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Greg Mendez - Beauty Land Review

Große Gefühle auf kleinstem Raum


25.08.2026  Redaktion  0 Likes  0 Kommentare 
Greg Mendez - Beauty Land Review Bild Greg Mendez - Beauty Land Review Screenshot Greg Mendez - Beauty Land Review Foto
Foto: Greg Mendez. Mehr zum Thema Transparenz.

Vierzehn Songs in gerade einmal 26 Minuten: Greg Mendez verschwendet auf Beauty Land weder Zeit noch Töne. Viele Stücke enden bereits nach anderthalb oder zwei Minuten, manche wirken eher wie festgehaltene Skizzen als vollständig ausgearbeitete Songs. Das kann reizvoll sein, weil Mendez seine Gedanken selten unnötig ausdehnt. Es sorgt allerdings auch dafür, dass einige Ideen bereits wieder verschwinden, bevor sie ihre ganze Wirkung entfalten können.

Beauty Land ist das erste vollständige Album des Musikers aus Philadelphia für Dead Oceans. Am grundsätzlichen Ansatz hat das größere Label erfreulich wenig verändert. Greg Mendez nahm die Stücke weitgehend allein in seinem kleinen Heimstudio auf und arbeitete direkt mit analogem Tonband. Entsprechend intim und handgemacht klingt die Produktion. Akustikgitarren, Klavier, zurückhaltende Keyboards und ein beinahe geflüsterter Gesang stehen dicht beieinander. Das schafft Nähe, lässt das Album über längere Strecken aber auch etwas einförmig erscheinen.

Melancholie ohne großes Drama
Schon I Wanna Feel Pretty führt dich tief in die Gedankenwelt der Platte. Eine sanft angeschlagene Gitarre und vereinzelte Klaviertöne begleiten Erinnerungen an Einsamkeit, Alkohol, einen ungeliebten Arbeitsplatz und eine abgebrochene Behandlung. Greg Mendez trägt diese Erfahrungen beinahe beiläufig vor. Er sucht weder nach großen Gesten noch nach einem künstlich dramatischen Höhepunkt. Dadurch wirkt der Song ehrlich und verletzlich, emotional aber auch etwas distanziert.

Dieses Prinzip bestimmt ebenso Looking Out Your Window und Mary / Dreaming. Hinter den zurückgenommenen Arrangements verbergen sich Trauer, familiäre Spannungen und das Gefühl, in entscheidenden Situationen lediglich zusehen zu können. Mendez erklärt seine Geschichten nicht vollständig, sondern zeigt dir kurze Ausschnitte. Das passt zur bruchstückhaften Struktur von Beauty Land, verlangt allerdings deine ungeteilte Aufmerksamkeit. Wer nebenbei hört, wird manche Feinheit vermutlich verpassen und könnte die Stücke schnell als zu ähnlich empfinden.

Die Verbindung aus melodischer Wärme und schonungsloser Selbstbeobachtung erinnert gelegentlich an Elliott Smith. Greg Mendez besitzt zwar eine eigene, etwas weniger scharfzüngige Perspektive, löst sich musikalisch jedoch nicht immer deutlich genug von diesem Einfluss. Vor allem die sanften Gitarrenfiguren und der zurückhaltende Gesang bewegen sich auf vertrautem Terrain. Schön anzuhören ist das allemal, wirklich überraschend fällt es jedoch nur selten aus.

Zwischen berührender Kürze und unfertigen Skizzen
Frog treibt den minimalistischen Ansatz auf die Spitze. Der kaum mehr als eine Minute lange Titel reduziert sich auf eine schlichte Bitte um Verzeihung und eine einsame Melodie. Gerade diese Konzentration macht den Song eindringlich. Andere Miniaturen sind weniger erfolgreich. It Breaks My Heart und Interlude in D Minor ziehen vorüber, ohne einen ähnlich nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Hier fühlt sich die Kürze weniger wie eine bewusste künstlerische Entscheidung und stärker wie der Abbruch einer noch nicht vollständig entwickelten Idee an.

Gentle Love lockert das Album mit Bass, Schlagzeug und einem beinahe heiteren Pfeifen auf. Solche Momente tun Beauty Land gut, weil sie vorübergehend aus der gedämpften Grundstimmung ausbrechen. Auch No Evil öffnet das Klangbild behutsam und lässt das Klavier zum Ende hin etwas weiter atmen. Sunsick gehört wiederum zu den stärkeren Gitarrenstücken. Mendez betrachtet Schuld und Einsamkeit ohne Pathos, wobei kleine Veränderungen seiner Stimme mehr ausdrücken als jede üppige Produktion.

Leider bleibt diese musikalische Abwechslung die Ausnahme. Beauty Land setzt konsequent auf ähnliche Klangfarben, Tempi und Stimmungen. Innerhalb von nur 26 Minuten wird das zwar nie wirklich ermüdend, dennoch verschwimmen einige Titel miteinander. Die Platte besitzt viele schöne Einzelheiten, entwickelt als Ganzes aber keinen besonders ausgeprägten Spannungsbogen.

Abhängigkeit, Freundschaft und persönliche Grenzen
Das emotionale Zentrum findet sich in Geranium. Ein Telefonat mit einem rückfälligen Freund wird darin zur schmerzhaften Prüfung persönlicher Grenzen. Zuneigung, Misstrauen und Hilflosigkeit stehen gleichzeitig im Raum, ohne dass Greg Mendez eine einfache Antwort anbietet. Gerade weil die Situation nicht ausformuliert wird, wirkt sie glaubwürdig und unangenehm nah.

Serving Drinks und So Mean führen die Mischung aus Alltagsszenen und innerer Unruhe fort. Besonders So Mean profitiert davon, dass sich der Song etwas mehr Zeit nimmt. Das spät einsetzende Schlagzeug setzt einen der wenigen deutlichen dynamischen Akzente des Albums. Concussion beendet die Platte anschließend wieder ausgesprochen leise und hinterlässt mehr offene Fragen als einen wirklichen Abschluss.

Tracklist
  1. I Wanna Feel Pretty
  2. Looking Out Your Window
  3. Mary / Dreaming
  4. Everybody Wants To Be Your Friend (Except Me)
  5. Gentle Love
  6. Frog
  7. It Breaks My Heart
  8. Sunsick
  9. No Evil
  10. Geranium
  11. Interlude in D Minor
  12. Serving Drinks
  13. So Mean
  14. Concussion

Unser Fazit

Große Gefühle auf kleinstem Raum

Beauty Land ist ein intimes und glaubwürdiges Singer-Songwriter-Album, dessen stärkste Momente aus wenigen Worten und sehr einfachen Arrangements entstehen. Greg Mendez schreibt berührend über Schuld, Abhängigkeit, Verlust und schwierige Beziehungen, verzichtet dabei aber häufig auf eine weiterführende musikalische Entwicklung. Einige Miniaturen treffen erstaunlich präzise, andere bleiben kaum mehr als flüchtige Skizzen. Die geringe Laufzeit verhindert zwar echte Ermüdungserscheinungen, kann die fehlende Abwechslung und den schwachen Spannungsbogen jedoch nicht vollständig ausgleichen. Eine sympathische, stellenweise bewegende Platte, der etwas mehr Ausarbeitung gutgetan hätte.

Redaktion (Spielemagazin.de)

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Spielemagazin-Wertung: 70%

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