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Dogma 25 Germany: Fünf Regie-Größen gründen neues Filmkollektiv

Mit zehn radikalen Regeln wollen Tom Tykwer und Co. das Kino verändern.



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Wenn du das zeitgenössische deutsche Autorenkino verfolgst, sind dir Erfolge wie "Lola rennt", "Systemsprenger", "Axolotl Overkill", "Mond" oder "Das Lehrerzimmer" mit Sicherheit ein Begriff. Die Köpfe hinter diesen Werken – Kurdwin Ayub, İlker Çatak, Nora Fingscheidt, Helene Hegemann und Tom Tykwer – wagen nun einen gemeinsamen Befreiungsschlag. Am Rande der Filmfestspiele in Cannes kündigten die fünf Regisseur:innen die Initiative Dogma 25 Germany an. Ziel des Kollektivs ist es, fünf voneinander unabhängige Spielfilme zu drehen, die sich von den Zwängen der modernen Filmindustrie emanzipieren.

Ein Gegenpol zu Algorithmen und KI

Das deutsche Kollektiv schließt sich damit der dänischen Dogma 25-Bewegung an, die ein Jahr zuvor von Filmemacher:innen wie May el-Toukhy und Milad Alami ins Leben gerufen wurde. Vorbild bleibt die historische Dogma 95-Bewegung rund um Lars von Trier und Thomas Vinterberg, die vor drei Jahrzehnten mit Werken wie "Das Fest" oder "Italienisch für Anfänger" ein Zeichen gegen die Kommerzialisierung der Kinolandschaft setzte.

Heute sieht sich die Branche mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert: Zunehmend kleinteilige Finanzierungen, hochgradig durchkalkulierte Studioentscheidungen, algorithmisch optimierte Streaming-Inhalte und der Vormarsch künstlicher Intelligenz erschweren mutige künstlerische Visionen. Dogma 25 Germany versteht sich als radikaler Gegenentwurf. Um die künstlerische Unabhängigkeit zu sichern, setzen die Verantwortlichen auf eine gemeinsame Basisfinanzierung für alle fünf Filme. Beteiligt sind unter anderem X Filme Creative Pool, Zentropa Germany sowie if...productions. Den Verleih im deutschsprachigen Raum übernimmt X Verleih, während TrustNordisk den Weltvertrieb leitet. Als erste Regionalförderung unterstützt die Moin Filmförderung das Projekt, Verhandlungen mit ZDF und Arte stehen kurz bevor.

Die beteiligten Regisseur:innen bringen die Dringlichkeit ihres Vorhabens auf den Punkt:
Wir Filmemacher:innen leben im Zeitalter unserer eigenen Überflüssigkeit. Wenn Geschichten nach Empfehlungslogiken sortiert werden und bald jeder, der Lust hat, seinen eigenen Blockbuster prompten kann, erscheint es uns immer schwerer zu rechtfertigen, warum wir uns den Bedingungen des klassischen Filmemachens überhaupt noch aussetzen.

Zehn Regeln für ein unberechenbares Kino

Um den Fokus wieder auf die Essenz des Geschichtenerzählens zu lenken, verpflichtet sich das Quintett auf einen strengen Regelkatalog. Dieses sogenannte Keuschheitsgelübde soll den Schaffensprozess entschleunigen und gleichzeitig neue kreative Dynamiken freisetzen:
  1. Das Drehbuch wird original und handschriftlich von den Regisseur:innen verfasst.
  2. Mindestens die Hälfte des Films muss ohne Dialog auskommen.
  3. Das Internet wird aus allen kreativen Prozessen ausgeschlossen.
  4. Wir akzeptieren nur Finanzierungen ohne inhaltliche Auflagen.
  5. Nicht mehr als 10 Personen hinter der Kamera.
  6. Der Film muss dort gedreht werden, wo die Handlung spielt.
  7. Wir dürfen kein Make-Up verwenden oder Gesichter und Körper manipulieren, es sei denn, dies ist Teil der Erzählung.
  8. Alles, was mit der Produktion des Films zu tun hat, muss gemietet, ausgeliehen, gefunden oder wiederverwendet werden.
  9. Der Film muss innerhalb von einem Jahr fertiggestellt werden.
  10. Mach diesen Film, als wäre es dein Letzter.
Besonders die Beschränkung auf maximal zehn Crewmitglieder hinter der Kamera bedeutet für ein Kinoprojekt eine spürbare Entlastung. Es zwingt alle Beteiligten dazu, sich auf das Unvorhersehbare einzulassen und Entscheidungen aus dem Moment heraus zu treffen. Du kannst dich also auf ein Kinoexperiment freuen, das den Fokus wieder auf echte Orte, reale Menschen und risikofreudiges Erzählen richtet.

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