Zwischen Marrakesch und digitaler Zukunft
In den lauen Nächten von Marrakesch, wo selbst die historischen Mauern des berühmten Platzes Djemaa el Fna lebendig zu atmen scheinen, reift die Vision hinter dem neuen Projekt. Hassak agiert hierbei nicht als anonymer DJ, sondern begegnet seiner Herkunft mit tiefem Respekt. Das optische Aushängeschild des Albums ist eine eigens angefertigte Maske, die aus der Hand der Künstlerin Meryem Aboulouafa stammt. Dieses visuelle Element zitiert die Zayan, ein traditionsreiches Berbervolk, das einst in poetischen Kreisen tanzte, um sich spirituell zu entfalten und den eigenen Kern zu finden. Diese Verbindung aus historischem Gewand und moderner Clubkultur zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Release.Musikalisch spannt das Werk einen weiten Bogen, der sich am ehesten als gedankliche Schnittmenge beschreiben lässt: Man stelle sich vor, der legendäre Jazz-Pionier Sun Ra hätte Logic Pro entdeckt und wäre anschließend durch Guinea gereist. Das Ergebnis ist jedoch keine gefällige Weltmusik oder verkitschte Fusion-Folklore, sondern ein kompromissloses, politisches Statement im treibenden 4/4-Takt. Hassak setzt sich kritisch damit auseinander, was verloren geht, wenn afrikanische Musik auf westliche Normen reduziert und lediglich in beliebige Samples zerstückelt wird.
Kultur als mündliches Archiv
Die Rhythmen auf der Platte sind weit mehr als bloße Tanzflächen-Füller; sie verstehen sich als lebendige Chroniken und mündliche Archive. Mutant versucht konsequent, diesen Klängen den Raum zurückzugeben, den sie verdienen – nicht primär auf großen Festivalbühnen, sondern in den Gehörgängen von Menschen, die verlernt haben, dass bereits das schlichte Atmen einen fundamentalen Beat darstellt. Das Album will gezielt nicht jedem gefallen und hält sich von loungigen Beliebigkeiten fern. Stattdessen fordert es dazu auf, sich an jene musikalischen Spuren zu erinnern, die Algorithmen oft verschweigen.Ein zentraler Vorbote dieses Ansatzes ist die erste Singleauskopplung Drift of Drummer. Der Track erweist sich als bewusste Verneigung vor der Djembé, blendet jedoch jegliche billige Exotik aus. Stattdessen lenkt der Song den Fokus auf die harte körperliche Arbeit und die sozialen Geschichten, die untrennbar mit dem Instrument verknüpft sind. Am 29. August erscheint das komplette Album, das eindringlich beweist, dass echte Musik niemals rein global funktioniert, sondern zutiefst ortsspezifisch verankert ist. Jede elektronische Zukunft hat demnach ihren wahren Ursprung in einem kleinen Dorf, in dem ein Mensch auf ein Fell schlägt, um Gehör zu finden.
Tracklist
- Drift of Drummer
- Paradigm
- Renegade
- Calling Out
- The Arc of Three Colours
- Tribes With Flags
- Ring of Fire
- Four Lambs
- Z
- Tamayyurt
- Enlightenment


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