24 Stunden ohne Auto - klingt einfacher als es ist
Die Aufgabe klingt zunächst überschaubar. Einen einzigen Tag bleibt das Auto stehen. Keine Fahrt zum Bäcker, kein kurzer Abstecher zum Supermarkt und auch der Arbeitsweg muss anders bewältigt werden. Wer mitten in einer Großstadt lebt, dürfte darüber vermutlich nur müde lächeln. Bus, Bahn, Fahrrad, E-Scooter oder schlicht die eigenen Füße bieten dort zahlreiche Alternativen.Ganz anders sieht die Sache allerdings auf dem Land aus. Wenn der nächste Supermarkt mehrere Kilometer entfernt liegt, der Bus nur alle paar Stunden fährt und der Arbeitsplatz im Nachbarort liegt, wird aus dem kleinen Experiment ziemlich schnell eine logistische Herausforderung.
Deutschland ist noch immer ein Land der Autos
Das Auto besitzt hierzulande nach wie vor einen enormen Stellenwert. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes waren zu Beginn des Jahres 2026 rund 49,5 Millionen Personenkraftwagen in Deutschland zugelassen. Rein rechnerisch kommt damit auf deutlich mehr als jeden zweiten Einwohner ein Pkw.Dabei geht es längst nicht immer nur um Bequemlichkeit. Gerade außerhalb großer Städte ermöglicht das Auto vielen Menschen überhaupt erst, flexibel zur Arbeit zu kommen, größere Einkäufe zu erledigen oder Familienmitglieder zu besuchen. Der berühmte Satz „Dann fahr doch einfach mit dem Bus“ funktioniert eben nur dort wirklich gut, wo regelmäßig einer fährt.
In der Großstadt könnte das Experiment funktionieren
Wer in Berlin, Hamburg, München, Köln oder einer anderen größeren Stadt wohnt, hat es beim autofreien Selbstversuch wesentlich leichter. Viele alltägliche Ziele sind zu Fuß erreichbar und für längere Strecken stehen öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung.Trotzdem dürfte auch dort auffallen, wie sehr sich Gewohnheiten eingeschlichen haben. Drei Kilometer zum Getränkemarkt? Mit zwei Wasserkästen wird die Rückfahrt auf dem Fahrrad plötzlich deutlich weniger romantisch. Ein spontaner Besuch bei Freunden am anderen Ende der Stadt? Erst einmal nachsehen, wann die letzte Bahn zurückfährt.
Der autofreie Tag zeigt deshalb vielleicht weniger, ob wir grundsätzlich ohne Auto leben könnten, sondern vielmehr, wie sehr wir unsere Tagesabläufe auf dessen ständige Verfügbarkeit abgestimmt haben.
Auf dem Land wird aus Verzicht schnell ein Problem
Noch deutlicher wird das Gefälle in kleineren Gemeinden und ländlichen Regionen. Dort können Busverbindungen am Abend oder am Wochenende stark eingeschränkt sein. Manche Ziele sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur über Umwege erreichbar, während dieselbe Strecke mit dem Auto wenige Minuten dauert.Wer zusätzlich Kinder transportieren muss, im Schichtdienst arbeitet oder regelmäßig größere Einkäufe erledigt, dürfte einen kompletten Verzicht deshalb wesentlich schwieriger finden. Die Diskussion um weniger Autoverkehr ist damit zwangsläufig auch eine Diskussion darüber, welche Alternativen überhaupt vorhanden sind.
Autofreier Tag ist mehr Experiment als Verbot
Beim autofreien Tag geht es nicht darum, dass in Deutschland plötzlich niemand mehr fahren darf. Vielmehr soll der 22. September dazu anregen, alternative Formen der Mobilität auszuprobieren. In verschiedenen Städten und Gemeinden werden dazu Aktionen organisiert oder Flächen zeitweise anders genutzt.Der Termin bildet zugleich den Abschluss der Europäischen Mobilitätswoche, die jedes Jahr vom 16. bis 22. September stattfindet. Dabei dreht sich vieles um Bus und Bahn, Fahrradverkehr, Fußwege und die Frage, wie Städte künftig gestaltet werden könnten.
Was passiert, wenn das Auto einfach stehen bleibt?
Vielleicht ist genau das die interessanteste Seite dieses Tages. Du musst dein Auto schließlich nicht verkaufen und auch keinen persönlichen Feldzug gegen den Verbrennungsmotor beginnen. Es reicht schon, einmal bewusst zu überlegen, welche Fahrten tatsächlich notwendig sind.Muss die zwei Kilometer entfernte Strecke wirklich mit dem Auto zurückgelegt werden? Könnte man kleinere Einkäufe zu Fuß erledigen? Und wie lange würde der eigene Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln eigentlich dauern?
Manche dürften bei diesem Experiment feststellen, dass überraschend viele Wege auch ohne Auto funktionieren. Andere werden nach wenigen Stunden wahrscheinlich zu dem Ergebnis kommen, dass ihr Alltag ohne eigenen Wagen kaum zu organisieren wäre. Beides sagt etwas darüber aus, wie unterschiedlich Mobilität in Deutschland funktioniert.
Also: Würdest du es schaffen?
Am Ende lässt sich daraus ein ziemlich einfaches Experiment machen. Lass das Auto am 22. September für 24 Stunden stehen und erledige deinen normalen Alltag trotzdem. Keine perfekt vorbereitete Fahrradtour und kein Sonntag auf dem Sofa, sondern ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag.Vielleicht stellst du abends fest, dass du dein Auto viel weniger brauchst als gedacht. Vielleicht stehst du aber auch schon morgens an einer Bushaltestelle und fragst dich, warum die nächste Verbindung erst in 47 Minuten kommt.
Und genau deshalb interessiert uns deine Erfahrung: Würdest du einen normalen Tag komplett ohne Auto schaffen - oder wäre das an deinem Wohnort praktisch unmöglich?


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