Ein musikalisches Collage-Projekt mit gesellschaftlichem Blick
„Hi Hopes“ unterscheidet sich spürbar von den bisherigen Veröffentlichungen des Künstlers. Statt einer streng durchkonzipierten Studio-Ästhetik setzt das Album auf eine von Mixtapes inspirierte Struktur. Die insgesamt 14 Titel streifen durch ganz unterschiedliche Stile und verbinden melodischen Psychedelic-Pop mit experimenteller Electronica sowie ruhigen, fast filmischen Instrumentalpassagen. Die musikalischen Skizzen entstanden größtenteils aus spontanen Solo-Jams und digitalen Demos in Collbergs Kölner Heimstätte, bevor sie im Kopenhagener Studio von Mikkel Mohr ausgearbeitet wurden.Trotz der abwechslungsreichen Klanglandschaften hält ein roter Faden das Werk zusammen: die direkten und ungeschminkten Texte. Collberg adressiert darin seine Frustrationen über aktuelle globale Entwicklungen, ohne sich hinter Mehrdeutigkeiten zu verstecken. Zu den Hintergründen seiner Songtexte erklärt der Künstler:
Ich wollte etwas schaffen, das meine Frustrationen über das, was derzeit in der Welt vor sich geht, widerspiegelt und einfängt. Als nicht in Deutschland Geborener, der aber in Europa lebt, fühlt es sich ein bisschen so an, als stünde man am Rande und sähe zu, wie die USA zu Hause und auf der ganzen Welt Chaos anrichten, während man selbst irgendwo anders ein Doppelleben führt und immer noch versucht, irgendwie einen Sinn darin zu finden und am Geschehen teilzuhaben. Es ergibt keinen Sinn, aber Musik oder Kunst über diese Gefühle völliger Frustration zu schaffen, macht meiner Meinung nach Sinn.
Zwischen düsterer Rhythmik und aufbauenden Klängen
Diese emotionale Haltung spiegelt sich unter anderem im Titelsong „Hi Hopes / How Many Times Can You Take A Round To The Chest?“ wider. Der Track baut sich langsam auf und mündet in einer vielschichtigen Soundwand. Das dazugehörige Musikvideo nutzt Archivmaterial aus der Sonora-Wüste in Arizona, das mit verzerrenden Glitch-Effekten von Janosh Pugnaghi überlagert wurde, um den paradoxen Grundton der Musik zu unterstreichen.Auch stilistische Ausflüge prägen die Platte: Mit „Constellations Of Loving You“ adaptiert Collberg einen Text von Dimitri Manos (Golden Boots) und unterlegt ihn mit einem düsteren elektronischen Arrangement aus treibendem Bass und Drum-Machine. Den Schlusspunkt setzt hingegen das gemeinsam mit der Live-Band rund um David Helm und Miguel Ortiz-Caturani eingespielte „Everything Is Nothing Is All“. Collberg ordnet das Finalstück so ein:
Ich wollte das Gefühl einfangen, wie wir zusammen sind und spielen, so wie wir es live tun. Außerdem schien es mir der perfekte Abschluss für ein Album voller düsterer Themen zu sein. ‚Everything is Nothing is All‘ ist hoffnungsvoll und aufbauend, ganz ohne Ironie oder Sarkasmus, es ist unprätentiös und sachlich. Wir sind alle hier zusammen und schweben auf einem Stein, und das ist alles, was wir haben – verschwendet das nicht. Das ist die Hoffnung in den Hi Hopes. Ich glaube, sie ist stärker, als wir denken.
Tracklist
- Love Ain't Free I
- Love Ain't Free II
- Hi Hopes / How Many Times Can You Take A Round To The Chest?
- Cold February
- Luxury Apartments
- Why Why Why (mactech 666)
- Hexagonical
- Mensch
- Constellations Of Loving You
- Light In The Dark
- Things To Do When Everything’s Fucked Up I
- Things To Do When Everything’s Fucked Up II
- Side To Side
- Everything Is Nothing Is All


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