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Dreadnought - Wars of Spirit // Wards Of Light Review

Progressive Metal zwischen elektronischer Dystopie und menschlicher Wärme


24.08.2026  Redaktion  0 Likes  0 Kommentare 
Dreadnought - Wars of Spirit // Wards Of Light Review Bild Dreadnought - Wars of Spirit // Wards Of Light Review Screenshot Dreadnought - Wars of Spirit // Wards Of Light Review Foto

Dreadnought gehörten schon immer zu jenen Bands, bei denen Genrebezeichnungen höchstens eine grobe Orientierung liefern. Auch auf Wars of Spirit // Wards Of Light verbinden die Musiker aus Colorado Progressive Metal, Folk, Doom, atmosphärischen Extreme Metal und psychedelische Klangfarben. Dieses Mal wirkt die Mischung allerdings konzentrierter als auf früheren Veröffentlichungen. Die sechs Stücke ergeben kein leicht konsumierbares Album, verlieren sich aber deutlich seltener in ausgedehnten Umwegen. Stattdessen führt Dich die Band mit erstaunlicher Konsequenz durch eine futuristisch anmutende Welt, in der technologische Kälte und menschliche Verletzlichkeit miteinander ringen.

Dreadnought bündeln ihre musikalischen Gegensätze
Mit Tiamat's Gate beginnt Wars of Spirit // Wards Of Light standesgemäß im Großformat. Der mehr als neun Minuten lange Auftakt lässt sich Zeit, seine Atmosphäre aufzubauen, und verdeutlicht unmittelbar, wie selbstverständlich Dreadnought unterschiedliche Ausdrucksformen miteinander verbinden. Ruhige, beinahe schwebende Passagen treffen auf schwere Gitarren, dramatische Steigerungen und harsche Ausbrüche. Keyboards und Synthesizer liegen dabei nicht bloß dekorativ im Hintergrund. Sie bestimmen die räumliche Wirkung des Stücks und lassen die Musik stellenweise wie den Soundtrack zu einer unbekannten Science-Fiction-Welt erscheinen.

Dass die Gruppe ihre Kompositionen zugänglicher gestalten wollte, wird spätestens bei The Archive deutlich. Der Song ist mit viereinhalb Minuten ungewöhnlich kompakt, bewahrt aber die wesentlichen Merkmale der Band. Elektronische Flächen, präzise gesetzte Gitarren und der Wechsel zwischen klaren und aggressiveren Gesangspassagen erzeugen Spannung, ohne das Stück unnötig zu überladen. Gerade diese neue Disziplin steht Dreadnought gut. Die Band klingt weiterhin eigensinnig, bringt ihre Ideen nun jedoch schneller auf den Punkt.

Zwischen zerbrechlicher Schönheit und kontrollierter Härte
Colors Of Our Broken Hearts führt die emotionalere Seite des Albums fort. Der Titel klingt zunächst beinahe versöhnlich, trägt unter seiner Oberfläche aber eine spürbare Unruhe. Melodische Gesangslinien und leuchtende Synthesizer stehen einer dunklen Grundstimmung gegenüber. Dadurch entsteht keine einfache Ballade, sondern ein vielschichtiges Stück über innere Brüche und den Versuch, trotz aller Entfremdung etwas Menschliches zu bewahren. Du kannst Dich an den Melodien festhalten, während die Arrangements im Hintergrund immer wieder kleine Risse sichtbar machen.

Mit Serpents Of The Moon wird das Album schwerer und geheimnisvoller. Dreadnought bauen das Stück geduldig auf, verschieben mehrfach die Dynamik und lassen einzelne Motive wie Erinnerungsfragmente wiederkehren. Die Übergänge zwischen meditativen Momenten und massiven Gitarrenwänden funktionieren ausgesprochen organisch. Gelegentlich verlangt die Musik allerdings volle Aufmerksamkeit. Wer nebenbei nur eingängige Refrains sucht, dürfte an den verschachtelten Strukturen und den abrupten Stimmungswechseln wenig Freude haben.

Elektronische Klangwelten treffen auf Progressive Metal
Aeonwar gehört zu den Stücken, in denen das dystopische Konzept besonders deutlich hervortritt. Elektronische Texturen vermitteln das Gefühl einer zunehmend entmenschlichten Umgebung, während Schlagzeug, Bass und Gitarren für eine körperliche, fast erdige Gegenbewegung sorgen. Genau in diesem Spannungsfeld entwickelt Wars of Spirit // Wards Of Light seine stärkste Wirkung. Die Technik erscheint nicht nur als faszinierendes Werkzeug, sondern zugleich als etwas Bedrohliches. Demgegenüber stehen Stimmen und organische Instrumente, die nach Nähe, Erinnerung und Beständigkeit suchen.

Die Produktion von Julius Mauranen unterstützt diesen Gegensatz hervorragend. Trotz der zahlreichen Ebenen bleibt das Klangbild nachvollziehbar. Synthesizer, verzerrte Gitarren und Percussion kämpfen nicht um denselben Raum, sondern greifen ineinander. Die härteren Stellen besitzen den notwendigen Druck, während ruhige Abschnitte genügend Luft bekommen. Dadurch wirkt das Album groß und cineastisch, ohne zu einem undurchsichtigen Klangblock zu werden.

The Twilight Protectorate beschließt das Werk mit einem weiteren ausladenden Stück. Hier führt Dreadnought die zuvor entwickelten Motive zusammen und baut einen Abschluss, der weniger auf eine eindeutige Auflösung als auf nachhaltige Atmosphäre setzt. Der Song wechselt zwischen Schutz und Bedrohung, Wärme und Distanz. Das passt hervorragend zu einem Album, das Gegensätze nicht beseitigen, sondern hörbar miteinander konfrontieren möchte. Lediglich manche Steigerung folgt einem bereits bekannten Muster, weshalb das Finale nicht mehr ganz dieselbe Überraschungskraft wie der Auftakt entfaltet.

Tracklist
  1. Tiamat's Gate (9:13)
  2. The Archive (4:35)
  3. Colors Of Our Broken Hearts (4:38)
  4. Serpents Of The Moon (6:57)
  5. Aeonwar (7:02)
  6. The Twilight Protectorate (7:31)

Unser Fazit

Progressive Metal zwischen elektronischer Dystopie und menschlicher Wärme

Wars of Spirit // Wards Of Light zeigt Dreadnought fokussierter, ohne die ungewöhnliche Identität der Band zu glätten. Besonders die selbstverständliche Verbindung aus Progressive Metal, harschen Ausbrüchen, klaren Melodien und elektronischen Klanglandschaften überzeugt. Einige wiederkehrende Spannungsbögen und die weiterhin anspruchsvollen Strukturen verhindern, dass das Album jeden Hörer sofort erreicht. Wenn Du Dich jedoch auf seine knapp 40-minütige Reise einlässt, erwartet Dich ein atmosphärisch dichtes, hervorragend produziertes und angenehm eigenständiges Werk.

Redaktion (Spielemagazin.de)

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