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The Smashing Machine Review

Ein Film, der tiefer trifft als jeder Faustschlag


03.01.2026  Toobi  0 Likes  0 Kommentare 
The Smashing Machine Review Bild The Smashing Machine Review Screenshot The Smashing Machine Review Foto

The Smashing Machine ist einer dieser Filme, die dich schon in den ersten Minuten unmerklich packen und erst im Abspann wieder loslassen. Er erzählt die wahre Geschichte von Mike Kerr, einem MMA-Kämpfer, dessen äußerer Kampf im Ring nur ein schwacher Abklatsch dessen ist, was innerlich in ihm tobt. Was den Film so besonders macht, ist der fast dokumentarische Ansatz, mit dem er diese verletzliche Welt einfängt. Nichts wirkt überhöht, nichts wirkt forcierter, als es sein müsste. Stattdessen entsteht eine natürliche Atmosphäre, die roh und gleichzeitig erstaunlich schön ist.

Eine Regie, die atmen darf
Die Kamera beobachtet, anstatt zu kommentieren. Die Szenen wirken organisch, fast improvisiert, als würden wir in das echte Leben eines Mannes eintauchen, der nicht im klassischen Sinne Held ist, sondern ein Mensch, der vieles richtig machen will und dennoch immer wieder an sich selbst scheitert. Das Erzähltempo ist bewusst gehalten, mit Momenten des Stillstands, die sich wie das tiefe Einatmen vor dem nächsten Schlag anfühlen. Fans von Filmen wie Good Time oder Uncut Gems werden sich in diesem Stil sofort wiederfinden, denn auch hier wird Spannung nicht durch Krach erzeugt, sondern durch das Gefühl, dass im nächsten Moment etwas kippen könnte.

Ein Score, der überrascht und begeistert
Dass ein MMA-Film musikalisch von Jazz getragen wird, klingt im ersten Moment wie ein Widerspruch. Doch genau diese Entscheidung macht The Smashing Machine so unverwechselbar. Die treibenden, unvorhersehbaren Rhythmen spiegeln die Kampfkunst perfekt wider: explosive Akzente, gedämpfte Zwischentöne, abrupte Tempowechsel. Diese Wahl verleiht den Fights eine überraschende Eleganz, eine Art filmischer Poesie, die man in diesem Genre so gut wie nie findet. Der Soundtrack ist nicht nur Begleitung – er ist Teil der DNA des Films.

Dwayne Johnson wie man ihn noch nie gesehen hat
Das Herzstück des Films – und das, worüber mit Sicherheit noch lange gesprochen wird – ist jedoch Dwayne Johnson. Es ist nicht weniger als eine seiner besten Leistungen. Er verschwindet vollständig hinter Mike Kerr, nicht als übermenschlicher Blockbuster-Held, sondern als verletzlicher Mann mit Brüchen, Schwächen und Träumen. Seine körperliche Transformation fällt sofort auf, aber erst seine emotionale Offenheit macht die Rolle wirklich groß. Die intimen Momente, vor allem die konfliktreichen Szenen mit seiner Partnerin (gespielt von Emily Blunt), gehören zu den eindringlichsten Paarmomenten, die das Kino in letzter Zeit gesehen hat. Man glaubt jede Falte des Schmerzes, jede Sekunde des Zweifels, jedes kleine Aufleuchten von Hoffnung.

Die Partnerschaft zwischen Kerr und seiner Freundin wirkt nie gestellt, nie für die Kamera poliert. Stattdessen fühlt sie sich echt an – voller Liebe, aber auch voller ungesagter Worte, Missverständnisse und emotionaler Schieflagen. Ihre Auseinandersetzungen sind greifbar, intensiv und manchmal fast schwer anzusehen, weil die Kamera nicht wegblendet, wenn es unangenehm wird. Gerade diese Ehrlichkeit macht die Szenen so stark, denn sie spiegeln Konflikte wider, wie sie jeder Mensch in einer Beziehung schon erlebt hat, nur hier verdichtet und sezierend präzise gezeigt.

Ein Film, den man nicht suchen muss, um zu finden
The Smashing Machine ist kein Film, der unbedingt laut nach Aufmerksamkeit ruft. Er ist keine typische Sportler-Story, die nach bekannten Mustern abläuft. Es gibt keine plakativen Triumphmomente, keine aufdringlichen Motivationsreden. Stattdessen ist es ein fein gearbeitetes Charakterdrama, das in seiner Zurückhaltung unglaubliche Stärke entwickelt. Der Film wirkt lange nach, gerade weil er nicht mit emotionaler Überzeichnung arbeitet, sondern weil er uns in die komplexe Gefühlswelt eines Mannes führt, der gleichzeitig stark und schwach, stolz und gebrochen, zielstrebig und verloren ist.

Vielleicht ist die größte Überraschung, wie geschmackvoll und stilsicher der Film umgesetzt wurde. Die Regie ist präzise, die Bildsprache nüchtern und doch voller Stimmung, die Musik ungewöhnlich und dennoch perfekt gewählt. Es ist diese Kombination aus Härte und Schönheit, die den Film zu einem Erlebnis macht. Selbst Menschen, die mit MMA wenig anfangen können, werden hier viel finden: ein menschliches Drama, ein künstlerisch mutiges Experiment und eine schauspielerische Offenbarung.

The Smashing Machine ist ein leises, intensives und außergewöhnlich feinfühliges Werk, das unter die Haut geht. Der Film zeigt nicht nur den Kampf im Oktagon, sondern auch den viel größeren Kampf um Identität, Liebe und Selbstbestimmung. Mit einer beeindruckenden zentralen Performance, mutigen Stilentscheidungen und einer emotionalen Tiefe, die weit über das Genre hinausreicht, gehört dieser Film zu den stärksten Charakterdramen des Jahres.

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