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Top or Not!? Review

Charmantes Wortchaos mit Diskussionsgarantie


03.01.2026  Danilo  1 Likes  0 Kommentare 
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Manche Spieleabende leben von Strategie, Konzentration und langen Grübelpausen. Andere wiederum funktionieren ganz anders: laut, spontan, manchmal herrlich unfair und vor allem kommunikativ. Top or Not!? gehört ganz klar zur zweiten Kategorie. Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, dass es hier nicht darum geht, still Karten zu sortieren, sondern sich zu erklären, zu rechtfertigen und im besten Fall gemeinsam herzhaft zu lachen. Genau das macht den Reiz dieses Spiels aus – und erklärt, warum es in vielen Runden schnell zum festen Bestandteil des Abends wird.

Ein Spielprinzip, das sofort zündet
Der Einstieg in Top or Not!? gelingt erstaunlich leicht. Eine Themenkarte gibt vor, worum es in der Runde geht, etwa eine typische Situation, ein Begriffsfeld oder eine Assoziation. Alle Mitspielenden wählen aus ihren Handkarten Wörter, die ihrer Meinung nach besonders gut passen. Klingt simpel, wird aber durch eine entscheidende Idee interessant: Eine Person übernimmt die Rolle des Bewerters und entscheidet, welche Begriffe wirklich „Top“ sind – und welche eben „Not“. Dabei zählt nicht objektive Logik, sondern ganz oft Bauchgefühl, Humor und persönliche Interpretation.

Genau hier entsteht die Dynamik, die Top or Not!? so lebendig macht. Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, was passen könnte, sondern was der Bewerter wohl passend finden wird. Das sorgt für überraschende Entscheidungen, hitzige Diskussionen und diese typischen Momente, in denen sich jemand fragt, wie man auf genau diese Bewertung kommen konnte. Oder warum ausgerechnet dieses Wort ganz oben landet.

Kommunikation als eigentlicher Spielmotor
Top or Not!? lebt nicht von Regeln oder taktischer Tiefe, sondern von den Menschen am Tisch. Je unterschiedlicher die Runde, desto besser entfaltet das Spiel seine Wirkung. Wortwitze, absurde Gedankensprünge und kreative Begründungen gehören zum Alltag jeder Partie. Gerade weil es keine eindeutigen Lösungen gibt, fühlt sich jede Runde anders an.

Dabei entsteht eine angenehme Mischung aus Lockerheit und leichtem Nervenkitzel. Wer riskiert, mehrere Karten zu spielen, um schneller loszuwerden, kann belohnt werden – oder eben gnadenlos scheitern. Diese kleinen Entscheidungen sorgen für ein unterschwelliges taktisches Element, ohne den Partycharakter zu untergraben.

Material, Umfang und Spielfluss
Auch qualitativ macht Top or Not!? einen guten Eindruck. Die Wort- und Themenkarten sind stabil, übersichtlich gestaltet und fühlen sich langlebig an. Die große Anzahl an Karten sorgt dafür, dass sich Wiederholungen lange Zeit vermeiden lassen. Selbst nach mehreren Spieleabenden entstehen immer wieder neue Kombinationen, neue Diskussionen und neue Lieblingsbegriffe.

Mit einer durchschnittlichen Spielzeit von rund einer halben Stunde passt das Spiel perfekt in fast jeden Abend. Es eignet sich als lockerer Einstieg, als Auflockerung zwischendurch oder auch als spontanes Spiel, wenn nicht mehr viel Zeit bleibt. Besonders angenehm ist, dass man jederzeit ein- oder aussteigen kann, ohne den Spielfluss zu stören.

Für wen eignet sich Top or Not!?
Die Altersempfehlung ab 10 Jahren ist realistisch, wobei das Spiel in Erwachsenenrunden oft noch besser funktioniert. Dort entstehen Diskussionen mit mehr Ironie, mehr Selbstbewusstsein und manchmal auch einem Augenzwinkern, das jüngeren Runden noch fehlt. Gleichzeitig bleibt Top or Not!? familientauglich, solange die Gruppe Spaß an Sprache und Austausch hat.

Wichtig ist vor allem eines: die richtige Erwartungshaltung. Wer ein strategisches Brettspiel sucht, ist hier falsch. Wer hingegen Lust auf ein kommunikatives Wortspiel hat, das bewusst Meinungen provoziert und Gespräche in Gang bringt, wird sich schnell zuhause fühlen.

Ein Spiel, das Stimmung schafft
Was Top or Not!? besonders gut gelingt, ist der sogenannte Eisbrecher-Effekt. Neue Runden finden schneller zueinander, Gespräche entstehen fast von selbst, und selbst zurückhaltendere Mitspielende werden oft spielerisch eingebunden. Es ist eines dieser Spiele, bei denen man nach der Partie weniger über Sieg oder Niederlage spricht, sondern über einzelne Entscheidungen, lustige Begründungen und absurde Diskussionen.

Top or Not!? ist kein Spiel für ruhige Abende, sondern für Runden, in denen Kommunikation, Humor und ein bisschen Chaos ausdrücklich erwünscht sind. Es überzeugt mit einem einfachen, cleveren Grundprinzip, hohem Wiederspielwert und einer Dynamik, die stark von der Gruppe lebt. Wer ein unkompliziertes Partyspiel sucht, das Gespräche anfeuert und für echte Reaktionen sorgt, findet hier einen sehr gelungenen Vertreter seines Genres.

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