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Elsa - Jump! Review

Mutiger Vocal Jazz zwischen zarter Intimität und ungezügelter Dynamik


21.08.2026  Redaktion  0 Likes  0 Kommentare 
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Der Albumtitel klingt wie ein kurzer Befehl: Spring! Doch Elsa versteht Jump! weniger als sportliche Aufforderung denn als Plädoyer für den Mut, sich der eigenen Angst zu stellen. Das zweite Album der Wiener Band rund um Sängerin und Songwriterin Elsa Steixner erschien am 25. April 2025 und erzählt von Neugier, Unsicherheit, Sehnsucht und dem Vertrauen, das eine enge zwischenmenschliche Verbindung schenken kann. Musikalisch bewegt sich das Quartett dabei frei zwischen Jazz, Indie-Pop, Folk, Blues, Soul und R&B. Du bekommst also kein Album, das sich bereitwillig in eine einzige Schublade legt, sondern eine ebenso eigenwillige wie zugängliche Reise durch unterschiedlichste Stimmungen.

Elsa erweitert den Klangraum ihres modernen Vocal Jazz
Elsa Steixner gründete die Band 2022 gemeinsam mit dem Pianisten Julian Bazzanella, dem Bassisten Jakob Lang und dem Schlagzeuger Daniel Louis. Die Musiker lernten sich während ihres Studiums in den Niederlanden kennen und teilen ein solides Jazzfundament, ohne ihre Kompositionen den üblichen Regeln des Genres unterzuordnen. Nach dem überwiegend akustischen Debüt A Day on Solid Ground öffnet Elsa den Sound auf Jump! deutlich weiter. Neben Gesang, Piano, Bass und Schlagzeug finden nun auch elektrische Gitarre, Posaune, Harmonium und Orgel ihren Platz in den Arrangements.

Die Zusammenarbeit mit Produzent David Furrer trägt hörbar dazu bei, dass diese Erweiterung nicht nach bloßer Dekoration klingt. Jedes zusätzliche Instrument übernimmt eine klar erkennbare Funktion, während sich die Stücke mehr Freiheiten bei Aufbau und Dynamik erlauben. Manche Passagen erinnern eher an kleine Suiten als an konventionelle Songs. Trotzdem verliert sich Elsa nicht in technischer Selbstbezogenheit. Die Musik bleibt emotional greifbar und lädt Dich dazu ein, ihren zahlreichen Richtungswechseln zu folgen.

What For eröffnet das Album mit hypnotischer Spannung
What For beginnt mit einer markanten Gitarrenfigur und entwickelt schnell einen lockeren, beinahe live eingespielten Groove. Elsa Steixners Stimme klingt zugleich nahbar, rau und geheimnisvoll. Wenn das Arrangement später auf Bass und Schlagzeug zurückfällt, verändert sich auch ihr Vortrag: Aus selbstbewusster Präsenz wird eine fragile, fast schwebende Intimität. Dieser Wandel innerhalb eines einzigen Stücks gibt bereits vor, was Dich auf Jump! erwartet. Kaum ein Song bleibt dort, wo er angefangen hat.

Clouds Are Clouds reduziert die Begleitung zunächst auf akustische Gitarre und Gesang. Der folkige Charakter bringt Ruhe ins Album, wird aber durch einen spürbaren Bruch in der Mitte aufgebrochen. It Won't Be Long verbindet anschließend eine sanft aufsteigende Melodie mit Texten über Verlust und Sehnsucht. Gerade weil Steixner nicht in Schwermut versinkt, entfaltet der Song eine bittersüße Wärme. Hoffnung und Abschied stehen nebeneinander, ohne dass eine Seite die andere verdrängt.

Zwischen rauchigem Jazzclub und sommerlicher Leichtigkeit
Marketplace lässt sich besonders viel Zeit. Die Band tastet sich in einen entspannten Groove hinein, über dem Steixners Gesang langsam Konturen annimmt. Sparsam eingesetzte Bläser verleihen dem Stück zum Ende hin zusätzliche Farbe. Courage bildet danach ein kurzes, dunkler schimmerndes Zwischenspiel. Der Titel mag Entschlossenheit versprechen, doch die Musik zeigt, dass Mut keineswegs die Abwesenheit von Zweifel bedeutet.

Mit Summer Shoes schlägt die Stimmung ins Helle um. Luftige Tastenklänge, ein unbeschwerter Rhythmus und Steixners beweglicher Gesang erzeugen das Gefühl eines spontan verlängerten Sommertages. Sunshine At Goodbye kehrt dagegen stärker zum klassischen Vocal Jazz zurück. Piano und Stimme bestimmen eine elegante, leicht verräucherte Atmosphäre, die im weiteren Verlauf leidenschaftlich aufbricht. Elsa spielt geschickt mit Erwartungen: Kaum hast Du Dich in einer Stimmung eingerichtet, verändert sich ihre Intensität oder Perspektive.

Who Will führt diese Offenheit fort und lässt der Band Raum für nuanciertes Zusammenspiel. Dabei zeigt sich eine der größten Qualitäten des Albums: Die vier Musiker agieren nicht wie Begleitung und Solistin, sondern wie gleichberechtigte Gesprächspartner. Bass und Schlagzeug kommentieren die Melodien, während Piano und Gitarre immer wieder neue Türen öffnen. Die anspruchsvollen Arrangements wirken dadurch lebendig statt akademisch.

Jump! macht aus Angst eine musikalische Bewegung
Das Titelstück verdichtet die zentrale Botschaft des Albums. Über einer zurückgenommenen akustischen Grundlage und vielschichtigen Harmoniestimmen fordert Elsa dazu auf, in das Meer der eigenen Angst zu springen. Der Song folgt keiner klassischen Popdramaturgie, sondern wirkt wie eine kurze, behutsam wachsende Klanglandschaft. Seine Wirkung entsteht nicht durch einen großen Refrain, sondern durch Atmosphäre und das Vertrauen in die Wiederholung.

Inbetweenings beschließt die Platte mit einem ausführlichen Pianoauftakt und einer stärker ausgeprägten Singer-Songwriter-Seite. Aus stiller Reflexion wächst allmählich emotionale Unruhe, die sich bis an die Grenze zur Wut steigert und schließlich wieder in Nachdenklichkeit zurückfällt. Dieses Finale fasst den Charakter von Jump! treffend zusammen. Das Album begreift Gefühle nicht als feste Zustände, sondern als etwas Bewegliches und manchmal Widersprüchliches.

Nicht jeder Übergang wirkt vollkommen organisch, und manche Stücke verlangen Dir Geduld ab, bevor sie ihre eigentliche Gestalt zeigen. Auch die bewusste Verweigerung klassischer Songstrukturen sorgt dafür, dass nicht jede Melodie sofort hängen bleibt. Genau darin liegt allerdings ein wesentlicher Teil des Reizes. Elsa möchte Dich nicht mit vorhersehbaren Höhepunkten bedienen, sondern zum genauen Zuhören bewegen. Jump! belohnt diese Aufmerksamkeit mit feinen Details, großen dynamischen Kontrasten und einer Stimme, die Verletzlichkeit und Entschlossenheit gleichermaßen überzeugend transportiert.

Tracklist
  1. What For
  2. Clouds Are Clouds
  3. It Won't Be Long
  4. Marketplace
  5. Courage
  6. Summer Shoes
  7. Sunshine At Goodbye
  8. Who Will
  9. Jump!
  10. Inbetweenings

Unser Fazit

Mutiger Vocal Jazz zwischen zarter Intimität und ungezügelter Dynamik

Jump! ist ein mutiges und bemerkenswert facettenreiches Vocal-Jazz-Album, das zwischen intimer Zurückhaltung, folkiger Wärme und plötzlich aufbrechender Dynamik pendelt. Elsa Steixners ausdrucksstarke Stimme und das sensible Zusammenspiel der Band geben den zehn Stücken eine klare Identität. Einige abrupte Übergänge und die freien Strukturen erschweren zwar den unmittelbaren Zugang, doch gerade die Unberechenbarkeit macht das Album langfristig spannend. Wer Jazz gerne an den Grenzen zu Indie-Pop, Folk und Soul hört, findet hier eine eigenständige und emotional glaubwürdige Platte.

Redaktion (Spielemagazin.de)

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