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Stabbing - Eon Of Obscenity Review

Brutal Death Metal am Limit


02.01.2026  Captain  0 Likes  0 Kommentare 
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Brutal Death Metal lebt davon, Grenzen zu dehnen, Normen zu zerbrechen und aus der Dunkelheit etwas noch Düstereres zu formen. Stabbing aus Houston treiben dieses Prinzip auf Eon Of Obscenity so weit, dass selbst eingefleischte Extrem-Metal-Fans kurz Luft holen müssen. Das zweite Album der Band – und ihr Century-Media-Debüt – wirkt wie ein Schlag mit einem rostigen Vorschlaghammer: brutal, direkt, unerwartet präzise.

Schon der Opener „Rotting Eternal“ macht klar, was Stabbing wollen. Keine langen Intros, keine Atmosphäre zum Aufwärmen – hier werden die Türen direkt eingetreten. Die Riffs kommen wie Sägeblätter, die Drums wie ein Dauerfeuer aus einer automatischen Waffe, und Bridget Lynch liefert eine Vokalleistung, die aus jeder Pore Brutalität ausstrahlt. Ihre Stimme ist kein Growl – sie ist ein Angriff. Ein Ausdruck purer Aggression, der gleichzeitig beeindruckend kontrolliert wirkt.

Ein Sound, der klaustrophobisch eng und gnadenlos ehrlich bleibt
Produziert wurde Eon Of Obscenity in Houston bei Southwing Audio – und man hört der Platte an, dass Stabbing bewusst auf sterile Hochglanzproduktion verzichtet haben. Die Band wollte ein rohes, ehrliches Klangbild, das die Energie der alten Death-Metal-Schule einfängt. Es gibt keine übermäßigen Effekte, keine künstliche Politur. Die Gitarren sind schneidend, der Bass grollt ungestüm, und die Drums erinnern an Maschinengewehrsalven – aber immer mit einem fühlbaren „Live“-Charakter.

Trotz aller Rohheit steckt eine erstaunliche Klarheit in der Produktion: Jeder Song ist präzise strukturiert, jeder Blastbeat sitzt, jede Übergangsphase ist gnadenlos tight. Es fühlt sich an, als wäre die Musik direkt in einem engen Proberaum entstanden, in dem die Wände pulsieren und der Atem schwer wird. Diese Kompromisslosigkeit verleiht dem Album eine Intensität, die moderne Brutal-Death-Metal-Bands oft nicht mehr erreichen.

Bridget Lynch: Eine der markantesten Stimmen des neuen B.D.M.-Zeitalters
Dass Stabbing mittlerweile als Referenz für die neue Brutal-Death-Metal-Welle gehandelt werden, liegt nicht nur am Songwriting, sondern vor allem an Lynch. Ihre Vocals übertreffen das, was viele im Genre erwarten. Statt reinem gutturalem Gemurmel liefert sie ein Spektrum, das irgendwo zwischen wütend, abgründig und fast schon übermenschlich liegt.

In „Inhuman Torture Chamber“ und „Masticate the Subdued“ wechselt sie mühelos zwischen tiefstem Growl und glockenartigen Pig-Squeal-Texturen. Es wirkt nie übertrieben oder gimmickhaft – vielmehr wie ein eigener Ausdrucksstil, der Stabbing unverwechselbar macht.

Besonders hervorzuheben ist der Gastauftritt von Ricky Myers (Suffocation) in „Nauseating Composition“. Das Zusammenspiel beider Stimmen erzeugt eine dichte, finstere Wucht, die Fans des klassischen New-York-Death-Metal in Ekstase versetzen dürfte.

Songwriting zwischen Chaos, Struktur und chirurgischer Präzision
Die elf Tracks sind kurz, intensiv und wirken wie destillierte Gewalt in musikalischer Form. Stabbing entfernen alles Überflüssige und konzentrieren sich auf die rohen Kernbestandteile: Tempo, technische Finesse und den Mut, jede Sekunde maximal auszureizen.

„Eon of Obscenity“, der Titeltrack, führt genau das vor: ein zweiminütiger Vortex aus Riffs, der wirkt, als wäre er von Adrenalin und Raserei getrieben. „Reborn to Kill Once More“ setzt auf überraschend klare Groove-Elemente, die zwischen Blastbeats für kleine Momente des „Einrastens“ sorgen, bevor die Maschine wieder durchdreht.

Mit „Their Melted Remains“ und „Symphony of Absurdity“ zeigt die Band, dass sie nicht nur schnell und brutal schreiben kann, sondern auch atmosphärische Dichte erzeugt – allerdings ohne jemals die Grundformel ihres Genres zu verlassen.

Eine neue Stimme in einer alten, extremen Tradition
Was Stabbing besonders macht, ist nicht nur ihre technische Klasse, sondern die Art, wie sie Brutal Death Metal verstehen. Die Band wirkt wie ein Bindeglied zwischen alter Schule und neuer Generation. Kein Anbiedern an Trends, kein künstliches Modernisieren – nur ehrliche, erbarmungslose Härte.

Die Aussagen von Bridget Lynch, dass sie die rohe Essenz der Klassiker bewahren wollen, spiegeln sich in jedem Song wider. Gleichzeitig zeigt das Album, dass Stabbing längst mehr sind als ein Geheimtipp. Sie sind eine treibende Kraft der neuen B.D.M.-Welle – und man nimmt ihnen ab, dass sie diesen Weg unbeirrt weitergehen werden.

Tracklist
  1. Rotting Eternal
  2. Inhuman Torture Chamber
  3. Masticate the Subdued
  4. Eon of Obscenity
  5. Reborn to Kill Once More
  6. Ruminations
  7. Nauseating Composition (feat. Ricky Myers)
  8. Their Melted Remains
  9. Sonoluminescent Hemoglobinopathy
  10. Symphony of Absurdity
  11. Sinking Into Catatonic Reality


Eon Of Obscenity ist ein Manifest brutaler Kunst. Ein Album, das kompromisslos in die Magengrube fährt und dabei technisch wie atmosphärisch auf höchstem Niveau agiert. Stabbing beweisen eindrucksvoll, warum sie als neue Speerspitze des Brutal Death Metal gelten: rohe Produktion, extremste Vocals, präzises Songwriting und eine unverwechselbare Identität. Wer B.D.M. liebt, wird dieses Album verschlingen – wer es hasst, wird es fürchten. Genau so soll es sein.

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