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The Family Men – Co/de/termination Review

Experimenteller Krach mit System: Wenn Verzerrung zur Kunstform wird


05.05.2026  Danilo  0 Likes  0 Kommentare 
The Family Men – Co/de/termination Review Bild The Family Men – Co/de/termination Review Screenshot The Family Men – Co/de/termination Review Foto

Wenn Du dachtest, Du hättest schon alles gehört, was man mit einer Gitarre und einer ordentlichen Portion Wut anstellen kann, dann hast Du die Rechnung ohne The Family Men gemacht. Die Herrschaften melden sich am 8. Mai mit ihrem zweiten Langspieler „Co/de/termination“ zurück und lassen dabei keinen Stein auf dem anderen. Erschienen über Welfare Sounds & Records, ist dieses Album genau das richtige Futter für alle, die es gerne ein bisschen ungemütlicher, lauter und vor allem kompromissloser mögen. Schnall Dich an, das hier wird kein entspannter Spaziergang im Park.

Zwischen Underground-Hype und klanglicher Zerstörung
The Family Men haben sich in den letzten Jahren einen Namen als eine der intensivsten Live-Bands Schwedens gemacht. Wer sie schon mal in einem vollgestopften Club in Göteborg erlebt hat, weiß, wovon ich rede. Da fliegen Dir nicht nur die Riffs um die Ohren, sondern auch VHS-Projektionen, Tape-Loops und eine Energie, die man förmlich greifen kann. Sänger und Gitarrist Gustav Danielsbacka ist dafür bekannt, die Barriere zwischen Band und Publikum komplett einzureißen – oft steht er mitten in der Menge, während um ihn herum das klangliche Chaos ausbricht. Diese rohe Gewalt ihrer Shows haben sie nun versucht, auf „Co/de/termination“ zu bannen, und ich kann Dir sagen: Das Experiment ist verdammt gut geglückt.

Präzision trifft auf kaputte Elektronik
Was dieses Album so besonders macht, ist die Mischung. Es ist nicht einfach nur stumpfes Geschrammel. Die Band nutzt Sampler, kaputte Elektronik und extrem verzerrte Gitarrenwände, um einen Sound zu erschaffen, der Dich gleichzeitig abstößt und einsaugt. Im Vergleich zum Debüt „No Sound Forever“ wirkt alles ein Stück schärfer und kontrollierter. Es ist ein kontrollierter Abriss, wenn man so will. Die Songs fühlen sich schwerer und bewusster an, ohne dabei die nötige Portion Schmutz zu verlieren. Es ist diese Art von Musik, bei der Du bei jedem Durchlauf neue, kleine Details in dem Berg aus Feedback entdeckst – vorausgesetzt, Deine Anlage macht das mit.

Ein Statement gegen die Beliebigkeit
In einer Zeit, in der vieles im Rock-Sektor glattgebügelt und radiotauglich produziert wird, ist „Co/de/termination“ ein echtes Ausrufezeichen. The Family Men lassen sich nicht in eine Schublade stecken. Ist das noch Noise-Rock? Schon Industrial? Oder einfach nur experimenteller Wahnsinn? Die Antwort ist wahrscheinlich: alles davon. Die Songs wie „Calamity“ oder „Skull Theft“ peitschen Dich nach vorne, während Tracks wie „New Clear“ fast schon meditative, wenn auch düstere Züge annehmen. Es ist ein immersives Erlebnis, auf das man sich einlassen muss. Du darfst hier keine eingängigen Pop-Hooks erwarten, aber dafür bekommst Du eine Ehrlichkeit serviert, die im modernen Musikgeschäft selten geworden ist.

Wird das Dein neues Lieblingsalbum?
Man muss ehrlich sein: „Co/de/termination“ ist keine Platte für jedermann. Wenn Du auf der Suche nach entspannter Hintergrundmusik für den nächsten Grillabend bist, solltest Du vielleicht einen weiten Bogen um dieses Werk machen. Wenn Du aber Bock auf eine Herausforderung hast und Musik suchst, die Dich fordert und wachrüttelt, dann ist das hier Dein Goldstaub. Es ist ein sperriges, lautes und manchmal anstrengendes Album, das aber genau deshalb so viel Spaß macht. The Family Men beweisen, dass sie zu den wichtigsten Stimmen im zeitgenössischen Experimental-Rock gehören. Sie haben ihren Sound perfektioniert und zeigen der Welt, dass Krach eben doch Kunst sein kann.

  1. 01 Calamity
  2. 02 AOR
  3. 03 Skull Theft
  4. 04 Solving The Light Issue
  5. 05 Heaven
  6. 06 New Clear
  7. 07 Scanner
  8. 08 Luxury
  9. 09 Noumena


„Co/de/termination“ ist ein wuchtiger Brocken von einem Album. Die Family Men schaffen es, den Wahnsinn ihrer Live-Auftritte in das Format einer Schallplatte zu pressen, ohne dass die Intensität flöten geht. Es ist laut, es ist dreckig und es ist genau das, was die Szene gerade braucht. Ein paar Durchläufe braucht man schon, um wirklich alles zu greifen, aber wer dranbleibt, wird mit einem der spannendsten Releases des Jahres belohnt. Ein Muss für Fans von Noise, Feedback und unkonventionellen Strukturen.

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