Vom Soloplan zum gemeinsamen Klangkosmos
Die Ausgangslage schien denkbar einfach: Rich Ruth, bürgerlich Michael Ruth, sollte eigentlich lediglich ein neues Soloalbum für Allison de Groot produzieren. De Groot gilt seit Jahren als eine der profiliertesten Vertreterinnen des Clawhammer-Banjos. Ausgezeichnet mit dem renommierten Steve Martin Prize for Excellence in Banjo und nominiert für den Award der Americana Music Association als Instrumentalist des Jahres, machte sie sich vor allem an der Seite der Fiddlerin Tatiana Hargreaves einen Namen. Das Duo veröffentlichte unter anderem das hochgelobte Werk „Hurricane Clarice“ und heimste Auszeichnungen bei den IBMA Awards, den Canadian Folk Music Awards sowie den JUNOs ein.Rich Ruth hingegen bewegt sich in ganz anderen musikalischen Gefilden. Über drei Alben hinweg – zuletzt mit dem 2024 erschienenen Werk „Water Still Flows“ auf Third Man Records – erschuf der Multiinstrumentalist vielschichtige Instrumentalmusik. Seine Kompositionen verbinden Ambient, Spiritual Jazz, Minimalismus und synthetisch getriebenen Post-Rock. Zudem gehört er zusammen mit Pedal-Steel-Gitarrist Spencer Cullum und Gitarrist Sean Thompson zum Trio Shrunken Elvis, deren selbstbetiteltes Debütalbum 2025 für Aufsehen sorgte.
Als de Groot und Ruth in Ruths Studio in Nashville zusammenkamen, begann die Grenze zwischen Produktion und Songwriting rasch zu verschwimmen. Über zwölf Monate hinweg jammten und tüftelten beide an neuem Material, bis aus dem ursprünglich geplanten Soloalbum ein gleichberechtigtes Werk entstand, das den kreativen Fußabdruck beider Musikschaffenden trägt.
Krautrock-Dynamik und hypnotische Soundscapes
Musikalisch prägen sowohl der physische Raum als auch der experimentelle Entstehungsprozess den Sound des Albums. Das charakteristische Spiel von de Groots Banjo wird durch Loops und Delay-Effekte geschickt gebrochen und bildet den rhythmischen Puls im Zentrum der Arrangements. Es entstehen rollende Figuren mit fast krautrockartiger Dynamik, die sanft in die synthetischen Klangteppiche von Rich Ruth übergehen.Ergänzt wird das Zusammenspiel durch Gastmusiker: Patrick M’Gonigle steuerte Violine sowie vielschichtige Streicherarrangements bei und wirkte zudem an einigen Kompositionen mit. Spencer Cullum, Ruths Bandkollege bei Shrunken Elvis, erweitert das klangliche Spektrum um atmosphärische Pedal-Steel-Passagen. Den nötigen Impuls zum finalen Abschluss der Studioarbeiten lieferte schließlich eine selbstgesetzte Deadline: Ein überraschend anberaumter Live-Auftritt beim renommierten Big Ears Festival in Knoxville, Tennessee, forderte die Fertigstellung der Kompositionen.
Das Ergebnis umfasst acht Titel, die trotz ihrer kosmischen Weite eine spürbare menschliche Wärme und Zärtlichkeit bewahren. Unverzierte Passagen mit Banjo und Geige treffen auf fernen Vogelgesang, eingebettete Radiostimmen, Vibrafon und meditative Synthesizer. De Groots erdendes Instrument und Ruths elektronische Texturen lassen die Grenzen zwischen Irdischem und Himmlischem fließend verschwimmen.
Tracklist
- Nervion
- New Intervention
- Bass Crust
- 10-14
- Distance From Then
- Sorgin
- Rocks from the Moon
- A Wizard and a Stork


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