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Rom sei verflucht Review

Cäsar. Die Eroberung der Macht


03.01.2026  Jacqueline  0 Likes  0 Kommentare 
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Mit „Rom sei verflucht“ liefert Santiago Posteguillo den zweiten Band seiner faszinierenden Romanreihe über Julius Cäsar ab – und dieses Mal lässt er die römische Republik in all ihrer Wucht und Widersprüchlichkeit aufleben. Die Geschichte setzt dort an, wo der erste Band endete, und begleitet einen Mann, dessen Ehrgeiz weit über persönliche Ehre hinausreicht: Cäsar als politischer Spieler, Feldherr und unermüdlicher Stratege. Der Roman ist monumental, dabei aber überraschend zugänglich; durch eine Mischung aus lebhaften Charakteren, opulenten Schlachtenbildern und den Intrigen der politischen Bühne fühlt man sich mitten im Geschehen des alten Rom.

Cäsar zwischen Mythos und Menschlichkeit
Posteguillo zeichnet Cäsar nicht nur als militärische und politische Macht, sondern als Menschen mit Ambitionen, Zweifeln und inneren Konflikten. Er lässt uns an den Entscheidungen teilhaben, die über Leben und Tod von Legionen und der Republik selbst bestimmten. Die Tiefe dieses Porträts ist eine der großen Stärken des Buches: Cäsar wird hier nicht als statische Legende präsentiert, sondern als eine Figur, deren Handeln nachvollziehbar – und oft überraschend menschlich – wirkt. Trotzdem bleibt der Blick auf die historischen Konsequenzen seiner Taten nie aus, und der Autor zeigt, welchen Preis Macht fordert – sowohl auf dem Schlachtfeld als auch im Herzen eines Mannes, der stets nach oben strebt.

Intrigen, Politik und das Herz Roms
Was diesen Roman besonders packend macht, ist die politische Szenerie. Rom sei verflucht ist mehr als nur ein Militär- oder Biografieroman – es ist ein Schachspiel aus Macht, Loyalität und Verrat, gespielt zwischen den mächtigsten Familien und Fraktionen der Republik. Die Verschwörungen, Allianzen und persönlichen Ränke, die sich durch das Buch ziehen, geben ein lebendiges Bild der römischen Elite und ihrer Rivalitäten. Dadurch fühlt sich der Leser nicht wie außenstehender Beobachter an, sondern wie Teil der politischen Kulisse des alten Roms.

Spartacus, Pompeius und ein unruhiger Hintergrund
In „Rom sei verflucht“ treten neben Cäsar auch andere bedeutende Figuren der Epoche in Erscheinung: ein kühner Thraker wie Spartacus, dessen Rebellion den Leser in eine andere Facette des römischen Herrschaftsanspruchs führt, macht ebenso Eindruck wie die rivalisierenden Senatoren und Feldherren, deren Ehrgeiz Cäsars Entwicklung prägt. Diese Vielzahl von Charakteren sorgt dafür, dass der Roman nicht eindimensional wirkt, sondern ein Panorama römischer Geschichte aufbaut, das auch abseits der bekannten Schlachten und Triumphen seine Wirkung entfaltet.

Erzählstil und Literaturerlebnis
Posteguillo gehört zu den Autoren, die historische Tiefe mit erzählerischer Leichtigkeit verbinden. Sein Stil ist detailreich, ohne belehrend zu werden, und schafft es immer wieder, Spannung aufzubauen – sei es auf dem Senatsforum oder am Rand eines Feldzugs. Einige Leser empfinden die nahezu filmische Breite des Romans als großes Plus, andere sehen in der intensiven Fokussierung auf Cäsars Perspektive eine künstlerische Entscheidung, die Figuren wie Cicero oder Pompeius stärker durch die Brille des Protagonisten zeigt. Diese Entscheidungen tragen dazu bei, dass der Roman eher als lebendiger Geschichtsentwurf denn als strikte Rekonstruktion funktioniert – und genau darin liegt ein großer Teil seines Reizes.

Groß, episch, fesselnd – mit kleiner Schwäche
Das Buch ist ohne Frage monumental: Umfang, Detailtiefe und erzählerische Breite sind beeindruckend und machen Lust auf jene Welt, in der persönliche Ambitionen und republikanische Ideale aufeinanderprallen. Gleichzeitig ist es keine leichte Kost für Leser, die sich eine nüchterne, streng historische Darstellung wünschen. Posteguillo nimmt sich Freiheiten bei der Charakterzeichnung und beim Tempo, sodass der Fokus manchmal stärker auf Dramaturgie als auf historischer Pedanterie liegt. Wer aber bereit ist, sich auf diese kunstvolle Mischung aus Fakt und Fiktion einzulassen, findet in „Rom sei verflucht“ ein historisches Panorama, das lange nachhallt.

„Rom sei verflucht“ ist ein imposantes Werk, das den Aufstieg Julius Cäsars in all seinen Facetten schildert – politisch, militärisch und menschlich. Posteguillo gelingt das Kunststück, die Komplexität der römischen Republik in eine Erzählung zu verwandeln, die gleichermaßen lehrreich wie packend ist. Die Vielschichtigkeit der Figuren und die Dichte der politischen Intrigen sorgen dafür, dass der Leser mit jeder Seite tiefer in das Machtspiel Roms hineingezogen wird. Kleinere Schwächen in der Charakterzeichnung ändern nichts daran, dass dieses Buch ein Muss für Fans historischer Romane ist und den Blick auf eine der berühmtesten Figuren der Antike nachhaltig schärft.

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