Ein neuer Blick auf eine historische Figur
Schon zu Beginn ihrer Beschäftigung mit dem Skript ging Rooney Mara mit einer gewissen Skepsis an das Projekt heran. Ihre eigene Vergangenheit an einer katholischen Schule und frühere Erfahrungen mit der Kirche prägten ihren kritischen Blick. Doch ein klärendes Gespräch mit Regisseur Garth Davis änderte ihre Haltung grundlegend.Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, war meine Haltung ziemlich zynisch. Aber dann sprach ich mit Garth und verstand, welche Art Film er machen wollte.
Ein zentraler Punkt, der Mara im Zuge ihrer Recherche besonders beschäftigte, war die historische Herabwürdigung Maria Magdalenas. Über Jahrhunderte hinweg wurde sie fälschlicherweise oft auf die Rolle der Prostituierten reduziert, während andere Jünger wie Petrus, der Jesus verleugnete, als Heilige verehrt wurden.
Sie war ein wesentlicher Teil der Geschichte, aber man degradierte sie zur Hure, während Petrus, der Jesus dreimal verleugnete und seine Botschaft falsch verstand und vermittelte, zum Heiligen erhoben wurde, dem Kirchen auf der ganzen Erde geweiht sind.
In der Verfilmung präsentiert sich Maria Magdalena keineswegs als folgsame und stumme Jüngerin. Stattdessen rebelliert sie mutig gegen die gesellschaftlichen Hierarchien und Geschlechterrollen ihrer Epoche. Ganz bewusst entscheidet sie sich mit Mitte zwanzig für ein Leben ohne Ehe und Kinder, obwohl der familiäre Druck aus ihrem Umfeld enorm groß ist.
Sie soll das tun, was man von Frauen erwartet. Aber sie wehrt sich dagegen.
Neben Rooney Mara in der Hauptrolle ist Joaquin Phoenix als Jesus zu sehen. Für Regisseur Garth Davis schließt der Film thematisch an sein gefeiertes Spielfilmdebüt Lion – Der lange Weg nach Hause an, das ebenfalls für mehrere Oscars nominiert war. Auch dort stand die emotionale Suche nach Identität und neuen Lebensperspektiven im Vordergrund. Mit Maria Magdalena lieferte das Team eine ambitionierte Neuinterpretation, die bekannte biblische Pfade verlässt und das Publikum dazu einlädt, die Ereignisse aus einem gänzlich anderen Blickwinkel zu betrachten. Weitere namhafte Darsteller wie Tahar Rahim als Judas und Chiwetel Ejiofor als Petrus vervollständigen das prominente Ensemble des Dramas, das tief in die spirituelle Reise und das bewegende Schicksal der Apostelin eintaucht.


Noch keine Kommentare. Starte die Diskussion!