewohnten Bildmotive der Country-Welt wie Traktor-Fahrten, Bierdosen oder Football-Spiele. Stattdessen steht die Künstlerin auf dem Tennisplatz – eine bewusste Anspielung auf den Sport ihrer Heimat Neuengland. Das Video nutzt diese Ästhetik als augenzwinkernde Brechung der traditionellen Klischees und schafft gleichzeitig Sichtbarkeit für queere Perspektiven in einem Genre, das diese viel zu lange ignoriert hat. Falls Du die Musikerin demnächst live erleben möchtest, bietet sich am 31. August im Hotel Zags die nächste Gelegenheit.

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