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1978 Review

Ein verstörender Abstieg in politische Finsternis


25.01.2026  Danilo  0 Likes  0 Kommentare 
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1978 ist ein Werk, das sich sichtbar im Fahrwasser von Filmemachern wie Lucio Fulci bewegt: düster, kaputt, albtraumhaft, oft mehr Gefühl als konkrete Handlung. Regie führen die Onetti-Brüder, die schon mehrfach bewiesen haben, wie sehr ihnen die Ästhetik des italienischen Horrorkinos am Herzen liegt. In 1978 verweben sie diese mit den historischen Schatten der argentinischen Militärdiktatur – ein Setting, das wie gemacht ist für Horror, weil die Realität selbst schon monströs war. Der Film nutzt diese Ausgangslage, um ein bedrückendes, unheilvolles Szenario zu erschaffen, das einen sofort packt.

Ein grandioser Auftakt – und dann verliert sich der Film im Schmerz
Die größte Stärke von 1978 ist sein erster Akt. Die Atmosphäre sitzt. Die Spannung baut sich langsam, aber spürbar auf. Man ahnt, dass hier etwas Unaussprechliches im Hintergrund lauert. Die Bilder wirken roh, ungeschönt, fast dokumentarisch, während gleichzeitig ein surreales Flackern im Stil des italienischen Horrors mitschwingt.

Dann jedoch folgt – wie bei Baskin, mit dem der Film nicht zufällig verglichen wird – eine lange Phase der Tortur. Körperliche Gewalt, Schreie, Blut, Räume ohne Ausweg. Diese Sequenz soll wohl als Abstieg in den innersten Kreis der Hölle fungieren, verliert aber erzählerisch den Halt. Statt die Geschichte voranzutreiben oder die Figuren greifbarer zu machen, breitet sich die Gewalt wie ein Teppich aus, der alles zudeckt, aber wenig offenbart.

1978 möchte emotional überwältigen und scheut nicht vor extremen Mitteln zurück – aber es fehlt ein erzählerisches Gegengewicht, das diese Brutalität rechtfertigt oder einordnet.

Starke visuelle Identität, aber brüchige Dramaturgie
Was dem Film jedoch niemand nehmen kann: Er sieht hervorragend aus. Die Onetti-Brüder komponieren Bilder, die gleichzeitig hässlich und faszinierend sind. Das heruntergekommene Folterzentrum, die unruhige Handkamera, die matten Farben, die überbelichteten Lichter – all das erzeugt eine Stimmung, die an alten Grindhouse-Horror erinnert, ohne billig zu wirken. Der Soundtrack trägt seinen Teil dazu bei: dröhnend, psychedelisch, irritierend. Die Atmosphäre ist also da – aber die Dramaturgie hält diesem Druck nicht stand.

Ein Flashback, der mehr Fragen stellt, als er beantwortet
Wie schon Baskin nutzt auch 1978 eine späte Rückblende, die das Geschehen emotional aufladen soll. Man versteht die Intention: Der Horror soll persönlicher werden, tiefere Wurzeln bekommen. Doch der Effekt bleibt zwiespältig. Zwar gelingt es dem Film, eine zusätzliche Ebene zu öffnen, aber sie wirkt zu spät gesetzt und löst die zuvor erzeugten Spannungen nicht wirklich ein. Statt Klarheit entsteht eher Irritation. Einige Zuschauer mögen diese offene Struktur als poetische Freiheit lesen, andere als fehlende Auflösung. Fest steht: Der Film will nicht alles erklären – aber manchmal erklärt er zu wenig.

Ein politischer Albtraum mit künstlerischem Anspruch
Die argentinische Militärdiktatur liefert ein erschütterndes historisches Fundament, das der Film ganz bewusst in eine metaphysische Hölle verwandelt. Hier zeigen die Onetti-Brüder ihre größte Stärke: die Fähigkeit, reale Gräuel in abstrakten Horror zu übersetzen. 1978 ist weniger ein klassischer Thriller, sondern ein Gefühl. Ein Fiebertraum. Ein Schrei.

1978 ist ein wagemutiger, stilistisch beeindruckender Horrorfilm, der mit politischer Schwere und surrealer Bildkraft arbeitet. Doch so stark er atmosphärisch beginnt, so sehr verliert er sich im Mittelteil in Wiederholungen und Brutalität. Wie schon Baskin wirkt das Ende offen, fragmentarisch und emotional unbefriedigend. Wer experimentellen, visuell ambitionierten Horror schätzt, findet hier viel zu bewundern. Wer eine klare Geschichte oder greifbare Figuren erwartet, wird eher enttäuscht. 1978 bleibt ein polarisierender Film – interessant, aber nicht vollständig überzeugend.

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