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Wellensittich entflogen. Farbe egal Review

Fundstücke aus dem Berliner Alltag in Buchform verewigt


27.06.2012  Jana  6 Likes  0 Kommentare 
Es ist schon lustig, was manche Menschen so auf Zettel schreiben und diese dann an Ampel, Türen oder Bäumen aufhängen. Die Blog-Seite "Notes of Berlin" widmet sich schon länger einer Sammlung solcher Zettel und Plakate, um damit die Internetgemeinde zu erfreuen. Nun sind einige dieser Bilder auch als Buch in "Wellensittich entflogen. Farbe egal" erschienen.

Zettelwirtschaft in der Hauptstadt
Wie bereits erwähnt, stammen die Bilder in diesem Buch von dem Blog "Notes of Berlin", auf dem Joab Nist schon seit längerem selbst gemachte Bilder von Plakaten und Aushängen veröffentlicht, aber auch die Community dazu aufruft, Bilder einzusenden. Und da kam im Laufe der Zeit so viel zusammen, dass man die besten Bilder nun in einem Buch zusammen gefasst hat. Auf knapp 200 Seiten findet der Leser somit lustige und kritische Dinge, die in Berlin eben so ausgehängt zu finden sind. Von der Suche nach der großen Liebe über Beschwerden an die nervigen Nachbarn bis hin zu Jobgesuchen der lieben Kleinen ist alles vertreten. Zu einigen Plakaten wurde sogar die Hintergrundgeschichte in Erfahrung gebracht.

So geht's also in Berlin zu?
Wir wollen an diese Stelle gar nicht zu viel spoilern und die lustigsten Zitate erwähnen. Wäre ja auch nicht nett! Deswegen sparen wir und hier mal eine kleine Zusammenfassung und gehen gleich in die Kritik über. Und leider gibt es hier auch einige Dinge negativ zu kritisieren. Ziemlich schade ist es nämlich, dass in diesem Buch nur Zettelwirtschaft aus Berlin zu finden ist. Das ist für Außenstehende, die nicht in der Hauptstadt leben, stellenweise dann einfach nicht nachzuvollziehen, beziehungsweise eben einfach nicht komisch. Was zum Beispiel hat es mit all den Anti-Schwaben Sprüchen auf sich? Und sind die Berliner wirklich so voreingenommen gegen Zuwanderer aus anderen Regionen? Sind in Berlin alle so alternativ und haben so einen extremen Hass auf die etwas reichere Bevölkerung? Das könnte man zumindest denken, wenn man dieses Buch in der Hand hat. Es sind leider einfach zu viele Insider, um auch in Hamburg oder München (oder gar im Schwabenland!) über manche Stellen schmunzeln zu können. Auf einer Seite wie Notes of Berlin sorgen diese sicherlich für Lacher, aber eben nur regional.

Ebenfalls schade ist, dass die wirklich lustigen Passagen eigentlich schon längst bekannt sind. Jeder, der das Internet regelmäßig nutzt, fleißig auf Facebook unterwegs ist, hat den einen oder anderen guten Ausschnitt garantiert schon gesehen und wird sich höchstens denken "ah, da kommt das also her", aber ein zweites Mal darüber lachen? Aber natürlich ist noch nicht alles bekannt und natürlich ist es auch schön, altbekanntes in Buchform in der Hand halten zu dürfen, keine Frage. Doch merkt man eben recht schnell, dass "Wellensittich entflogen. Farbe egal" nicht nur lustig sein möchte, sondern auch viele politische und sozialkritische Aushänge beinhaltet. Da führt der lustige Titel des Buches doch ein wenig in die Irre, ebenso wie der Buchdeckel, der "eine höchst unterhaltsame Zettelwirtschaft" anpreist.

Leider sind manche Bilder auch einfach viel zu klein, um alles lesen zu können. Da muss man sich schon sehr anstrengen, das Buch sehr nah an die Nase halten, um auch die kleine Schrift auf den Bildern entziffern zu können. Da hätte man ruhig etwas größer drucken dürfen, schließlich kann man bei einem Buch nicht wie am PC ins Bild zoomen! Vor allem ist auf vielen Seiten noch genug Platz, auf anderen werden mehrere Bilder so zusammen gepfercht, dass man nur wenig erkennt. Schade, denn wenn man erst rätseln muss, was denn da nun steht, macht das ganze nicht mehr so viel Spaß!

Die Idee, Hintergrundstorys zu einigen Aushängen zu ermitteln und zu veröffentlichen ist dagegen eine wirklich schöne Idee, allerdings findet man von diesen nur sehr wenige im Buch. Davon mehr und der Leser wäre sicherlich noch viel interessierter!

Letztendlich bleibt über "Wellensittich entflogen. Farbe egal" zu sagen, dass der Ansatz wirklich gut ist und Schmankerl definitiv vorhanden sind. Doch sind eben auch viele unnütze Zettelbilder vertreten. Für Berliner ist dieses Buch sicherlich noch eine Nummer lustiger als für den Rest der Bevölkerung, daher würden wir uns wünschen, eine Fortsetzung mit regional übergreifenden Zettelwirtschaften zu bekommen.

Unser Fazit

Fundstücke aus dem Berliner Alltag in Buchform verewigt

Viele der Bilder sind leider viel zu Berlin-spezifisch und somit nicht wirklich interessant, wenn man irgendwo anders in Deutschland lebt. Manche Bilder sind auch einfach zu klein, um sie vernünftig lesen zu können. Die Idee des Buches ist wirklich gut, nur an der Umsetzung sollte noch gearbeitet werden. Eine Fortsetzung für ganz Deutschland wäre daher wünschenswert!

Jana (Spielemagazin.de)

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