Melicious: „Ich hatte keine Lust mehr auf Sad Songs“

Über Got U On My Mind, Post-Punk und ein sehr persönliches Debütalbum



Melicious: „Ich hatte keine Lust mehr auf Sad Songs“ Bild Melicious: „Ich hatte keine Lust mehr auf Sad Songs“ Screenshot Melicious: „Ich hatte keine Lust mehr auf Sad Songs“ Foto

Mit „Got U On My Mind“ schlägt Melicious zunächst überraschend leichte Töne an. Hinter dem Soloprojekt steht die schweizerisch-amerikanische Musikerin Melissa Varela aus Basel, die Indie-Pop, elektronische Klangwelten und Pop-Punk-Attitüde miteinander verbindet. Nach Veröffentlichungen wie „Risky Business“ und „Ugly Starts and Promises“ bildet die am 28. August 2026 erschienene Single den Auftakt zu ihrem kommenden Debütalbum. Dabei ist der gut gelaunte Liebessong allerdings nur bedingt ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt: Das zwischen 2024 und 2025 entstandene Album ist stark von Verlust geprägt und soll deutlich ernster und persönlicher ausfallen. Im Interview spricht Melicious über glückliche Liebeslieder, ihre Inspiration durch Post-Punk, den Umgang mit privaten Erfahrungen und darüber, warum sie heute andere Ziele mit ihrer Musik verfolgt als noch zu Beginn ihrer Karriere.

Du hast Dir vorgenommen, ein glückliches Liebeslied zu schreiben. War das für Dich einfacher oder überraschend schwieriger als Songs über Trennungsschmerz und Unsicherheit?

In dem Moment, als ich das Lied geschrieben habe, fiel es mir ziemlich leicht, weil ich einfach keine Lust mehr hatte auf „sad songs“. Allerdings ist es bei mir definitiv der Fall, dass ich mehr schreibe, wenn ich traurig bin. Jetzt geht es mir zum Beispiel richtig gut und dafür schreibe ich auch weniger.
Jetzt geht es mir zum Beispiel richtig gut und dafür schreibe ich auch weniger.

Der Song beschreibt diesen wunderbar chaotischen Zustand, in dem sich plötzlich alles um einen Menschen dreht. Gab es einen konkreten Moment, der Dich zu dem Stück inspiriert hat?

Mhhm, gute Frage. Ich glaube wirklich dieses kurzfristige Vermissen, wo man schon wieder unbedingt mit dieser Person reden will.

Wie ist „Got U On My Mind“ musikalisch entstanden - stand zuerst eine Textzeile, eine Melodie oder ein bestimmter Sound?

Ich hatte zuerst den Text und eine Vocal-Melodie und hab diese dann an Arnaud Rolle geschickt. Dadurch kam das Instrumental zustande.

Deine Musik bewegt sich zwischen Indie-Pop, elektronischen Klangwelten und Pop-Punk-Attitüde. Welche dieser Seiten tritt bei der neuen Single besonders hervor?

Ich liebe Post-Punk. Und als ich den Song geschrieben habe, habe ich gerade viel Ekkstacy gehört und zum Beispiel viel Edwin Rosen. Da war ich richtig inspiriert davon. Außerdem gefiel mir die Art, so „nonchalant“ zu singen, bei diesen Inspos mega. Das wollte ich da nachempfinden.
Ich liebe Post-Punk.

Persönliches Storytelling spielt in Deinen Songs eine wichtige Rolle. Wo ziehst Du die Grenze zwischen ehrlicher Offenheit und dem Schutz Deines Privatlebens?

Ja, bei „Got U On My Mind“ ziehe ich die Grenze tatsächlich mega. Bin selber überrascht davon, aber irgendwie rede ich erstaunlich viel über Privates drumrum bei diesem Song. Normalerweise fällt mir das nicht so schwer.

Du lebst in Basel und hast schweizerische sowie amerikanische Wurzeln. Inwiefern prägen diese unterschiedlichen kulturellen Einflüsse Deine Musik?

Ich glaube, die Musik, die wir in Europa hören, ist sowieso sehr geprägt von der amerikanischen Kultur. Ich höre selbst auch viel amerikanischen Pop. Ein Punkt vielleicht: Ich habe grundsätzlich sehr wenig Angst davor, „einfach zu machen“. Und ich glaube, das ist schon etwas sehr Amerikanisches.

„Got U On My Mind“ ist der erste Vorbote Deines Debütalbums. Warum war gerade dieser Song der richtige Einstieg in das neue Kapitel?

Das Album ist grundsätzlich sehr ernst und traurig und da wollte ich irgendwie die Happy-Songs vorwegnehmen. Ich wollte, dass Leute noch etwas tanzen können, bevor ich dann so bin: „SAD SAD SAD“. Und es fühlte sich auch richtig an, diesen Song im Sommer noch rauszubringen.
Ich wollte, dass Leute noch etwas tanzen können, bevor ich dann so bin: „SAD SAD SAD“.

Was können Hörerinnen und Hörer vom kommenden Album erwarten, und wird sich die leichtere Stimmung der Single auch in weiteren Songs wiederfinden?

Es wird leider eher sad :( Ich schrieb das Album zwischen 2024 und 2025 und es ist geprägt von Verlust. (Bummer). Ich bin noch etwas unsicher, wie ich damit umgehen soll, allerdings ist klar: Es ist sehr, sehr persönlich.

Wenn Du Deine Entwicklung von „Risky Business“ über „Ugly Starts and Promises“ bis zum Debütalbum betrachtest: Was hat sich bei Dir als Songwriterin und Musikerin am stärksten verändert?

Mhmm, gute Frage. So schön, sprecht ihr „Risky Business“ an! Ich habe es gerade wieder mal gehört und tbh finde ich immer noch, es funktioniert mega. „Risky Business“ kam mit so viel „urgency“, es war so viel dabei, was einfach gesagt werden musste, unabhängig davon, ob die EP kommerziellen Erfolg hatte. Heute denke ich nicht gerade an kommerziellen Erfolg, wenn ich meine Musik schreibe. Ich möchte aber, dass die Musik viele Leute erreicht und bei „Risky Business“ wollte ich halt nur, dass es eine Person hört. Das ist schon etwas anders. Oder besser: Ich habe jetzt Ziele, die ich vorher nicht hatte.

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