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Kid Feral – 2019 Review

Rohe Emotionen aus Schweden: Ein Comeback, das unter die Haut geht


05.05.2026  Redaktion  0 Likes  0 Kommentare 
Kid Feral – 2019 Review Bild Kid Feral – 2019 Review Screenshot Kid Feral – 2019 Review Foto

Manchmal braucht gut Ding eben nicht nur Weile, sondern fast ein ganzes Jahrzehnt. Wenn Du auf emotionalen Hardcore stehst, der irgendwo zwischen totaler Zerbrechlichkeit und dem kompletten Kollaps pendelt, dann solltest Du jetzt ganz genau hinhören. Die Schweden von Kid Feral haben uns nach einer gefühlten Ewigkeit endlich ihr neues Werk „2019“ vor die Füße geworfen. Und was soll ich sagen? Das Warten hat sich gelohnt, auch wenn der Titel erst mal für Verwirrung sorgen könnte. Aber keine Sorge, wir klären das alles in Ruhe, denn hinter dieser Platte steckt eine Geschichte, die fast so intensiv ist wie die Musik selbst.

Ein steiniger Weg zurück ins Rampenlicht
Eigentlich hätte dieses Album schon viel früher das Licht der Welt erblicken sollen. Kid Feral, die Jungs aus Skövde, hatten den Grundstein schon vor Jahren gelegt. Die Schlagzeugaufnahmen datieren tatsächlich auf den Oktober 2019 zurück – daher auch der Name der Platte. Doch dann kam das Leben dazwischen, wie es das eben manchmal so macht. Verletzungen, zerbrochene Beziehungen und eine ordentliche Portion persönliches Chaos sorgten dafür, dass die Band das Projekt immer wieder umschmeißen musste.

Das Ganze war zeitweise wohl eher eine obsessive Belastung als ein Hobbyprojekt. Gitarrenspuren wurden eingespielt, verworfen, neu aufgenommen und wieder verfeinert. Dass das Album jetzt, im Jahr 2026, tatsächlich fertig ist, grenzt an ein kleines Wunder und zeigt vor allem eins: Diese Band brennt noch immer für ihren Sound, auch wenn sie sich selbst scherzhaft schon am Vorabend ihres Mittelalters sehen. Man spürt diese sieben Jahre Arbeit in jeder Note, dieses Ringen um den perfekten Ausdruck einer kaputten Zeit.

DIY-Spirit trifft auf chaotischen Charme
Was Du hier serviert bekommst, ist kein glattgebügeltes Studio-Produkt, das in irgendeinem High-End-Tempel poliert wurde. Die Jungs haben alles selbst gemacht – im eigenen Proberaum aufgenommen, gemischt und gemastert. Und genau das ist die große Stärke von „2019“. Der Sound ist bewusst lo-fi gehalten, was der gesamten Atmosphäre eine unglaubliche Unmittelbarkeit verleiht. Es klingt dreckig, es klingt nach Schweiß und nach verrauchten Kellerräumen, in denen man sich den Frust von der Seele schreit.

Aber – und das ist der Clou – der Master ist angenehm warm gehalten. Du kannst die Lautstärke voll aufdrehen, ohne dass Dir die Ohren bluten, wie es bei vielen anderen Screamo-Veröffentlichungen oft der Fall ist. Es ist ein kontrolliertes Chaos, das Dich packt und nicht mehr loslässt. Wenn Du Bands wie Birds in Row oder Touché Amoré feierst, wirst Du Dich hier sofort zu Hause fühlen, auch wenn Kid Feral ihren ganz eigenen, schwedischen Twist mitbringen. Es ist Musik, die nicht perfekt sein will, sondern echt.

Acht Songs zwischen Abgrund und Hoffnung
Die acht Tracks auf „2019“ führen Dich durch eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die selten länger als zwei Minuten pro Song dauert, aber einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Es geht um Frustration, um den Kampf mit sich selbst und um die Hartnäckigkeit, trotz aller Rückschläge weiterzumachen. Kid Feral schaffen es meisterhaft, die emotionale Dringlichkeit ihrer Jugend mit einer gewissen Reife zu paaren, die sie über die Jahre der Verzögerung gewonnen haben.

Die Vocals von Vile Hartman schneiden förmlich durch die dichten Gitarrenwände, während das Fundament aus Bass und Drums den Hörer immer wieder ordentlich durchschüttelt. Besonders die kurzen Ausbrüche zeigen, wie viel Energie sich in sieben Jahren Wartezeit anstauen kann. Es ist ein Sound, der weh tut, aber auf eine reinigende Art und Weise funktioniert. Man merkt jedem einzelnen Ton an, dass hier Herzblut geflossen ist – und vielleicht auch die ein oder andere Träne der Erschöpfung, bevor der letzte Akkord endlich saß.

Warum Du Kid Feral eine Chance geben musst
Eigentlich ist es ganz einfach: In einer Welt, in der vieles künstlich und austauschbar wirkt, ist „2019“ ein echtes Original. Es ist ein ehrliches Album, das nichts vorgaukelt und keine glatten Kanten bietet. Kid Feral wollten etwas schaffen, das sich für sie intuitiv und richtig anfühlt, und genau das ist ihnen gelungen. Sie experimentieren mit dem Screamo-Genre, schichten Details über Jahre hinweg auf und bewahren sich dennoch diesen rohen, instabilen Charakter.

Es ist eine Einladung an Dich, sich auf etwas Unperfektes einzulassen und die Schönheit im emotionalen Zusammenbruch zu entdecken. Wenn Du also mal wieder Lust auf Musik hast, die wirklich etwas bewegt und nicht nur als Hintergrundrauschen für den nächsten Scroll-Marathon dient, dann ist diese Platte genau das Richtige für Deine Playlist. Es ist laut, es ist intim und es trifft genau dort, wo es wehtun soll. Ein wilder Ritt durch die schwedische Post-Hardcore-Landschaft, der zeigt, dass Aufgeben niemals eine Option war.

  1. 01 Funeral In A Grocery Store
  2. 02 Stop 'N Go
  3. 03 Substance
  4. 04 Medieval Poetry
  5. 05 Pothead Archaeologist
  6. 06 Memories From A Stamp Collection
  7. 07 I Want To Be Your Canopy
  8. 08 Puddle Jumper


Kid Feral haben mit „2019“ ein beeindruckendes Lebenszeichen abgeliefert, das die Brücke zwischen ihrer Vergangenheit und der Gegenwart schlägt. Trotz der extrem langen Entstehungsgeschichte wirkt das Album wie aus einem Guss und transportiert eine rohe Energie, die man heute nur noch selten findet. Es ist ein Werk für die Momente, in denen man sich den Frust von der Seele schreien möchte, aber gleichzeitig Trost in der Melancholie sucht. Ein starkes Stück schwedischer Hardcore-Kunst, das zeigt, dass manche Alben einfach Zeit brauchen, um zu reifen.

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