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Good Fortune Review

Ein Engel namens Keanu – und warum das tatsächlich funktioniert


24.01.2026  Captain  0 Likes  0 Kommentare 
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Good Fortune steht und fällt mit einer einzigen Entscheidung: Keanu Reeves als Engel Gabriel. Und erstaunlicherweise ist genau das die größte Stärke des Films. Seine Mischung aus sanfter Verrücktheit, unbeholfener Weisheit und stoischem Charme macht die Figur sofort sympathisch. Man spürt, dass die Macher voll darauf gesetzt haben, dass Keanu einfach Keanu sein darf – und das trägt den Film über viele seiner holprigen Momente hinweg. Denn mal ehrlich: Jeder andere in dieser Rolle hätte vermutlich nicht funktioniert.

Ein Film, der etwas Anlauf braucht
Die erste halbe Stunde des Films wirkt spürbar träge. Aziz Ansari baut seine Figuren langsam auf, manchmal zu langsam. Das Setting, die sozialen Unterschiede, die Lebensrealitäten der beiden Hauptfiguren Arj und Jeff – all das wird sorgfältig, aber etwas langgezogen vorbereitet. Erst wenn die zentrale Idee des Films, der Körper- und Lebenswechsel, wirklich einsetzt, beginnt Good Fortune, sein Potenzial auszuspielen. Ab diesem Moment entstehen die besten Szenen des Films: die kleinen Reibereien, das Fremdschämen, die Erkenntnisse und vor allem der unerwartet gute Humor zwischen Seth Rogen und Keanu Reeves. Die beiden haben eine Chemie, die man so nicht zwingend erwartet hätte – aber sie funktioniert.

Humor mit Herz – und manchmal mit angezogener Handbremse
Aziz Ansaris Stil ist erkennbar: ein Mix aus Alltagsbeobachtung, sanfter Ironie und situativer Komik. Good Fortune bleibt in dieser Tradition. Der Humor ist selten laut, eher warm und leise, dafür aber oft wirklich charmant. Man merkt dem Film an, dass er niemanden bloßstellen will. Die Gags entstehen aus Charakteren, nicht aus Häme. Das ist schön – gleichzeitig aber auch der Grund, warum die Komödie nie ganz durchstartet. Es gibt gute Lacher, aber wenige echte Höhepunkte. Und in manchen Momenten wirkt die Geschichte fast zu vorsichtig, besonders dann, wenn sie eigentlich satirisch hätte werden können.

Zwischen Sozialkritik und Wohlfühlkino
Thematisch wagt sich der Film an einiges heran: Armut, soziale Ungleichheit, Leistungsdruck, die Frage, ob Geld wirklich glücklich macht. Und ja, Good Fortune trifft immer wieder einen Nerv – vor allem für Menschen, die selbst mit Unsicherheit, Überarbeitung oder finanziellen Sorgen zu kämpfen hatten. Einige Zuschauer fühlten sich tief getroffen und gesehen, andere empfanden den Ansatz als zu seicht oder gar tonal unsensibel. Genau darin liegt die größte Schwäche des Films: Er möchte sozialkritisch sein, aber gleichzeitig leichtfüßig bleiben. Das führt zu Momenten, in denen sich die Tonalität reibt. Manche Szenen wirken emotional echt, andere wie Komödie über ein Thema, das eigentlich zu schwer ist, um darüber hinwegzulächeln. Die Balance gelingt nicht immer.

Starke Besetzung, durchwachsene Leistungen
Keanu Reeves glänzt – überraschend und konsequent. Seth Rogen liefert eine typische Seth-Rogen-Performance: solide, punktgenau, aber ohne Überraschungen. Aziz Ansari selbst spielt seinen Part zurückhaltend, manchmal fast zu hölzern. Der Film lebt klar von der Dynamik des Trios, aber auch davon, dass Keanu seinen Engel mit einer Mischung aus kindlicher Neugier und stoischer Ruhe versieht, die fast schon kultig wirkt. Die Nebenrollen funktionieren, bleiben aber unauffällig.

Visuell ambitioniert – erzählerisch limitiert
Überraschend hochwertig ist die visuelle Gestaltung. Ansari zeigt ein gutes Händchen für leuchtende Farben, klare Kompositionen und Kamerawinkel, die emotional viel beitragen. Nur die Struktur bleibt brüchig: Zeitsprünge wirken merkwürdig gesetzt, manche Szenen überflüssig, das Tempo uneben. Gerade der zweite Akt verliert sich ein wenig, bevor der Film im letzten Drittel wieder an Fahrt gewinnt.

Good Fortune ist eine sympathische, angenehm leichte Komödie mit sozialen Untertönen, die durch ihre Besetzung mehr gewinnt als durch ihr Drehbuch. Keanu Reeves sorgt für die größten Momente, die Geschichte bietet Herz und Humor, auch wenn sie nicht immer den richtigen Ton trifft. Der Film ist unterhaltsam, aber kein Must-See – perfekt für einen entspannten Abend, ohne Anspruch auf Tiefgang. Eine solide Produktion mit guten Ideen, die ihre Chancen nicht immer konsequent nutzt.

Punktewertung

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