Skepsis trifft auf Pioniergeist in kleinen und mittleren Betrieben
In der Breite des deutschen Mittelstands dominiert derzeit noch das Abwarten. Zwar nutzen knapp zwei Drittel der befragten Entscheider zumindest gelegentlich klassische generative KI, doch autonome KI-Agenten finden bislang nur bei 24 Prozent der Betriebe Anwendung. Ein differenzierterer Blick auf die Daten offenbart jedoch deutliche Unterschiede je nach Unternehmensgröße und Alter der Führungskräfte. In mittelständischen Unternehmen mit zehn oder mehr Mitarbeitenden liegt der Anteil der Nutzer von Agentic AI bereits bei rund 45 Prozent, und mehr als jeder fünfte Betrieb setzt die Technologie dort regelmäßig ein.Vor allem jüngere Führungskräfte treiben diese Entwicklung maßgeblich voran. Unter den Befragten unter 35 Jahren nutzt bereits jeder Dritte KI-Agenten in der täglichen Praxis. Zudem investieren 22 Prozent dieser Altersgruppe gezielt in die Weiterbildung ihrer Beschäftigten im Bereich künstlicher Intelligenz. Mehr als ein Viertel der jüngeren Entscheider zeigt sich überzeugt, dass das eigene Unternehmen ohne den Einsatz von KI-Agenten mittelfristig an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen wird.
Entlastung bei Routineaufgaben als zentraler Hebel
Der Druck im operativen Geschäft ist hoch: Rund 40 Prozent der befragten Entscheider identifizieren die Auftragsabwicklung sowie den Kundenservice als besonders belastende Aufgabenbereiche. Knapp ein Drittel klagt über eine zu hohe administrative Arbeitslast, während fast 30 Prozent den ständigen Innovationsdruck als Herausforderung empfinden. Genau hier sehen Befürworter der neuen Technologie erhebliche Chancen. Über die Hälfte der Unternehmen ab zehn Mitarbeitenden geht davon aus, durch den Einsatz von KI-Agenten zwischen zehn und über 30 Prozent der operativen Routinearbeiten einsparen zu können.Patrick Sostmann, General Manager von Alibaba.com Europe, betont die Notwendigkeit, KI tiefer in bestehende Abläufe einzubinden:
Viele kleine und mittlere Unternehmen nutzen KI heute bereits, aber häufig noch punktuell. Die nächste Stufe besteht darin, KI-Agenten starker in konkrete Geschäftsprozesse zu integrieren. Gerade jüngere Entscheider zeigen, welches Potenzial darin steckt: KI-Agenten können Märkte analysieren, Produktchancen identifizieren, Lieferanten bewerten, Verhandlungen vorbereiten und operative Aufgaben entlang des Geschäftsalltags übernehmen. Mit Tools wie Accio entsteht für KMU die Möglichkeit, mit begrenzten Ressourcen schneller zu handeln, bessere Entscheidungen zu treffen und mehr Zeit für Wachstum freizusetzen.
Wandel von der Spielerei zur betrieblichen Infrastruktur
Martin Groß-Albenhausen, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim bevh, sieht die Unternehmen dennoch an einem Wendepunkt bei der Prozessgestaltung:Vom Use-Case zur festen Infrastruktur: Während auf technischer Ebene die Anwendungsfälle und Kompetenzen von Mitarbeitenden zunehmen, werden organisatorisch in vielen Unternehmen gerade erst die Grundlagen geschaffen. Dazu gehören Governance-Strukturen und Qualitätssicherung, die das Vertrauen in KI weiter stärken. KI wird damit zu einem festen Produktionsfaktor: Wo vorher noch vereinzelt mit KI experimentiert wurde, wird zunehmend eigenmotiviert und in lösungsorientierten Handlungsspielräumen gearbeitet.


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