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LuxJury – Giving Up Review

Ein Manifest aus einer anderen Zeit


16.02.2026  Jacqueline  18 Likes  0 Kommentare 
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Foto: Bella Union. Mehr zum Thema Transparenz.

Das Debütalbum Giving Up von LuxJury fühlt sich an wie ein musikalisches Artefakt, das irgendwo zwischen den 90er-Indie-Folk-Clubs, frühen 2000er Lo-Fi-Bands und moderner Bedroom-Intimität verortet ist – ein Manifest wie aus einer anderen Zeit. Und genau das macht diese Platte so besonders: Sie ist bewusst Special Interest, aber so eindringlich, so wunderbar produziert und so wahnsinnig authentisch, dass man sie fast wie eine Zeitkapsel in den Händen hält.

Nicole „Lux“ Fermie, Sängerin, Gitarristin und kreativer Kern von LuxJury, verarbeitet darin ihr Coming-out, das Ende einer früheren Band, Herzschmerz, Neuanfang und Selbstfindung. Doch so sehr diese Themen im Mittelpunkt stehen – Giving Up funktioniert nicht primär als queere Erzählung. Es ist vielmehr ein Album von universeller musikalischer Klasse, dessen Stärke darin liegt, wie mühelos Fermie intime Wahrheiten in große Melodien gießt.

Ein Sound, der bewusst außerhalb der Zeit steht
LuxJury spielen Indie-Rock mit souliger Wärme, leichtem Retro-Schimmer und einem Gefühl von „analoger Ehrlichkeit“, das man heute selten hört. Die Produktion wirkt handgemacht, liebevoll, fast schon nostalgisch – ohne jemals angestaubt zu klingen.

Der Opener Poly-Amerie setzt sofort diesen Ton: Streicher, Gitarrenschimmer, große Emotionen, aber mit der Gelassenheit einer Band, die nicht gefallen, sondern erzählen will. Es ist ein Song, der an alte Songwriter-Platten erinnert – persönlich, verspielt, mutig.

Auch Both Teams und Can You Want It tragen dieses Gefühl weiter: vibrierende Indie-Gitarren, ein leichtes Flirren von Soul und Pop, und eine Stimme, die gleichzeitig verletzlich und souverän wirkt.

Persönlich, aber nie als bloßes Bekenntnisalbum
Natürlich ist Fermies Coming-out als queere Frau ein zentrales narratives Element – aber das Album definiert sich nicht nur darüber. Es ist vielmehr die kreative Wiedergeburt einer Musikerin, die plötzlich etwas zu sagen hatte, das vorher in ihr geschwelt hat.

Hot Mess liefert eine sonnige, fast yacht-rockige Leichtigkeit, die perfekt illustriert, wie jugendlich und frei sich queere Neuanfänge anfühlen können. Ein Song für Fahrten entlang der Küste, für Momente der Aufbruchsstimmung.

Snacks (I Could Love You) wiederum ist eine dieser wärmenden Indie-Soul-Nummern, die sofort hängen bleiben: leicht funky, beschwingt, emotional offen – eine Hymne für alle, die zwischen Rebound und echter Sehnsucht schwanken.

History of the Body und Thief zeigen dagegen die introspektivere Seite des Albums: reduziert, nachdenklich, manchmal schonungslos. Fermie scheut nicht davor zurück, sich selbst in einem unvorteilhaften Licht zu zeigen – und genau das macht Giving Up so menschlich.

Ein Debüt voller Mut, Wärme und musikalischer Reife
LuxJury wirken wie eine Band, die bereits eine lange Reise hinter sich hat – und gleichzeitig frisch genug ist, um völlig frei aufzuspielen. Die Songs klingen, als wären sie aus Tagebüchern, alten Demo-Tapes und längst vergessenen Ideen zusammengesetzt und dann mit großer Hingabe neu zum Leben erweckt worden.

Es ist ein Album, das Indie-Rock-Fans anspricht, aber vor allem Menschen, die Musik lieben, die sich weigert, in Trends gepresst zu werden.

Tracklist
  1. Poly-Amerie (03:39)
  2. Both Teams (03:44)
  3. Can You Want It (03:23)
  4. Snacks (I Could Love You) (04:41)
  5. History of the Body (02:00)
  6. Hot Mess (04:05)
  7. Couples Therapy (05:04)
  8. Opaque & Hollow (03:17)
  9. Orphans (03:44)
  10. Thief (05:22)
  11. I'm This Time (03:26)


Giving Up ist ein eindrucksvolles Debüt: mutig, verletzlich, zeitlos und voller Herz. Ein Album, das weniger nach Genre und mehr nach Gefühl funktioniert – wie eine Flaschenpost aus einer anderen Epoche des Indie-Rocks. Klanglich warm, erzählerisch offen, handwerklich stark.

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