Skandinavische Wertarbeit mit dem Hang zum Bekannten
Hinter Sahara stecken keine Geringeren als Gitarrist Peter Lidström und Sänger Ulrick Lönnqvist. Letzterer ist in der Szene bis heute ein gefragter Songwriter, und das hört man dem Album in jeder Sekunde an. Die Produktion, die für die Neuveröffentlichung von Harry Hess (Harem Scarem) noch einmal ordentlich aufpoliert wurde, ist absolut amtlich. Der Sound ist glasklar, die Keyboards schweben majestätisch über den kräftigen Gitarrenwänden, und Lönnqvists Stimme thront über allem wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung. Es ist Melodic Rock in seiner reinsten Form, produziert mit dem typisch schwedischen Händchen für Perfektion.Doch genau hier liegt auch ein kleiner Hund begraben. Während die Qualität der handwerklichen Umsetzung über jeden Zweifel erhaben ist, drängt sich beim Hören doch recht schnell ein gewisses Déjà-vu-Gefühl auf. Viele der Melodien wirken so vertraut, dass man fast meint, sie schon vor zwanzig Jahren im Radio (oder auf irgendeiner Rock-Compilation) gehört zu haben. Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge zwischen „gut geklaut“ und „stilsicher zitiert“. Die 90er-Jahre-Lastigkeit ist unüberhörbar, was einerseits charmant nostalgisch wirkt, andererseits aber auch ein wenig die Eigenständigkeit vermissen lässt.
Zwischen Nostalgie-Bonus und Vorhersehbarkeit
Man muss der Truppe lassen, dass sie genau wissen, welche Knöpfe sie drücken müssen. Die Songs strotzen nur so vor großen Refrains und stadiontauglichen Hooklines. Das ist Wohlfühl-Rock für die Autobahn, perfekt geeignet, um laut mitzusingen und in Erinnerungen zu schwelgen. Doch wer nach Innovation oder überraschenden Wendungen sucht, ist hier an der falschen Adresse. Sahara halten sich strikt an das Regelwerk des Genres. Das macht die Platte zu einem grundsoliden Erlebnis, das aber eben auch wenig Ecken und Kanten bietet, an denen man hängen bleiben könnte.Besonders für Sammler ist die Neuauflage natürlich ein Segen, zumal die 500 handnummerierten Exemplare wohl schneller weg sein werden, als man „AOR“ buchstabieren kann. Es ist ein Relikt einer Ära, in der Melodien noch Vorfahrt hatten und man sich nicht schämte, auch mal ein bisschen dicker aufzutragen. Dennoch bleibt der Beigeschmack, dass hier vieles nach Schema F abläuft. Die Arrangements sind sicher, die Soli sitzen perfekt, aber der letzte Funke Genialität, der einen echten Meilenstein ausmacht, will heute nicht mehr so ganz überspringen.
Ein Fest für Genre-Puristen
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Sahara-Debüt ein absolut anständiges Stück Rockgeschichte ist, das vor allem durch seine handwerkliche Brillanz und die saubere Produktion punktet. Wer seine Musiksammlung mit skandinavischer Wertarbeit vervollständigen möchte und über die mangelnde Innovation hinwegsehen kann, bekommt hier genau das, was auf der Packung steht. Es ist eine Zeitreise in eine musikalische Welt, die heute fast schon wie aus der Zeit gefallen wirkt – mit all ihren Stärken und eben auch ihren Vorhersehbarkeiten.- Stranger
- Time Is A Healer
- Over And Over
- Dreams
- The Fire
- Never Say Never
- Silent Rain
- Dream Of You
- Deep Inside
- What Is Love
- The Night



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