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Cthulhu: The Cosmic Abyss Review

Wahnsinn in der Tiefe


19.08.2026  Redaktion  PC  0 Likes  0 Kommentare 
Cthulhu: The Cosmic Abyss Review Bild Cthulhu: The Cosmic Abyss Review Screenshot Cthulhu: The Cosmic Abyss Review Foto

Es ist dunkel. Sehr dunkel sogar. Irgendwo unter uns scheint sich etwas zu bewegen, während unser Sonar versucht, der fremdartigen Umgebung wenigstens ein paar Informationen abzuringen. Genau in solchen Augenblicken funktioniert Cthulhu: The Cosmic Abyss hervorragend. Das Horror-Adventure von Big Bad Wolf verfrachtet den Mythos von H. P. Lovecraft ins Jahr 2053 und verbindet klassische Ermittlungsarbeit mit moderner Technologie, psychologischem Horror und einer ordentlichen Portion Wahnsinn. Herausgekommen ist ein mutiges und atmosphärisch starkes Adventure, das allerdings immer wieder über seine eigenen Ambitionen stolpert.

Cthulhu wartet im Jahr 2053
Statt uns wie so viele Lovecraft-Adaptionen in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zu schicken, wagt The Cosmic Abyss einen interessanten Zeitsprung. Im Jahr 2053 werden die Ressourcen der Menschheit knapp und Konzerne suchen längst in den Tiefen der Ozeane nach neuen Möglichkeiten.

Wir übernehmen die Rolle des Ermittlers Noah Williams, dessen Untersuchungen ihn immer tiefer in einen okkulten Fall hineinziehen. Eine verschwundene Expedition, rätselhafte Vorkommnisse und schließlich die versunkene Stadt R'lyeh bilden die Zutaten für eine Geschichte, bei der natürlich schnell klar wird, dass hier Kräfte am Werk sind, die besser geschlafen hätten.

Unterstützt wird Noah von der KI KEY. Sie liefert Informationen, analysiert Funde und wird angesichts des zunehmenden Wahnsinns zu einer durchaus wichtigen Begleiterin.

Ermitteln statt Monster erschießen
Wer bei einem Horrorspiel automatisch an Waffen, Munition und Kämpfe denkt, ist hier falsch. Cthulhu: The Cosmic Abyss versteht sich vielmehr als investigatives First-Person-Adventure. Begegnungen mit Kreaturen gibt es zwar, doch Noah ist kein Actionheld. Entsprechend stehen Erkundung, Beobachtung und Rätsel im Vordergrund.

Besonders interessant ist der Sonar-Scanner. Im Verlauf des Spiels sammeln wir unterschiedliche Frequenzen und können anschließend gezielt nach Materialien oder anderen relevanten Dingen suchen. Was zunächst etwas kompliziert klingt, entwickelt sich zu einem der interessanteren Werkzeuge des Spiels.

Hinzu kommt der sogenannte Vault, eine Art Gedankenkarte, in der gesammelte Hinweise miteinander verknüpft werden. Wir ziehen Schlussfolgerungen, beantworten Fragen und setzen nach und nach das Gesamtbild zusammen. Das erinnert ein wenig an klassische Detektivspiele und funktioniert grundsätzlich erstaunlich gut.

Rätsel zwischen genial und unnötig kompliziert
Genau hier beginnt allerdings eines der größten Probleme. Manche Rätsel sind clever konstruiert und vermitteln tatsächlich das befriedigende Gefühl, einen Zusammenhang selbst erkannt zu haben. Andere wirken dagegen unnötig kompliziert oder schlicht verwirrend.

Gerade in späteren Abschnitten kann es passieren, dass wir ziemlich lange durch die Umgebung laufen und schlicht nicht wissen, welche Information uns noch fehlt. Selbst andere Tester berichten von Passagen, in denen die Suche nach der richtigen Vorgehensweise erheblich länger dauerte als erwartet.

Das passt einerseits durchaus zum Thema – schließlich soll Noah an seinem Verstand zweifeln und nicht der Spieler an der Komplettlösung. Andererseits leidet darunter gelegentlich das Tempo. Hinzu kommen zahlreiche Dokumente und Aufzeichnungen. Wer gerne jedes Detail einer Spielwelt aufsaugt, bekommt reichlich Hintergrundinformationen. Wenn jedoch eine entscheidende Information irgendwo in einer längeren Textpassage steckt, kann die Begeisterung schnell nachlassen.

Der Wahnsinn verändert deine Geschichte
Besonders spannend ist das Korruptionssystem. Begegnungen, Entscheidungen und bestimmte Lösungswege beeinflussen Noahs geistigen Zustand. Dabei gibt es häufig unterschiedliche Möglichkeiten, ein Problem anzugehen. Der bequemere oder okkultere Weg kann die Korruption erhöhen, während eine gründlichere Untersuchung möglicherweise einen weniger gefährlichen Pfad eröffnet.

Das Ganze beeinflusst letztlich auch den Verlauf beziehungsweise die möglichen Enden. Damit besitzt Cthulhu: The Cosmic Abyss einen durchaus interessanten Wiederspielwert.

Diese Mechanik passt hervorragend zum Lovecraft-Thema: Wissen bedeutet Macht, doch Wissen kann gleichzeitig gefährlich sein. Je tiefer Noah gräbt, desto näher kommt er der Wahrheit – und möglicherweise auch dem Wahnsinn.

R'lyeh sieht erschreckend gut aus
Seine stärksten Argumente liefert das Spiel bei Atmosphäre und Grafik. Verlassene Unterwasseranlagen, groteske Tempel, fremdartige Architektur und schließlich R'lyeh selbst erzeugen ein ausgesprochen unangenehmes Gefühl der Isolation.

Dabei braucht The Cosmic Abyss nicht ständig Jumpscares. Viel wirkungsvoller sind Geräusche, bizarre Konstruktionen oder Räume, bei denen scheinbar die Gesetze der Physik langsam ihre Gültigkeit verlieren. Besonders die surrealen Bereiche schaffen tatsächlich etwas, woran viele Lovecraft-Spiele scheitern: Sie vermitteln zumindest ansatzweise das Gefühl, etwas zu sehen, das der menschliche Verstand eigentlich nicht begreifen sollte.

Auch der Sound trägt seinen Teil dazu bei. Unheimliche Geräusche, dumpfes Grollen und eine zurückhaltende Musik sorgen für eine permanent angespannte Stimmung. Weniger überzeugend fallen dagegen einige Sprecherleistungen aus, die nicht immer die emotionale Intensität erreichen, die bestimmte Situationen eigentlich verlangen würden.

Technisch lauert ein anderes Monster
Weniger kosmisch, dafür ziemlich irdisch sind die technischen Probleme. Je nach Plattform und Version werden Framerate-Einbrüche und Instabilitäten beschrieben. Besonders die Konsolenfassungen hatten zumindest rund um die Veröffentlichung mit deutlichen Schwankungen zu kämpfen. Ein Test der PS5 -Version berichtet sogar von Abstürzen und problematischen Checkpoints, wobei Updates bereits Verbesserungen gebracht haben sollen.

Das ist schade, denn gerade ein langsames atmosphärisches Adventure lebt davon, dass die Illusion möglichst selten durch technische Probleme unterbrochen wird.

Cthulhu: The Cosmic Abyss gehört zu den interessanteren Versuchen, Lovecrafts Mythologie spielerisch umzusetzen. Das futuristische Szenario funktioniert erstaunlich gut, die Unterwasserwelt besitzt eine hervorragende Atmosphäre und insbesondere Sonar, Ermittlungen und Korruptionssystem bringen eigene Ideen mit. Gleichzeitig möchte Big Bad Wolf manchmal etwas zu viel. Rätsel können unnötig kompliziert ausfallen, das umfangreiche Lesen bremst stellenweise die Handlung und technisch fehlt dem Abenteuer etwas Feinschliff. Wer Action-Horror erwartet, dürfte ohnehin enttäuscht werden. Wenn du dagegen gerne langsam eine fremdartige Welt erkundest, Hinweise zusammensetzt und dich ohne Maschinengewehr mit kosmischem Horror auseinandersetzt, solltest du einen Blick riskieren. Cthulhu: The Cosmic Abyss ist kein Meisterwerk des Wahnsinns, aber ein ungewöhnliches Horror-Adventure mit Charakter – und manchmal reicht bereits ein Blick in R'lyeh, um froh darüber zu sein, wieder an die Oberfläche zurückkehren zu dürfen.

Punktewertung

Gameplay
70
Grafik
77
Sound
71
Steuerung
71

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