Plötzlich steht die Weltmeisterschaft auf der Kippe
Die Diskussion wirkt fast surreal. Kaum ist die Euphorie rund um Jürgen Klopp entfacht, steht die Weltmeisterschaft selbst im Mittelpunkt einer hitzigen Debatte. Hintergrund ist ein Streit über die zukünftige Vermarktung der Weltmeisterschaft. Nach Informationen aus dem Umfeld der europäischen Fußballverbände lehnt die Uefa entsprechende Fifa-Pläne geschlossen ab und hat angekündigt, sämtliche Fifa-Wettbewerbe zu boykottieren, falls diese umgesetzt werden.
Warum sich Uefa und Fifa gegenüberstehen
Im Kern geht es um die Frage, wie die Weltmeisterschaft künftig wirtschaftlich organisiert werden soll. Die Fifa verfolgt Pläne, Teile ihrer kommerziellen Rechte in eine neue Gesellschaft auszulagern und externe Investoren zu beteiligen. Die Uefa sieht darin eine Entwicklung, die den Charakter der Weltmeisterschaft grundlegend verändern könnte. Aus ihrer Sicht sollte die Weltmeisterschaft nicht zu einem reinen Investitionsobjekt werden. Sollte es keine Einigung geben, könnte die Weltmeisterschaft erstmals ohne sämtliche Uefa-Mitglieder stattfinden.Warum der Streit gerade jetzt so besonders ist
Auf den ersten Blick wirkt die Kritik der Uefa allerdings etwas widersprüchlich. Schließlich zählt die Fifa schon heute zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Sportorganisationen der Welt. Fernsehrechte, Sponsorenverträge, Werbepartner und Preisgelder erreichen seit Jahren Rekordwerte, zuletzt sorgte auch die neu aufgelegte Klub-Weltmeisterschaft für hohe Einnahmen. Die Weltmeisterschaft ist also längst ein milliardenschweres Geschäft. Der aktuelle Streit dreht sich deshalb weniger um die grundsätzliche Kommerzialisierung des Fußballs, sondern vielmehr um die Frage, wer künftig von diesen Einnahmen profitiert und wer die Kontrolle über die Vermarktung behält. Nach den derzeit diskutierten Plänen könnten erstmals externe Investoren an einer Gesellschaft beteiligt werden, die zentrale Vermarktungsrechte der Fifa verwaltet. Genau diesen Schritt sieht die Uefa kritisch und warnt vor einem wachsenden Einfluss privater Kapitalgeber auf den internationalen Fußball.Warum die Champions League trotzdem anders funktioniert
Dabei stellt sich unweigerlich die Frage, worin eigentlich der Unterschied zur Champions League besteht. Auch dieser Wettbewerb ist hochkommerziell, erzielt Milliardenumsätze und wird weltweit vermarktet. Der entscheidende Unterschied liegt nach Auffassung der Uefa darin, dass die Vermarktung der Champions League vollständig unter ihrer eigenen Kontrolle bleibt und die Erlöse innerhalb des europäischen Fußballs verteilt werden. Kritiker merken allerdings an, dass sich beide Organisationen längst in einem milliardenschweren Wettbewerb um Aufmerksamkeit, Reichweite und Einnahmen befinden. Deshalb sehen viele Beobachter hinter dem aktuellen Konflikt nicht nur den Schutz der Weltmeisterschaft, sondern auch einen Machtkampf zwischen den beiden einflussreichsten Fußballverbänden der Welt.
Und nu?
Sollte die Uefa ihre Drohung tatsächlich wahr machen, hätte das Folgen, die weit über den europäischen Fußball hinausgehen würden. Schließlich gehören mit Deutschland, Spanien, Frankreich, England, Italien, Portugal oder den Niederlanden zahlreiche der erfolgreichsten Fußballnationen der Welt zum europäischen Verband. Ein Großteil der aktuellen Weltstars würde bei einer Weltmeisterschaft fehlen. Für viele Fans wäre ein Turnier ohne diese Mannschaften kaum noch mit einer klassischen WM vergleichbar.
Auch sportlich würde sich das Kräfteverhältnis deutlich verschieben. Nationen aus Südamerika wie Brasilien oder Argentinien würden zwar weiterhin zu den Favoriten zählen, gleichzeitig würden zahlreiche Titelkandidaten aus Europa komplett fehlen. Viele Begegnungen, die seit Jahrzehnten zu den Höhepunkten jeder Weltmeisterschaft gehören, kämen gar nicht erst zustande. Klassiker wie Deutschland gegen England, Spanien gegen Frankreich oder Italien gegen Portugal würden aus dem Turnierkalender verschwinden.
Hinzu kommt die wirtschaftliche Dimension. Europäische Mannschaften sorgen traditionell für hohe Einschaltquoten, ausverkaufte Stadien und enorme Werbeeinnahmen. Fernsehsender, Sponsoren und Vermarktungspartner kalkulieren ihre Investitionen auf Basis genau dieser Attraktivität. Ein Turnier ohne die großen europäischen Nationen könnte deshalb nicht nur sportlich, sondern auch finanziell erheblich an Bedeutung verlieren.


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