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Kodaline - We Were Only Young Review

Kodaline nehmen mit großen Gefühlen Abschied


24.08.2026  Jacqueline  0 Likes  0 Kommentare 
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Wenn eine Band ihr letztes Studioalbum ankündigt, bekommt plötzlich jede Melodie ein zusätzliches Gewicht. Bei Kodaline gilt das ganz besonders, schließlich hat die irische Formation über viele Jahre hinweg bewiesen, wie wirkungsvoll sich persönliche Geschichten, große Refrains und eine gehörige Portion Melancholie miteinander verbinden lassen. We Were Only Young erscheint am 2. Oktober 2026 und bildet nach mehr als zwei Jahrzehnten gemeinsamer Bandgeschichte den offiziellen Schlusspunkt.

We Were Only Young blickt auf eine lange Reise zurück
Schon der Titel macht deutlich, dass Kodaline nicht mit einem lauten Knall aus der Tür treten möchten. We Were Only Young richtet den Blick zurück auf eine Zeit, in der vieles leichter, offener und vielleicht auch ein wenig naiver erschien. Der gleichnamige Song lebt von diesem bittersüßen Gefühl, ohne sich vollständig im Abschiedsschmerz zu verlieren. Steve Garrigans Gesang beginnt zurückhaltend, ehe sich das Arrangement öffnet und die vertrauten Harmonien der Band immer stärker in den Vordergrund rücken. Das ist emotional kalkuliert, ja, wirkt in diesem besonderen Zusammenhang aber keineswegs unehrlich.

Musikalisch erfinden sich Kodaline dabei nicht neu. Die Produktion verbindet intime Momente mit einem glänzenden, radiotauglichen Klangbild und baut erneut auf den Kontrast zwischen leisen Strophen und weit aufgezogenen Refrains. Wer mit früheren Liedern der Band wenig anfangen konnte, dürfte deshalb auch durch We Were Only Young kaum bekehrt werden. Fans bekommen dagegen genau jene Mischung aus Wärme, Wehmut und hymnischer Größe, die Kodaline über Jahre zu ihrem Markenzeichen gemacht haben.

Persönliche Songs zwischen Liebe und Verlust
Die zwölf Titel entstanden über einen Zeitraum von rund vier Jahren und wurden erstmals vollständig von Steve Garrigan geschrieben. Inhaltlich verarbeitet der Frontmann verschiedene einschneidende Erfahrungen, darunter seine Hochzeit, persönliche Verluste, Phasen der Unsicherheit und schließlich das Ende der Band. Dadurch besitzt das Album eine erkennbare autobiografische Grundlage. Gleichzeitig bleiben die Texte offen genug, damit du eigene Erinnerungen und Erfahrungen darin wiederfinden kannst.

Besonders unmittelbar zeigt sich das bei Without You. Garrigan schrieb das sanfte akustische Liebeslied für seine Frau und trug es anlässlich ihrer Hochzeit vor. Entsprechend unverstellt fällt die Botschaft aus. Die zurückhaltende Instrumentierung gibt seiner Stimme viel Raum, während die Melodie auf große Umwege verzichtet. Das Stück ist romantisch, ohne übermäßig prunkvoll zu werden, bewegt sich allerdings sehr sicher innerhalb bekannter Balladenmuster.

Back to Me bringt etwas mehr Bewegung in das bisher hörbare Material. Der Song klingt heller und zugänglicher, trägt unter seiner eingängigen Oberfläche aber erneut die Sehnsucht nach Nähe und emotionaler Sicherheit. Mehrstimmiger Gesang, sauber gesetzte Steigerungen und ein Refrain, der schnell im Gedächtnis bleibt, zeigen Kodaline in routinierter Form. Gerade diese Verlässlichkeit ist Stärke und Schwäche zugleich: Das Handwerk sitzt, wirkliche Überraschungen bleiben bislang jedoch rar.

Zwischen akustischer Nähe und großen Pop-Hymnen
Nach den angekündigten musikalischen Eckpunkten soll das vollständige Album deutlich abwechslungsreicher ausfallen, als es die ersten Singles zunächst vermuten lassen. All I Ever Need Is You setzt demnach auf sanfte Akustikklänge, während Learn to Lose Klavier und Gospel-Einflüsse miteinander verbindet. Get Me High und It's Not Over sollen stärker in Richtung treibender Pop-Hymnen gehen. Mit Vultures findet zudem ein Stück mit lebhafteren Folk-Rhythmen seinen Platz auf der Platte.

Diese Mischung passt zu einer Band, die stets zwischen Indie-Rock, Pop und gefühlvoller Singer-Songwriter-Musik pendelte. Gerade für ein finales Album wäre etwas mehr Mut zur Reibung durchaus reizvoll gewesen. Andererseits scheint We Were Only Young gar nicht den Anspruch zu verfolgen, ein vollkommen neues Kapitel aufzuschlagen. Die Platte soll vielmehr zusammenfassen, was diese Band emotional und musikalisch ausgemacht hat.

Ein bewusst versöhnlicher Abschied von Kodaline
Mit Who Will Save You Now beginnt das Album nachdenklich, bevor The One For Me den Abschied feierlich beschließen soll. Diese Rahmung deutet auf eine bewusst gestaltete Dramaturgie hin: vom Zweifel über Erinnerungen und Verluste bis zu einer versöhnlichen letzten Geste. We Were Only Young möchte offenbar weniger wie eine endgültig zugeschlagene Tür wirken als wie ein gemeinsamer Blick auf das, was bleibt.

Die Stücke tragen dieses Konzept überzeugend. Sie klingen aufrichtig, sorgfältig produziert und unverkennbar nach Kodaline. Gleichzeitig fehlt ihnen stellenweise jene kleine Unberechenbarkeit, die aus einer guten Ballade eine außergewöhnliche machen kann. Als Abschiedswerk besitzt das Album jedoch schon vor seiner vollständigen Veröffentlichung eine emotionale Fallhöhe, die selbst vertrauten musikalischen Mitteln neue Bedeutung gibt.

Tracklist
  1. Who Will Save You Now
  2. We Were Only Young
  3. Back to Me
  4. Without You
  5. Get Me High
  6. All I Ever Need Is You
  7. Vultures
  8. Last Forever
  9. Learn to Lose
  10. Hindsight
  11. It's Not Over
  12. The One For Me

Unser Fazit

Kodaline nehmen mit großen Gefühlen Abschied

We Were Only Young deutet sich als ehrlicher und bewusst versöhnlicher Abschied an, der die bekannten Stärken von Kodaline bündelt. Die Songs überzeugen mit emotionalem Gesang, griffigen Melodien und einer angenehm warmen Produktion, gehen musikalisch jedoch nur selten ein Risiko ein. Auf Grundlage des bislang hörbaren Materials bleibt ein stimmiges, berührendes und etwas vorhersehbares Finale.

Jacqueline (Spielemagazin.de)

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