Die neue Single April behandelt das Thema eines emotionalen Tauwetters. Was hat Dich zu dieser Metapher und dem Songwriting inspiriert?
Die Metapher war im ersten Moment gar keine bewusste Entscheidung. Ich hatte dieses Gefühl, das ich nicht beschreiben konnte, und suchte nach einem Wort, das diesen Zustand festhält.Es war April, es hat geregnet und in den Nachrichten waren nur schlimme Dinge. Mittlerweile ist es, glaube ich, die Trompetenmelodie, die das Gefühl am exaktesten widerspiegelt.
Irgendetwas zwischen Aussichtslosigkeit und Hoffnung. Vielleicht ein bisschen näher an Hoffnung.
Inwiefern spiegelt April die klangliche und inhaltliche Ausrichtung Deines kommenden Debütalbums Toy Cars wider?
April ist ein ganz guter Startsong. Er reflektiert den Gesamtsound des Albums ziemlich gut: viel Einfachheit, klare Melodien, kein Schnickschnack. Die Trompete kommt etwas unerwartet.Instrumental bewegt sich der Song zwischen kompletter Einfachheit und kleinen Überraschungen, die ihn woanders hinbringen. Jeder Song auf dem Album thematisiert das Gefühl der inneren Zerrissenheit, ohne dabei vorzugeben, wohin es gehen soll.
Welche Geschichte oder tiefere Bedeutung verbirgt sich hinter dem Albumtitel Toy Cars?
Toy Cars ist auch der Titel eines Songs auf dem Album. Er beschäftigt sich mit der Beziehung zu kindlichen Verhaltensmustern: mit Ablegen und Wiedererlernen, vor allem aber mit der ambivalenten Haltung, die man ihnen gegenüber meist einnimmt.Ich mochte den Klang und die Kombination der beiden Worte. Irgendwann stand dann für mich einfach fest, dass dieser Songtitel auch der Albumtitel wird.
Du arbeitest mit reduzierten Arrangements aus Gitarre und Klavier. Wie entscheidest Du im Studio, wann ein Song genau die richtige Dosis Intimität erreicht hat?
Zum Glück musste ich bei keiner Abzweigung ganz allein entscheiden. Ich hatte eine Idee davon, wo ich mit dem Sound des Albums hinwollte: einfach, reduziert und mit viel Raum für die Songs selbst.Im Spätsommer 2025 traf ich den Drummer Xavier und die Bassistin Ciara zum ersten Kennenlernen in einem Lokal in Wien. Sie kannten die Songs bereits. Als wir anfingen, über den Sound zu sprechen und eine Woche später für die Studiosessions probten, wurde schnell klar, dass wir ähnliche Vorstellungen hatten.
Ein im Trio live aufgenommenes Album ist im Zweifelsfall lieber ein bisschen zu reduziert als zu vollgepumpt.
Das Musikvideo zu April entstand in Athen mit Regisseur Uli M. Schüppel. Wie kam der Kontakt zustande und wie war die Zusammenarbeit?
Ich bin 2024 durch Zufall auf ein Studio auf der Insel Hydra gestoßen, habe dort die Demos für das Album aufgenommen, dadurch Freunde in Athen kennengelernt und bin schließlich dorthin gezogen.Uli habe ich bei seiner Geburtstagsfeier auf der Dachterrasse seiner Wohnung im Athener Stadtviertel Exarchia kennengelernt. Ich war die Plus Eins meines guten Freundes, des Musikers und Schriftstellers Einar Stenseng. Uli hatte ihn in den Zweitausendern gemeinsam mit einigen anderen Berliner Musikern für einen Dokumentarfilm begleitet.
Als Einar in der Runde ein paar seiner Songs spielte, reichte er mir die Gitarre und ich kam natürlich nicht mehr aus der Sache raus. Uli mochte meine Musik, und ich dachte, April könnte ihm ebenfalls gefallen. Nach ein paar Abenden und Nächten in griechischen Tavernen überlegte ich lange, ihn nach einer Zusammenarbeit zu fragen. Er hat zuvor mit Größen wie Nick Cave und Einstürzende Neubauten gearbeitet.
Irgendwann habe ich mich einfach getraut und ihm April geschickt.
Welche Rolle spielten Athen und der Dreh vor Ort für die visuelle Ästhetik des Videos?
Athen ist eine Stadt mit vielen Facetten. Neben dem blauen Himmel, der starken Hitze und dieser fast naiv wirkenden Leichtigkeit, die man vielleicht anfangs wahrnimmt, ist die politische Lage in der Stadt auch sehr angespannt und von gesellschaftlichem Unmut geprägt.Das spiegelt sich auch in den Fassaden der Häuser wider: Graffiti, dunkle Gassen, die im Sommer die Sonne fernhalten, und der ständige Wechsel von Licht und Schatten.
Athen ist für mich eine ambivalente Stadt, die genauso wenig zu greifen ist wie das Gefühl, das April beschreibt.


Noch keine Kommentare. Starte die Diskussion!