Schulessen ist mehr als eine warme Mahlzeit
Für viele Kinder und Jugendliche gehört das Mittagessen inzwischen ganz selbstverständlich zum Schultag. Ganztagsschulen, Nachmittagsunterricht und Betreuung sorgen dafür, dass Schülerinnen und Schüler wesentlich mehr Zeit in der Schule verbringen als noch vor einigen Jahrzehnten.Damit wächst auch die Bedeutung der Mensa. Schließlich geht es nicht nur darum, irgendwie satt zu werden. Das Essen soll schmecken, abwechslungsreich und ausgewogen sein, möglichst wenig kosten und dann bitteschön auch noch von Hunderten Kindern akzeptiert werden.
Wer schon einmal versucht hat, drei Kinder gleichzeitig für dasselbe Mittagessen zu begeistern, kann ungefähr erahnen, wie einfach diese Aufgabe sein dürfte.
Pommes gehen irgendwie immer
Natürlich gibt es Gerichte, bei denen die Erfolgsaussichten vergleichsweise gut stehen. Pommes, Pizza, Nudeln oder vielleicht noch ein Burger dürften bei vielen Schülerinnen und Schülern wesentlich weniger Überzeugungsarbeit benötigen als Linseneintopf, gedünstetes Gemüse oder ein besonders ambitioniertes Vollkornexperiment.Genau darin liegt allerdings das Dilemma. Schulessen soll eben nicht ausschließlich danach zusammengestellt werden, was Kinder am liebsten jeden Tag essen würden. Gleichzeitig bringt das gesündeste Gericht wenig, wenn am Ende die Hälfte davon im Müll landet.
Gute Schulverpflegung muss deshalb einen ziemlich schwierigen Spagat schaffen: gesund genug für die Erwachsenen und lecker genug für die Kinder.
Erinnerst du dich noch an dein Schulessen?
Für Erwachsene ist das Thema gleichzeitig eine kleine Zeitreise. Schulessen sah schließlich nicht immer so aus wie heute. Manche erinnern sich an große Metallschalen, undefinierbare Soßen und Gemüse, dessen ursprüngliche Farbe nur noch mit viel Fantasie zu erahnen war.Andere hatten überhaupt keine Mensa. Stattdessen gab es morgens das klassische Pausenbrot von zu Hause und mittags wurde nach Schulschluss gegessen. Und dann waren da natürlich diese beneidenswerten Mitschüler, deren Eltern offenbar grundsätzlich Dinge wie Milchschnitte, Schokoriegel oder andere begehrte Tauschobjekte in die Brotdose legten.
Auch das Pausenbrot hatte seine eigenen Gesetze. Käsebrot war solide. Nutella war eine kleine Sensation. Eine Banane konnte dagegen nach mehreren Stunden im Schulranzen eine aromatische Verbindung mit sämtlichen Schulbüchern eingehen, die man noch Tage später bemerkte.
Heute gelten ganz andere Ansprüche
Inzwischen wird über Schulverpflegung deutlich intensiver diskutiert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat Qualitätsstandards entwickelt, die Schulen und Caterern Orientierung geben sollen. Dabei geht es unter anderem um abwechslungsreiche Speisepläne, Gemüse und Obst, Vollkornprodukte sowie einen bewussteren Umgang mit Fleisch und stark verarbeiteten Lebensmitteln.Doch zwischen Empfehlung und Alltag können erhebliche Unterschiede liegen. Schulen verfügen über unterschiedliche Küchen, Budgets und räumliche Möglichkeiten. Manche bereiten Mahlzeiten direkt vor Ort zu, andere werden von externen Caterern beliefert. Hinzu kommen unterschiedliche Anforderungen der Schülerinnen und Schüler, Allergien, Unverträglichkeiten sowie vegetarische oder andere Ernährungsformen.
Ein Mittagessen zu organisieren, das all diese Wünsche berücksichtigt und trotzdem bezahlbar bleibt, ist entsprechend kompliziert.
Und dann wäre da noch der Preis
Denn Schulessen ist natürlich auch eine soziale Frage. Was für die eine Familie problemlos bezahlbar ist, kann für eine andere bei mehreren Kindern zu einer spürbaren monatlichen Belastung werden.Gerade wenn fünfmal pro Woche in der Schule gegessen wird, summieren sich selbst vergleichsweise kleine Beträge. Gleichzeitig steigen auch für Caterer die Kosten für Lebensmittel, Energie, Transport und Personal.
Die Erwartung ist trotzdem hoch: Das Essen soll frisch, gesund und abwechslungsreich sein - aber möglichst wenig kosten. Eine Gleichung, die nicht automatisch aufgeht.
Warum Kinder beim Speiseplan mitreden sollten
Eine erstaunlich einfache Möglichkeit, Schulessen attraktiver zu machen, besteht darin, diejenigen zu fragen, die es anschließend tatsächlich essen sollen. Genau die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern spielt deshalb bei modernen Konzepten zur Schulverpflegung eine wichtige Rolle.Das bedeutet natürlich nicht, dass anschließend Montag bis Freitag Pommes auf dem Speiseplan stehen müssen. Aber wenn bestimmte Gerichte regelmäßig komplett zurückgehen, während andere innerhalb weniger Minuten vergriffen sind, lohnt sich vielleicht die Frage nach dem Warum.
Schließlich kann gesundes Essen durchaus schmecken. Es muss nur so zubereitet und präsentiert werden, dass Kinder es auch essen möchten.
Das perfekte Schulessen gibt es wahrscheinlich nicht
Am Ende dürfte es kaum einen Speiseplan geben, mit dem jeden Tag alle zufrieden sind. Was für den einen das absolute Lieblingsessen ist, landet beim Sitznachbarn möglicherweise unangetastet auf dem Teller.Vielleicht ist gute Schulverpflegung deshalb vor allem eine Frage der Balance: abwechslungsreich, bezahlbar, vernünftig zusammengestellt und trotzdem mit genügend Gerichten, auf die sich Kinder tatsächlich freuen.
Und manchmal dürfen das eben auch Pommes sein.


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