Musik

Spike F*ck kündigt Debütalbum evidence an

Der australische Musiker meldet sich mit neuer Single und Tour zurück.



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Foto: Dylan Marriott. Mehr zum Thema Transparenz.

Zehn Jahre lang glich die Karriere von Spike F*ck eher einer urbanen Legende als einer gewöhnlichen Musikerlaufbahn. Nach sporadischen Veröffentlichungen, hartnäckigen Gerüchten und einem plötzlichen Abtauchen meldet sich der australische Underground-Künstler nun zurück. Mit der Ankündigung seines Debütalbums „evidence“ verlässt er das Reich der Spekulationen und liefert am 2. Oktober 2026 über das Label Sacred Bones sein erstes vollständiges Studioalbum ab. Falls du dich fragst, wie das Comeback klingt, kannst du dir ab sofort die erste Single „All By Myself“ samt Musikvideo ansehen.

Vom Underground-Kult zum spurlosen Verschwinden

Die Geschichte von Spike F*ck ist geprägt von Extremen. Vor rund zehn Jahren erlangte seine EP „Smackwave“ rasch Kultstatus. Aufgrund ihrer kompromisslosen Auseinandersetzung mit Drogenkonsum, Geschlechtsidentität, Katholizismus und Existenzialismus wurde die Veröffentlichung von mehreren Medien zensiert. Der plötzliche Trubel führte Spike von spontanen Auftritten in Melbourner Straßenbahnen und Underground-Warehouse-Partys direkt in die Welt der High Fashion. Es folgten Foto-Shootings für Rick Owens und ungefilterte Interviews – doch genau an der Schwelle zum weltweiten Durchbruch verschwand der Künstler spurlos.

In den darauffolgenden Jahren blühte die Gerüchteküche im Internet auf. Unter alten YouTube-Videos und Bootleg-Uploads spekulierten Fans über klösterliche Isolation, Rückfälle oder eine vollständige Neuerfindung. Erst eine Reihe von überraschenden Live-Auftritten mit jeweils ausverkauften Nächten in Los Angeles und New York bewies jüngst, wie tief der Mythos Spike F*ck nach wie vor im Underground verankert ist.

Ein Album wie ein Slasher-Film

Nun folgt mit „evidence“ das eigentliche Manifest. Ursprünglich hatte Spike an einem Album namens „Pure O“ gearbeitet, verworfen dieses Projekt jedoch zugunsten der neuen Tracks. Zusammen mit dem Produzenten Adam Hyde (KELI HOLIDAY) entstand das gesamte Werk innerhalb von drei Monaten. Statt die eigene Vergangenheit krampfhaft aufzuarbeiten, stellt das Album das direkte Erleben in den Vordergrund. Es geht nicht mehr um die Suche nach einer starren Identität, sondern um den Moment im Hier und Jetzt.

Musikalisch bewegt sich die Scheibe in einem vielschichtigen Terrain zwischen New Wave, Glam, Soul und einer unpolierten Punk-Doo-Wop-Produktion. Als prägende Einflüsse nennt Spike Bands und Künstler wie Pere Ubu, New York Dolls, The Temptations und Bettye Swan. Auch das berüchtigte Handbuch „The Anarchist Cookbook“ von 1971 diente als gedankliche Inspiration für das rätselhafte wie direkte Songwriting. Über die Herangehensweise an die Produktion verrät Spike:
Dieses Album ist körperlich, instinktiv und selbstbewusst. Ich wollte Songwriting auf dieselbe Weise angehen wie ein Regisseur einen Slasher‑Film. Direkt auf den Punkt kommen und die Menschen alles fühlen lassen. Ich möchte, dass dieses Album schneidet wie ein scharfes Messer.
Spike

Neue Single und Tourtermine in Deutschland

Die Vorabsingle „All By Myself“ verdeutlicht diesen Ansatz eindrucksvoll. Das dazugehörige Video inszeniert eine absurde spirituelle Transformation zwischen Fegefeuer, Versuchung und Erlösung. Spike erklärt den Hintergrund zur Visualisierung wie folgt:
In dem Moment, in dem jemand fragt: ‚Was bedeutet das?‘ weiß ich: Wir haben unseren Job gemacht. Da die Gesellschaft ihre Mythologien aufgegeben hat, müssen wir unsere eigenen erschaffen. Das klingt banal, und ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal genau, wie ich diese Aussage verteidigen soll. Wir sind keine Existenzialisten. Aber wir leben gleichzeitig in einer völlig schizophrenen Gesellschaft. Deshalb erschien die Idee, die Geschichte eines Kriegshelden beziehungsweise Kriminellen zu erzählen, der eine absurde spirituelle Transformation durchmacht, beinahe unausweichlich. Fegefeuer, Himmel und Hölle, Erlösung, Fantasie, ein sprechender Pilz und so weiter. Menschen verstehen Wahrheit durch Analogien und Gleichnisse. Wir wollten etwas über Erlösung, Vergebung, Glauben, Hoffnung und Nächstenliebe erschaffen, das allen offensteht, die danach suchen. Ich bin vielleicht kein besonders verlässlicher Erzähler, das gebe ich gern zu, aber die Fantasie dahinter ist gesund. Ebenso wie ein wenig Verspieltheit oder ein kleiner Schuss Größenwahn. Dieses Video und das gesamte Album sind eine Sammlung von Hinweisen, eine Reihe von Beweisstücken. Hoffentlich wirft das Video mehr Fragen auf, als es beantwortet.
Spike
Neben der Albumveröffentlichung im Oktober geht Spike F*ck im Spätherbst auf Europatournee. Im Rahmen dieser Tour stehen auch drei Konzerte in Deutschland auf dem Programm: Am 12. November tritt er in München (Milla) auf, gefolgt von Berlin (Urban Spree) am 15. November und Hamburg (Molotow Top Ten Bar) am 16. November.

Tracklist

  1. Can’t Get It Up
  2. Had Your Way
  3. Sweet Release
  4. Bored To Death
  5. All By Myself
  6. Getting Sober
  7. Blue Light
  8. Hate Me

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