Dabei verlief der Start zunächst erstaunlich unspektakulär. Nintendo lieferte zum japanischen Verkaufsbeginn rund 500.000 Konsolen aus, doch die erwarteten Menschenschlangen vor den Geschäften blieben weitgehend aus. Gerade einmal drei Spiele standen zum Auftakt bereit: Wave Race: Blue Storm, Luigi’s Mansion und Super Monkey Ball. Was damals eher überschaubar wirkte, liest sich rückblickend wie der Beginn einer ganz besonderen Konsolenära.
Ein japanischer Geburtstag mit europäischer Verspätung
Ganz korrekt feiern wir am 14. September 2026 den 25. Jahrestag des japanischen GameCube-Starts. In Nordamerika erschien die Konsole am 18. November 2001, während Spieler in Deutschland und dem restlichen Europa sogar bis zum 3. Mai 2002 warten mussten. Das europäische Jubiläum folgt deshalb streng genommen erst im kommenden Frühjahr.Der heutige Termin markiert dennoch die eigentliche Geburtsstunde des Nintendo GameCube. Gleichzeitig feiern auch Luigi’s Mansion und Super Monkey Ball ihren 25. Geburtstag. Gerade Luigi dürfte sich damals vermutlich selbst darüber gewundert haben, dass ausgerechnet er und nicht sein berühmter Bruder den Start einer neuen Nintendo-Konsole begleiten durfte.
Nintendo verabschiedet sich von den Modulen
Technisch bedeutete der GameCube einen bemerkenswerten Einschnitt. Nintendo hatte beim Nintendo 64 noch konsequent an vergleichsweise teuren Spielmodulen festgehalten, obwohl Sony mit der PlayStation längst auf CDs setzte. Beim GameCube wechselte das Unternehmen schließlich ebenfalls zu optischen Datenträgern, entschied sich aber natürlich nicht für eine gewöhnliche DVD.Stattdessen verwendete Nintendo kleine Discs mit einem Durchmesser von acht Zentimetern und einer Kapazität von ungefähr 1,5 Gigabyte. Sie sahen putzig aus, ließen sich wunderbar sammeln und passten perfekt zum kompakten Gehäuse. Gleichzeitig boten sie jedoch deutlich weniger Speicherplatz als die DVDs der Konkurrenz. Manche umfangreicheren Spiele mussten deshalb auf zwei Discs verteilt oder technisch stärker komprimiert werden.
Auch die Möglichkeit, handelsübliche DVD-Filme abzuspielen, fehlte. Das war ein echter Nachteil, denn die PlayStation 2 hatte sich in vielen Haushalten nicht nur als Spielekonsole, sondern zugleich als vergleichsweise günstiger DVD-Player etabliert. Nintendo verkaufte dagegen eine Maschine, die fast ausschließlich zum Spielen gedacht war. Rückblickend besitzt gerade diese Konsequenz einen gewissen Charme, wirtschaftlich geholfen hat sie dem GameCube allerdings kaum.
Der Tragegriff wird zum Symbol einer ganzen Generation
Das auffälligste Merkmal befand sich auf der Rückseite: ein fest eingebauter Tragegriff. Weshalb eine stationäre Konsole einen Griff benötigte, obwohl Du für den Transport zusätzlich Netzteil, Kabel, Controller und Spiele einpacken musstest, blieb ein kleines Geheimnis. Praktisch war er nur bedingt, unverwechselbar war er dafür umso mehr.Kein anderes Detail fasst Nintendos damalige Haltung besser zusammen. Während Sony die PlayStation 2 als futuristische Multimediazentrale inszenierte und Microsoft mit der ersten Xbox technische Stärke demonstrierte, stellte Nintendo einen violetten Würfel mit Henkel ins Wohnzimmer. Der GameCube wollte gar nicht erwachsen oder besonders seriös aussehen. Er wollte eine Spielekonsole sein - und genau das war er mit bemerkenswerter Konsequenz.
Neben der violetten Standardausführung erschienen später unter anderem schwarze, silberne und orangefarbene Varianten. Besonders die orange Version entwickelte sich zu einem begehrten Sammlerstück. Der Spitzname „Lunchbox“ ließ sich dennoch keiner Farbvariante vollständig austreiben.
Ein Controller zwischen Genialität und Größenwahn
Ähnlich eigenwillig fiel der Controller aus. Der riesige grüne A-Knopf lag unübersehbar im Mittelpunkt, während sich die übrigen Tasten in unterschiedlichen Formen darum gruppierten. Wer den Controller zum ersten Mal betrachtete, konnte ihn durchaus für das Ergebnis eines besonders ausgelassenen Designerabends halten.Sobald Du ihn in der Hand hattest, ergab vieles plötzlich Sinn. Die unterschiedlichen Tastenformen ließen sich ertasten, ohne ständig auf den Controller zu schauen. Die analogen Schultertasten ermöglichten fein abgestufte Eingaben, was besonders bei Rennspielen angenehm war. Der gelbe C-Stick war dagegen nicht in jedem Genre die ideale Lösung, und das kleine Steuerkreuz wirkte schon damals etwas verloren.
Trotzdem besitzt das Grunddesign bis heute so viele Anhänger, dass Nintendo den Controller über mehrere Konsolengenerationen hinweg unterstützte. Besonders in der Super-Smash-Bros.-Gemeinschaft gilt er weiterhin als bevorzugtes Eingabegerät. Ein Vierteljahrhundert nach seiner Vorstellung ist das eine erstaunliche Leistung.
Der GameCube lieferte Nintendo in Bestform
Entscheidend für die heutige Verehrung ist natürlich nicht das Gehäuse, sondern die Spielebibliothek. Mit Super Mario Sunshine schickte Nintendo seinen berühmtesten Klempner in einen sonnigen Inselurlaub und schnallte ihm eine sprechende Wasserspritze auf den Rücken. The Legend of Zelda: The Wind Waker provozierte mit seiner Zeichentrickoptik zunächst heftige Diskussionen, gilt inzwischen jedoch als eines der schönsten und zeitlosesten Abenteuer der Reihe.Metroid Prime übersetzte die zweidimensionalen Abenteuer von Samus Aran eindrucksvoll in eine dreidimensionale Welt. Mario Kart: Double Dash!! setzte zwei Figuren gemeinsam in ein Fahrzeug und wird von vielen Fans bis heute schmerzlich vermisst. Super Smash Bros. Melee entwickelte sich vom turbulenten Prügelspiel zu einem langlebigen Wettbewerbsklassiker.
Hinzu kamen Paper Mario: Die Legende vom Äonentor, F-Zero GX, Pikmin, Animal Crossing, Eternal Darkness, Star Wars Rogue Squadron II und gleich zwei Pokémon-Colosseum-Spiele. Mit Donkey Konga und Jungle Beat durfte sogar auf Kunststofftrommeln gespielt werden. Der GameCube war vielleicht nicht die erfolgreichste Nintendo-Konsole, aber ganz bestimmt eine der experimentierfreudigsten.
Resident Evil 4 verändert die Actionspiele
Nintendo bemühte sich zugleich darum, das kindliche Image der eigenen Plattform aufzubrechen. Besonders sichtbar wurde das durch die Zusammenarbeit mit Capcom. Das erste Resident Evil erhielt ein technisch beeindruckendes Remake, Resident Evil Zero erzählte die Vorgeschichte der Reihe und Resident Evil 4 veränderte schließlich das Design moderner Actionspiele.Die Kamera wanderte dicht hinter die Schulter der Spielfigur und verlieh den Kämpfen eine bis dahin ungewöhnliche Intensität. Zahllose spätere Spiele griffen dieses Prinzip auf. Dass ein derart einflussreicher Titel zunächst als GameCube-Spiel erschien, passt zu einer Konsole, deren Bedeutung vielfach erst mit zeitlichem Abstand vollständig erkannt wurde.
Gute Ideen reichen nicht immer für den ersten Platz
Trotz seiner hervorragenden Spiele konnte sich der GameCube wirtschaftlich nicht gegen die PlayStation 2 behaupten. Weltweit verkaufte Nintendo knapp 22 Millionen Exemplare. Sonys Konkurrenzkonsole erreichte ein Vielfaches davon und wurde zur erfolgreichsten klassischen Heimkonsole ihrer Zeit. Auch die erste Xbox konnte den GameCube bei den weltweiten Verkaufszahlen knapp überholen.Dafür gab es mehrere Gründe. Nintendo war bei vielen Jugendlichen als Hersteller für Kinder verschrien. Der fehlende DVD-Player machte die Konsole außerhalb des reinen Spielens weniger attraktiv. Das Design wirkte neben der Konkurrenz verspielt, und einige wichtige Dritthersteller behandelten den GameCube eher stiefmütterlich. Spiele erschienen verspätet, in abgespeckter Form oder überhaupt nicht.
Nintendo experimentierte zwar mit Onlinefunktionen, doch ein überzeugendes Netzwerk nach dem Vorbild von Xbox Live entstand nicht. Stattdessen konzentrierte sich das Unternehmen auf ungewöhnliche Verbindungen zum Game Boy Advance. Dieser ließ sich in manchen Spielen als zusätzlicher Bildschirm oder eigener Controller verwenden. Die Idee war ihrer Zeit voraus, scheiterte im Alltag aber oft an den zusätzlich benötigten Geräten und Verbindungskabeln.
Vom unterschätzten Würfel zum gesuchten Sammlerstück
Heute begegnen viele Spieler dem GameCube mit einer Wärme, die der Konsole während ihrer aktiven Zeit nicht immer entgegengebracht wurde. Die gebrauchten Geräte sind gefragt, zahlreiche Spiele erzielen hohe Sammlerpreise und selbst das charakteristische Startgeräusch besitzt Kultstatus. Wer den Deckel öffnet, eine winzige Disc einlegt und den großen Einschaltknopf drückt, bekommt ein Stück früher Zweitausender zurück.Vielleicht liegt die anhaltende Zuneigung auch daran, dass der GameCube für eine vergleichsweise unbeschwerte Form des Spielens steht. Es gab keine gigantischen Aktualisierungen am Erscheinungstag, keine kostenpflichtigen Battle Passes und keine ständig wechselnden Ingame-Shops. Du legtest eine Disc ein, schnappstest Dir einen Controller und konntest loslegen. Für gemeinsame Partien standen vier Anschlüsse direkt an der Vorderseite bereit.
Natürlich war auch damals nicht alles besser. Speicherstände benötigten separat erhältliche Memory Cards, Onlinefunktionen waren kaum vorhanden und manche Spiele sind heute nur noch schwer bezahlbar. Dennoch fühlt sich der GameCube wie ein erstaunlich vollständiges Produkt an: kompakt, zuverlässig, unverwechselbar und ganz auf das Spielen konzentriert.
25 Jahre später ist der GameCube endlich Sieger
Der Nintendo GameCube gewann seine Konsolengeneration nicht. Er verkaufte sich schlechter als seine wichtigsten Konkurrenten und führte Nintendo letztlich zu einem radikalen Kurswechsel. Aus diesem Umdenken entstand wenige Jahre später die Wii, die mit Bewegungssteuerung ein völlig neues Publikum erreichte.Seinen Platz in der Spielegeschichte musste sich der kleine Würfel deshalb auf andere Weise erarbeiten. Er gewann nicht durch Verkaufszahlen, sondern durch Erinnerungen. Durch Nächte mit Mario Kart: Double Dash!!, erbitterte Duelle in Super Smash Bros. Melee, die überschwemmte Insel aus Super Mario Sunshine und die erste Begegnung mit den Geistern aus Luigi’s Mansion.
Am 14. September 2026 wird der GameCube 25 Jahre alt. Der Tragegriff wirkt noch immer ein wenig albern, die Discs sind noch immer ungewöhnlich klein und das violette Gehäuse passt weiterhin in kein seriös eingerichtetes Wohnzimmer. Aber vielleicht ist genau das sein größter Triumph: Der GameCube wollte niemals so aussehen wie alle anderen. Ein Vierteljahrhundert später lieben wir ihn genau dafür.


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