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Sahara - Sahara Review

Zeitreise in die Melodic-Rock-Aera


15.05.2026  Redaktion  0 Likes  0 Kommentare 
Sahara - Sahara Review Bild Sahara - Sahara Review Screenshot Sahara - Sahara Review Foto

Manchmal fühlt sich die Musikwelt an wie eine gut geölte Zeitmaschine. Wir schreiben das Jahr 2026, und plötzlich landet ein Silberling auf dem Schreibtisch, der uns direkt in die Zeit um die Jahrtausendwende katapultiert. Die Rede ist vom selbstbetitelten Debütalbum der schwedischen Formation Sahara. Ursprünglich im Jahr 2001 erschienen, war das gute Stück lange Zeit nur noch zu Mondpreisen auf Auktionsplattformen zu finden. Jetzt bringt Pride & Joy Music das Werk als limitiertes Remaster zurück. Doch wie schlägt sich der Sound von damals im Hier und Jetzt? Eines vorweg: Wer die 90er und den frühen AOR der 2000er liebt, wird sich hier sofort wie zu Hause fühlen – vielleicht sogar ein bisschen zu sehr.

Skandinavische Wertarbeit mit dem Hang zum Bekannten
Hinter Sahara stecken keine Geringeren als Gitarrist Peter Lidström und Sänger Ulrick Lönnqvist. Letzterer ist in der Szene bis heute ein gefragter Songwriter, und das hört man dem Album in jeder Sekunde an. Die Produktion, die für die Neuveröffentlichung von Harry Hess (Harem Scarem) noch einmal ordentlich aufpoliert wurde, ist absolut amtlich. Der Sound ist glasklar, die Keyboards schweben majestätisch über den kräftigen Gitarrenwänden, und Lönnqvists Stimme thront über allem wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung. Es ist Melodic Rock in seiner reinsten Form, produziert mit dem typisch schwedischen Händchen für Perfektion.

Doch genau hier liegt auch ein kleiner Hund begraben. Während die Qualität der handwerklichen Umsetzung über jeden Zweifel erhaben ist, drängt sich beim Hören doch recht schnell ein gewisses Déjà-vu-Gefühl auf. Viele der Melodien wirken so vertraut, dass man fast meint, sie schon vor zwanzig Jahren im Radio (oder auf irgendeiner Rock-Compilation) gehört zu haben. Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge zwischen „gut geklaut“ und „stilsicher zitiert“. Die 90er-Jahre-Lastigkeit ist unüberhörbar, was einerseits charmant nostalgisch wirkt, andererseits aber auch ein wenig die Eigenständigkeit vermissen lässt.

Zwischen Nostalgie-Bonus und Vorhersehbarkeit
Man muss der Truppe lassen, dass sie genau wissen, welche Knöpfe sie drücken müssen. Die Songs strotzen nur so vor großen Refrains und stadiontauglichen Hooklines. Das ist Wohlfühl-Rock für die Autobahn, perfekt geeignet, um laut mitzusingen und in Erinnerungen zu schwelgen. Doch wer nach Innovation oder überraschenden Wendungen sucht, ist hier an der falschen Adresse. Sahara halten sich strikt an das Regelwerk des Genres. Das macht die Platte zu einem grundsoliden Erlebnis, das aber eben auch wenig Ecken und Kanten bietet, an denen man hängen bleiben könnte.

Besonders für Sammler ist die Neuauflage natürlich ein Segen, zumal die 500 handnummerierten Exemplare wohl schneller weg sein werden, als man „AOR“ buchstabieren kann. Es ist ein Relikt einer Ära, in der Melodien noch Vorfahrt hatten und man sich nicht schämte, auch mal ein bisschen dicker aufzutragen. Dennoch bleibt der Beigeschmack, dass hier vieles nach Schema F abläuft. Die Arrangements sind sicher, die Soli sitzen perfekt, aber der letzte Funke Genialität, der einen echten Meilenstein ausmacht, will heute nicht mehr so ganz überspringen.

Ein Fest für Genre-Puristen
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Sahara-Debüt ein absolut anständiges Stück Rockgeschichte ist, das vor allem durch seine handwerkliche Brillanz und die saubere Produktion punktet. Wer seine Musiksammlung mit skandinavischer Wertarbeit vervollständigen möchte und über die mangelnde Innovation hinwegsehen kann, bekommt hier genau das, was auf der Packung steht. Es ist eine Zeitreise in eine musikalische Welt, die heute fast schon wie aus der Zeit gefallen wirkt – mit all ihren Stärken und eben auch ihren Vorhersehbarkeiten.

  1. Stranger
  2. Time Is A Healer
  3. Over And Over
  4. Dreams
  5. The Fire
  6. Never Say Never
  7. Silent Rain
  8. Dream Of You
  9. Deep Inside
  10. What Is Love
  11. The Night


Der Re-Release von Sahara ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite haben wir eine technisch makellose Produktion und fantastische Musiker, die den Melodic Rock im Blut haben. Auf der anderen Seite stehen Melodien, die man so oder so ähnlich schon oft gehört hat, und ein Songwriting, das sehr tief in den 90er Jahren verwurzelt ist. Für Hardcore-Fans des Genres und Sammler ist der Re-Release ein absoluter Pflichtkauf, zumal das Remastering von Harry Hess wirklich Druck macht. Für den Gelegenheits Hörer bleibt es eine solide Rock-Platte mit hohem Nostalgiefaktor, der es aber ein wenig an eigenem Charakter mangelt.

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